
Raquel Tavares | Sängerin
„Es sind die Menschen, die Städte ausmachen“
Die Sängerin Raquel Tavares und der Musiker und Komponist Rodrigo Leão schreiben Partituren mit traditionellen Noten und modernen Akkorden - und leihen Lissabon ihre Stimme.
Text: Guadalupe Rodríguez | Fotos: Carlos Luján | Video: Kreativa Visual
In Alfama befindet sich das Fado-Museum und dort schmückt ihr Bild zusammen mit vielen anderen aus der neuen Generation der Fado-Sänger wie Mariza, Carminho oder Ana Moura eine Wand. Statt von vorne präsentiert sie sich dort im Profil, auf der Bühne bei einem ihrer Konzerte, die sie durch die ganze Welt führen. Noch heute geht sie gerne in die Fado-Lokale – inzwischen als Zuhörerin – in denen sie ab ihrem siebzehnten Lebensjahr sang, manchmal in drei verschiedene an einem Abend.
Rodrigo Leão | Komponist und Musiker
„Lissabon ist in meiner Musik präsent.“
Rodrigo Leão Laufbahn ist eine Metapher für die Entwicklung Portugals: Ohne seine Wurzeln und Traditionen zu verleugnen, hat er Einflüsse von außen aufgesogen, um seine Musik der ganzen Welt nahezubringen.
Text: Guadalupe Rodríguez | Fotos: Carlos Luján | Video: Kreativa Visual
eitdem er in den 80er-Jahren als Mitglied der Bands Sétima Legião und Madredeus begann, hat der Komponist, Klavierspieler und Gitarrist Rodrigo Leão die Wurzeln der portugiesischen Musik aufgesogen und Instrumente wie das Akkordeon neu belebt. Er mixte sie mit den unterschiedlichsten musikalischen Einflüssen – von Britpop und New Age bis hin zu brasilianischer Musik – und startete eine Karriere als Komponist von Filmmusik und Songs für verschiedene Sänger „Die portugiesische Musik hat eine sehr starke Identität. Nicht nur der Fado. Auch andere Gruppen nähren sich immer mehr der portugiesischen Volksmusik an“, erklärt er uns im Restaurant 100 Maneiras, ganz in der Nähe seiner Wohnung. Dabei sitzt er auf demselben Sofa, auf dem er zusammen mit Scott Matthew für die Hülle seiner aktuellen CD „Life is Long“ fotografiert wurde.
Wenn er gerade nicht auf Tournee ist, teilt er seine Zeit zwischen dem Alentejo, wo er die Ruhe zum Komponieren findet, und Lissabon auf. Er bummelt gerne durch Chiado und am Ufer des Tejo entlang, von Cais do Sodré bis Alcântara. „Ein einstündiger Spaziergang mit einem außergewöhnlichen Licht. Cais do Sodré und Bairro Alto sind Viertel mit ausgeprägtem Nachtleben, mit jungen Leuten, vielen Kneipen und Restaurants. Für alle, die Trubel mögen, sind das die besten Orte in Lissabon.“ Denen, die es eher gemächlich mögen, empfiehlt Leão den Praça das Flores in der Nähe von Príncipe Real und den Estrela-Park. „In Lissabon sind neue Plätze entstanden, an denen man Live-Musik hört, mehr Restaurants … Lissabon hat neues Leben erhalten, nicht nur abends, sondern auch tagsüber. Es werden immer mehr Shows angeboten. Nicht nur im Sommer mit den ganzen Festivals, an denen die bekanntesten Pop-Rock-Gruppen teilnehmen, sondern auch mit Aufführungen in Sälen wie dem Kolosseum im Kulturzentrum von Belém, das es vor zehn Jahren noch gar nicht gab“, freut sich der Musiker.
„Natürlich fühle ich, dass etwas von Lissabon, von Portugal in meiner Musik steckt, denn ich lebe sehr gerne hier. Es fällt vielleicht nicht sofort auf, aber einige Melodien sind sehr portugiesisch. Es gibt eine gewisse Melancholie, die typisch für Portugal ist und die in meinen Liedern sehr präsent ist.“ Aber Rodrigo Leão erklärt uns, dass diese Melancholie oder Romantik nicht unbedingt traurig ist, sondern Hoffnung mit sich bringt. „Es gibt eine gewisse Traurigkeit, Melancholie, aber mit einem Hauch Poesie und Hoffnung. Das Leben am Meer, Wein, Essen – all das gehört zu unserer Kultur.“









