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Yorkshire, die Heimat der Brontës

Seit der Geburt von Charlotte Brontë sind 200 Jahre vergangen, aber die Moore im Norden Englands denken noch immer voller Liebe an sie.
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ange bevor Julie Andrews die Hügel mit ihrem Gesang erfreute, wurden sie von Charlotte Brontë betört. In Thornton, einem kleinen Marktflecken im Norden Englands, wurde am 21. April 1816 die Dritte der sechs Geschwister Brontë geboren. Ein Mädchen, das lieber Lord Byron las, als sich mit häuslichen Arbeiten zu beschäftigen. „Die Literatur ist keine Beschäftigung für eine Frau und darf es auch nicht sein,“ schrieb ihr der Dichter Robert Southey in einem Brief. Charlotte ignorierte ihn und nahm sich heraus, eine – nach den damaligen Kritikern – „ordinäre“, „vulgäre“ und „wenig feinfühlige“ Geschichte zu schreiben. „Jane Eyre“ (1847) ist heute einer der beliebtesten Klassiker der englischen Literatur.
In Ponden Hall ist eine Nachbildung von Catherines Bett aus „Sturmhöhen“ zu sehen.

Die Inspiration der „Lake Poets“

Der Lake District in der Grafschaft ist der größte Nationalpark Englands. Charlotte Brontë (hier lernte sie ihre Biografin Elizabeth Gaskell kennen) und die sogenannten „Lake Poets“, Robert Southey, William Wordsworth und Samuel Taylor Coleridge, die ersten romantischen Poeten, schätzten die Gegend sehr.

„Ich bin kein Vogel, ich lasse mich nicht in einen Käfig sperren“, merkt die Hauptfigur an. Der leidenschaftliche Charakter und das rebellische Gen der Schriftstellerin ließen sich da bereits erahnen. Die Geschichte über die Beziehung zwischen Mr. Rochester, einem reichen Grundstücksbesitzer, und der Gouvernante seiner Tochter basierte auf ihrer unerwiderten Liebe zu einem verheirateten Lehrer, den sie während ihres Studiums in Brüssel kennenlernte. Charlotte übertrug die Handlung ins viktorianische England und fand in Yorkshire die perfekte bukolische, düstere Gegend mit ungemütlichen Vormittagen und Regen, der gegen die Fenster peitscht. Die Region, auch als „Grafschaft Gottes” oder „Englands Garten“ bekannt, gehört aber dank des Regens auch zu den grünsten Landstrichen Englands.
Für das grausame Internat Lowood, in dem Jane ihre Kindheit und einen Teil ihrer Jugend verbringt, ließ sich die Schriftstellerin von der Clergy Daughter’s School in Cowan Bridge (Lancashire) inspirieren. Diese besuchte Charlotte 1824 mit ihren älteren Schwestern Maria und Elizabeth. Die beiden starben 1825 an Tuberkulose. Charlotte machte dafür die miserablen Lebensumstände verantwortlich. Die Schule zog 1833 nach Casterton um, das alte Gebäude ist aber immer noch erhalten und erinnert mit einer Tafel an seine berühmte Schülerin.
Im Lake District National Park liegen zwölf der größten Seen Englands. Jedes Jahr zählt der Park 15 Millionen Besucher.
Foto: © Nick-Thorne
Norton Conyers liegt sechs Kilometer von Ripon (North Yorkshire) entfernt. Das bescheidene Bauernhaus rechnete nicht damit, zu einer literarischen Referenz zu werden. Charlotte Brontë besuchte es im Jahr 1839 und das Interieur diente ihr für die Beschreibung von Tornfield Hall. Den bedeutendsten Beitrag zur Novelle brachte jedoch die Geschichte einer Frau, die 60 Jahre, bevor sie die Schriftstellerin zur Figur der Ehefrau Rochesters inspirierte, eingesperrt auf einem Dachboden lebte. Norton Conyers ist von März bis August zu besichtigen.
Haddon Hall kann man nicht nur besichtigen, hier kann man auch heiraten. Das Haus verfügt über zwei Zeremoniensäle und hübsche Gartenanlagen.
Das Herz des „Brontë-Countrys“ befindet sich in Haworth, wo Charlotte mit ihren Schwestern lebte: Emily, Autorin von „Sturmhöhe“, und Anne, die „Agnes Grey“ schrieb. Das Brontë-Parsonage-Museum ist das Wohnhaus der Familie, der Ort, an dem die Schwestern Brontë ihre bedeutendsten Werke verfassten. „Brillant, scharfzüngig und ambitioniert“, so beschreibt sie die Schriftstellerin Tracy Chevalier für die Ausstellung „Charlotte Great and Small“. Bis Dezember 2016 widmet sie sich der Dualität zwischen ihrem „eingeschränkten Leben und ihrem enormen Ehrgeiz“. Die Ausstellung umfasst persönliche Gegenstände wie Bücher, Schuhe, Kleider und sogar einen Liebesbrief, eine Leihgabe der British Library. Im Rahmen einer VIP-Führung kann man auch die Bibliothek besichtigen, die der Öffentlichkeit normalerweise nicht zugänglich ist.
„Haworth repräsentiert die Brontë, die Brontë repräsentieren Haworth“, sagte Virginia Woolf. Die Zuneigung des Ortes zu den Schwestern wurde 2012 deutlich: Die Bewohner sammelten Geld, um die Krypta zu restaurieren, in der Charlotte und Emily bestattet sind. Auch Ponden Hall, das Wohnhaus der Lintons in „Sturmhöhe“ (als Thrushcross Grange) kann besichtigt werden. Das heutige Bed & Breakfast vermietet Zimmer, die an die berühmtesten Schwestern der romantischen Literatur erinnern.

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