>>>Warum sich Hemingway in Madrid verliebte (wie viele andere Künstler auch)
Foto: Carlos Luján

Warum sich Hemingway in Madrid verliebte (wie viele andere Künstler auch)

Madrid umarmt nicht nur alle, die von auswärts kommen, sondern inspiriert sie auch. Von Dali bis Neruda - die Straßen (und Bars) der Stadt haben Künstler jedweder Couleur erlebt und ihre Herzen erobert.
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iemand geht in Madrid ins Bett, ohne die Nacht durchgemacht zu haben“, sagte Hemingway. Ihn selbst zog es in die Tavernen und Cocktailbars der Hauptstadt. Der Charme Madrids faszinierte den amerikanischen Schriftsteller so sehr, dass er bei zahlreichen Gelegenheiten die Nacht durchfeierte. Bereits bei seinem ersten Besuch 1923 empfing ihn die Stadt, wie alle anderen Angereisten auch, mit offenen Armen. Bald darauf wurde er Ernesto genannt.

Zu seinen Freunden gehörte Emilio González, der Besitzer des Restaurants Sobrino de Botín, laut Guinness-Buch der Rekorde “das älteste Restaurant der Welt“. Wie der Autor selbst in seinem Roman „Fiesta“ erwähnte, ist es zudem „eines der besten“. Hemingway liebte Spanferkel, das zu den typischsten Gerichten des Traditionsrestaurants zählt. In der außergewöhnlichen Lage – in nächster Nähe zur Plaza Mayor – wollen auch die Erben des Restaurants ihre Besucher für „mindestens weitere dreihundert Jahre“ verwöhnen.

Bar Hemingway, Casa Suecia
Rum, das Lieblingsgetränk Hemingways, spielt die Hauptrolle in den meisten Cocktails der Hemingway Bar in der Casa Suecia
Foto: Álvaro López © Madrid Destino

Hemingways letzte Zuflucht in Madrid

Während seines letzten Aufenthalts in der Stadt hielt sich der Schriftsteller in der Casa Suecia auf, die ihn heute mit einer geheimen Cocktailbar würdigt, die über die Toiletten zugänglich ist. Die Dekoration ist angelehnt an die der Zeit der Prohibition, die Cocktails jedoch sind alles andere als antiquiert.

Talent zieht Talente an, und Madrid absorbiert sie wie ein Schwamm. So war eine weitere wichtige Anlaufstelle des Autors von „Der alte Mann und das Meer“ das mythische Chicote-Museum, seines Zeichens Treffpunkt für Intellektuelle und Prominente im Herzen der Gran Vía. Seit der Einweihung im Jahr 1931 haben verschiedenste Künstler diese Bar besucht. Buñuel nannte sie „die Sixtinische Kapelle der Martinis“ und Ava Gardner zählte in den 1950er Jahren zu den Stammkunden, als sie sich in die spanische Kultur verliebte (und gelegentlich auch in den ein oder anderen Stierkämpfer). Bis heute zählt die Bar zu den schillerndsten Orten, um die offene Art der Madrider kennenzulernen.

Aber der Fußabdruck dieser Künstler ist nicht nur in Bars zu finden. Die Essenz ihrer Aufenthalte in Madrid lebt in ihren Werken fort: In Chroniken und Filmen, in Gedichten von García Lorca und Bildern von Dalí. Die Freunde García Lorca und Dalí gaben in den 1920er Jahren sogenannte Tertulias – gesellschaftliche Zusammenkünfte, an denen auch der Filmemacher Luis Buñuel teilnahm. Es war die Zeit des kreativen und sozialen Aufbruchs in der Hauptstadt, das silberne Zeitalter der spanischen Kultur.

Plaza Santa Ana
Ein Reiseleiter der Stadtverwaltung von Madrid folgt den Schritten von Lorca, Buñuel und Dalí
Foto: Hiberus © Madrid Destino

Das goldene hatte sich einige Jahrhunderte zuvor unweit von hier im Barrio de las Letras zugetragen. In seinen Straßen kann man Fragmente aus Werken jener Autoren lesen, die die Literaturgeschichte geprägt haben (Quevedo, Lope de Vega, Bécquer…). Hier kann auch die Druckerei besichtigt werden, in der der erste “Quijote” das Licht der Welt erblickte. Cervantes, der bekannteste spanische Autor, lebte und starb in dieser Gegend Madrids. Wie so viele Künstler der Geschichte wählte auch er die lebhaften Viertel der spanischen Hauptstadt, um seine Kreativität weiter zu entwickeln. Damals wie heute zieht Madrid aufgrund seiner Fähigkeit, sich neu zu erfinden und die Kultur zu umarmen, neue Talente an. Beweis dafür sind Museen wie das Reina Sofía, das sich auf die Kunst des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart spezialisiert hat. Hier gibt es viel zu sehen, von Picassos Guernica bis hin zu einer 35-Millimeter-Projektion von „Un perro andaluz“ („Ein andalusischer Hund“), bei der Dalí und Buñuel zusammenarbeiteten.

Madrid ist ein guter Ort, um Freundschaften zu schließen. Dalí und Buñuel, Neruda und Lorca, Hemingway und all die anderen. Hier werden Genies gesucht und gefunden, und von der Stadt mit Begeisterung empfangen. Deshalb sagte Ernesto immer, dass es hier „das schönste Leben und die nettesten Menschen“ gäbe. Am Ende kristallisiert sich heraus, dass Madrid ein Fest war.

 

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