>>>Wo Peking seine Kunst verbirgt
Foto: ©Beijing Commune

Wo Peking seine Kunst verbirgt

Die kulturelle Szene der chinesischen Hauptstadt sprudelt im 798 Art District und in Caochangdi. Beide Gebiete liegen am künstlerischen Puls der Stadt.
D
er Distrikt Dashanzi, auch bekannt als das SoHo Pekings, hat einen ähnlichen Ursprung wie der New Yorker Stadtteil. Fern von Tempeln und Touristenattraktionen war er in den 50er Jahren ein Industriegebiet mit Elektroartikel-Fabriken, die dort von den Deutschen errichtet worden waren. In den 90er Jahren wurde alles geschlossen und mit der Jahrtausendwende veränderte sich das Viertel. Künstler und Galerien zogen in die Gegend im Nordwesten der Stadt mit ihren über 20.000 Quadratmetern und erschwinglichen Mieten (0,12 USD/m² am Tag). Die erste Fabrik, die umgewandelt wurde, war die in Nummer 798, und seitdem trägt die Gegend den Namen 798 Art District. Heute ist sie das Mekka für moderne Kunst in Peking und ganz China. Mit diesem zweiten Leben, begann die Kunst im Inneren der Fabriken im Bauhaus-Stil (schlicht und schmucklos) zu blühen und sich auf der Straßen auszubreiten. Ausstellungen im Freien und Graffiti zeichnen das 798 aus. Das hat nichts mehr mit dem Erbe der Ming-Dynastie zu tun, das in den bekannteren Vierteln der Stadt vorherrscht.
Der Eintritt ins Red Brick Art Museum kostet 20 RMB.
Foto: ©Red Brick Art Museum

Mini-Kreativität

Workshops, Aufführungen, Leseecken, Collagen, Graffiti: Der 798 Art District hat auch Platz für Kinder. Im Haus der Freundschaft veranstaltet das International Children's Art Festival (ICAF) Aktivitäten für die ganze Familie.

„Ich mag es, wenn Kunst mir Gänsehaut verursacht. Dann bin ich sicher, dass ich vor etwas wirklich Gutem stehe“, erzählt der belgische Sammler Guy Ullens. Zusammen mit seiner Frau bezog er 2007 eine alte Fabrik für Elektronikzubehör. Mitten im Herzen des Distrikts gründeten die beiden das UCCA (Ullens Center of Contemporary Arts). Und sie kamen nicht mit leeren Händen: Sie brachten ihre Kollektion mit über 1500 Kunstwerken von zeitgenössischen chinesischen Künstlern mit. Das UCCA bietet ein umfangreiches Programm mit Ausstellungen in- und ausländischer Künstler – aufstrebende und bereits bekannte.
Wenige Schritte entfernt befindet sich die Galerie Beijing Commune. In ihrer Anfangszeit untersuchte sie die unterschiedlichen Strömungen in der modernen Kunst. Heute werden dort Einzelausstellungen organisiert. An den Wänden hingen schon Werke von Zhang Xiaogang, einem der teuersten chinesischen Maler der Moderne (eines seiner Werke wurde 2014 bei Sotheby‘s für 12,1 Millionen Dollar verkauft). Nicht weit von Beijing Commune entfernt ist die 798 Photo Gallery tätig, eine kulturelle und kommerzielle Plattform für Fotografen.
In der 798 Photo Gallery wird sowohl klassische als auch moderne Fotografie ausgestellt.
Foto: ©798 Photo Gallery

In einem Kunstwerk schlafen

2015 eröffnete das NUO Hotel ganz in der Nähe des 798 Art Districts. Der Standort wurde nicht willkürlich gewählt, denn das 5-Sterne-Hotel ist zur Hälfte Museum. Mit Zeng Fanzhi hat es zudem einen künstlerischen Direktor, der für die Anschaffung der Werke lokaler Künstler zuständig ist.

Auch heute noch, fünfzehn Jahre nachdem die ersten Künstler ihre Staffeleien dort aufstellten, wo früher Sicherungen hergestellt wurden, ist der 798 Art District das Zentrum der zeitgenössischen Kunstszene der chinesischen Kapitale, inzwischen allerdings mit einem etwas kommerzielleren Charakter. Buchhandlungen, Geschäfte und Cafés gewinnen im Verhältnis zu Galerien und Kunstzentren immer mehr Boden. Die Popularität und die Neubewertung des Quadratmeters, dessen Preis sich in acht Jahren verzehnfacht hat, führten dazu, dass die experimentelleren Trends weiter nach Norden ziehen mussten. Außerhalb der 5. Ringstraße, im Künstlerdorf Caochangdi, versammeln sich nun rund 20 Galerien, Kunstakademien und andere künstlerische Einrichtungen. Auf dieser „anderen Seite“ findet man auch Three Shadows Photography von Ai Weiwei. Er war einer der ersten, die nach Caochangdi zogen und er machte seine Galerie zu einer der bedeutendsten Pekings. Im Red Brick Art Museum stehen Videos und Installationen im Mittelpunkt, in der Egg Art Gallery werden jedes Jahr zwei oder drei Ausstellungen organisiert – natürlich mit chinesischen Künstlern.
Die Dekoration des Hotels NUO ist von der Ming-Dynastie inspiriert.
Foto: ©NUO Hotel

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