
Abu Dhabi im Schnelldurchlauf
n Abu Dhabi lebt man schnell. Nicht ganz so schnell wie die Formel-1-Rennwagen, die seit 2008 auf der Rennstrecke Yas Marina ihre Runden drehen, aber schnell genug, dass in weniger als 60 Jahren die Hütten aus Lehm und Stroh durch gläserne Wolkenkratzer und luxuriöse 5-Sterne-Hotels ersetzt werden konnten. Die Magie der Petrodollar hat die frühere Nomadensiedlung in ein Finanzzentrum mit einer Überbevölkerung an Rolls Royces und Maseratis verwandelt.
Übersetzt bedeutet Abu Dhabi „Gazellenland“, und vielleicht hat das ja etwas mit dem atemberaubenden Rhythmus zu tun, den die städtebauliche Entwicklung zeigt. Eines der spektakulärsten Beispiele dafür ist Saadiyat, eine Insel, die auf 27 Quadratkilometern die Werke der renommiertesten Architekten der Welt vereint. Die arabischen Filialen des Guggenheim und des Louvre, entworfen von Frank Gehry bzw. Jean Nouvel, teilen sich eine Hauptrolle mit dem Zayed National Museum von Norman Foster. Das kulturelle Angebot des Viertels wird vom Meeresmuseum von Tadao Ando und dem Center for Performing Arts der vor kurzem verstorbenen Zaha Hadid komplettiert. Viel Luxus und jede Menge Kultur, die einem ähnlichen Touristenwachstum vorgreifen, wie es die Nachbarstadt Dubai bereits erlebt hat.

Gegensätzliche Rhythmen
Das beschleunigte Leben der Stadt kontrastiert mit der Stille der Wüste Rub Al Khali, in der die Zeit zwischen den Dünen still zu stehen scheint. Um sie in aller Ruhe zu erkunden, bietet sich eine Übernachtung in Qasr Al Sarab an, einer Luxusanlage, die an eine arabische Festung erinnert, die sich im Sand verbirgt.
Aber in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate ist nicht alles ultramodernes Design von prestigeträchtigen Architekten. Das schwarze Gold spiegelt sich auch im weißen Marmor der großen Moschee Sheikh Zayed wider. Der 2007 eingeweihte Tempel beeindruckt mit über 1000 Säulen und 82 Kuppeln in einer Konstruktion, die mehrere islamische Baustile vereint. Mit 24-karätigem Gold überzogene Leuchten und der größte handgeknüpfte Teppich der Welt schmücken den heiligen Ort.
Die Ferrari World ist eine weitere Attraktion, eine Hommage an die Geschwindigkeit. Der größte Indoor-Themenpark der Welt ehrt die italienische Marke auf über 86.000 Quadratmetern. Er wurde in nur drei Jahren gebaut, bei seiner Dachkonstruktion wurde so viel Aluminium verwendet, wie bei der Herstellung von 16.750 Autos. Für ein Extra an Adrenalin sorgt Formula Rossa, die schnellste Achterbahn der Welt, in der man erleben kann, wie sich Vettel und Räikkönen am Steuer ihrer Rennwagen fühlen.

Dieses Bedürfnis, intensiv zu leben, überträgt sich auch auf die Besucher. Selbst die Tourismusbehörde fördert Express-Besuche. „Kurz kann süß sein“, heißt es in den Broschüren mit verschiedenen Touren, je nachdem, wie viel Zeit die Besucher hier verbringen möchten. Mit einem speziellen Durchreisevisum können Reisende bis zu vier Tage in der Stadt bleiben und Fluggesellschaften wie Etihad Airways kümmern sich um die Buchung von Hotels und Eintrittskarten, um den Kurzurlaub noch bequemer zu machen.

Aber man kann Abu Dhabi auch ohne Eile besichtigen. Man kann in aller Ruhe die acht Kilometer lange Strandpromenade, die Corniche, entlangbummeln, auf die Aussichtsplattform der Etihad Towers steigern und die Metropole von oben betrachten oder – für Genussmenschen – sich beim traditionellen Kaffeeritual im prunkvollen Hotel Emirates Palace bedienen lassen. Den Palace Cappuccino sollte man langsam genießen. Er wird mit Puder aus 24-karätigem Gold bestäubt. Und sicher möchte niemand an einem Stückchen Gold ersticken.









