>>>Wadi Mudjib, die Kehle Jordaniens
Foto: © RSCN or The Royal Society for the Conservation of Nature

Wadi Mudjib, die Kehle Jordaniens

Mit 400 Metern unter dem Meeresspiegel ist Mudjib das am tiefsten gelegene Naturschutzgebiet der Welt. Dennoch kann man in dieser Kehle Höhenabenteuer erleben.
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tellen Sie sich einen Weg durch einen Canyon vor, wie den Siq, der nach Petra führt, aber geflutet mit Wasser. So ist Wadi Mudjib, ein Mekka für Abenteurer, für Fans von Canyoning und für Prinzen. „Es ist einer meiner Lieblingsorte und ich möchte die ganze Welt dazu animieren, diesen fantastischen Ort zu besuchen“, betont Hamzah Al Hussein. Der jordanische Thronerbe hat den Canyon, der 2011 von der UNESCO zum Biosphärereservat erklärt wurde, mehrfach durchquert.
Die Organisation bittet darum, die Umwelt nicht zu schädigen und Flora und Fauna zu respektieren.
Foto: © RSCN or The Royal Society for the Conservation of Nature

Schlafen „unter dem Meer“

Vor der Wanderung kann man im Mudjib-Reservat übernachten. Es gibt mehrere Hütten mit Doppelzimmern, die die beste Aussicht auf das Tote Meer versprechen. Sie liegen wenige Meter vom Besucherzentrum entfernt, von dem alle Touren ausgehen.

Kurz vor seiner Mündung in das Tote Meer durchfließt der Fluss Mudjib die Felsschlucht, die neben Petra, Wadi Rum und dem Toten Meer zu den wichtigsten Attraktionen für Jordanien-Touristen gehört. In biblischen Zeiten wurde der Fluss auf den Namen Arnon getauft. Der Begriff stammt aus dem Hebräischen und bedeutet „laut“ – passend zum Getöse seiner Wasserfälle. Das Bergland von Karak und Madaba reicht bis auf 900 Meter hinauf, der niedrigste Punkt der Mudjib liegt 416 Meter unter dem Meeresspiegel. Das ist ein Höhenunterschied von insgesamt 1300 Metern.
Der Canyon führt das ganze Jahr über Wasser, daher wird er normalerweise im Rahmen von organisierten Exkursionen erkundet, je nach Wasserpegel entweder am Wasserlauf entlang oder kletternd. Der Fluss ist ziemlich breit und die Strömung ist nicht besonders stark, aber je höher der Pegel steigt, desto schmaler wird der Hang und immer mehr Felsen erschweren den Weg. Es gibt vier Trails, drei davon – Siq Trail, Canyon Trail, Malaqi Trail – verlaufen durchs Wasser und sind nur von April bis Oktober begehbar. Der vierte, der Ibex Trail, verläuft über Land und kann zu jeder Zeit erwandert werden (außer zur Zeit des Ramadan). Die erste Route wird am häufigsten genommen, sie ist als einfach bis moderat eingestuft. Die Tour dauert etwas mehr als zwei Stunden und eignet sich für ungeübte Wanderer, die ihre Reise nach Petra oder ans Tote Meer mit etwas Adrenalin aufpeppen möchten. Die organisierten Wanderungen erfolgen in Gruppen von bis zu 80 Personen, bei den übrigen Trails sind es nur 25 Wanderer pro Tag.
Der Ibex Trail läuft an der Straße am Toten Meer entlang und führt dann ins Reservat.
Foto: © RSCN or The Royal Society for the Conservation of Nature
Der Canyon Trail verläuft flussabwärts durch die Wadi Mudjib. Er ist etwas anspruchsvoller (eingestuft als moderat-schwierig) und an einer Stelle versperrt ein 20 Meter hoher Wasserfall den Weg. Hier geht es nur mit Seilen und geschulten Helfern weiter.
Der Wanderung auf dem Canyon Trail dauert etwa vier Stunden.
Foto: © RSCN or The Royal Society for the Conservation of Nature
Die dritte Wanderung – Malaqi Trail – startet auf den Anhöhen aus weichem Fels, die bis zum Fluss Mudjib hinunterführen, und ist ebenfalls als moderat-schwierig eingestuft. Der Weg führt flussaufwärts, bis zum Zusammenfluss mit dem Hidan. Ein kleiner Abstieg zu einigen natürlichen Wasserbecken bringt die Wanderer am Wasserfall vorbei.
Die letzte Exkursion – die einzige, bei der man nicht nass wird – verläuft parallel zum Toten Meer und ist perfekt für Wanderer. Der als moderat katalogisierte Wanderweg verdankt seinen Namen – Ibex – den wilden Ziegen, die in dieser Region leben und die im Königreich Saba als Symbol der Mondgötter galten. Sie sind vom Aussterben bedroht. Ein Programm der Royal Society for the Conservation of Nature kümmert sich um ihre Nachzucht in Gefangenschaft. Heute leben noch etwa 90 Exemplare im Reservat. Sie sind die wahren Meister des Canyoning.

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