>>>Savannah, die Stadt der Geister

Savannah, die Stadt der Geister

Mehr als 80 Friedhöfe und rund 50 Spukhäuser machen Savannah zur Welthauptstadt von Geistern und übernatürlichen Phänomenen. Hier ist jeden Tag Halloween.
E

s gibt ein Paradies für Geisterjäger – Savannah. In der Stadt in Georgia im tiefsten Süden der USA hat praktisch jedes Haus sein eigenes Phantom, und viele Bewohner rühmen sich mehr als einer blutigen Geschichte, die auf ihrem Territorium stattgefunden hat.

 

Savannahs Geschichtsarchiv ist nicht wirklich beschaulich. Die Stadt war Zentrum der Aufnahme von Sklaven und Schauplatz von blutigen Kämpfen während des Unabhängigkeitskriegs; sie erlitt mehrere Brände, die sie komplett vernichteten; 1820 wurde sie von einer Gelbfieberepidemie heimgesucht … So viel Unglück scheint die Dutzenden Seelen zu rechtfertigen, die durch Savannahs Straßen geistern. Eine Handvoll mysteriöser Morde und eine große Voodoo-Population sind das i-Tüpfelchen in einer Stadt, in der die Toten genauso viel bedeuten wie die Lebenden.

Colonial Park Cemetery in Savannah
Auf der Suche nach Geistern führen mehrere nächtliche Touren über den kolonialen Friedhof.

Die verhexteste Stadt Amerikas ...

2003 erklärte das US-amerikanische Institut für paranormale Psychologie Savannah zur „verhextesten Stadt Amerikas“. Jason Hawes, Gründer der Atlantic Paranormal Society und Moderator des TV-Programms „Geisterjäger“ bestätigt, dass „Savannah buchstäblich auf seinen Toten errichtet“ wurde.

Rund 30 Touren zu unheimlichen Legenden und phantasmagorischen Phänomenen werden in Savannah angeboten. Die meisten erfolgen nachts und zu Fuß, aber einige, wie die Hearse Ghost Tours, setzen dem Ganzen die Krone auf und bieten eine schauerliche (aber irgendwie auch vergnügliche) Führung an Bord eines Leichenwagens. Daran haben bereits der Schauspieler James McAvoy und die Rockband Kings of Leon teilgenommen.

 

Epizentrum der paranormalen Aktivitäten ist der Colonial Park Cementery. Der Friedhof, eingeweiht im Jahr 1750, ist das Heim von über 10.000 Seelen, unter ihnen ein gewisser Rene Rondolier. Der Legende nach ermordete er zwei Jugendliche, wurde erhängt und streift seither als Geist zwischen den Grabsteinen umher oder erscheint hängend an den Zweigen eines Baumes. Thema von Gerüchten sind auch die Voodoo-Zeremonien, die angeblich auf diesem Friedhof stattfinden, und Duelle im Morgengrauen.

 

Das Mercer Williams House ist bei jeder phantasmagorischen Tour ein Muss. Das Haus, heute ein Museum, war Schauplatz des Filmdramas „Mitternacht im Garten von Gut und Böse“, das auf dem gleichnamigen Bestseller von John Berendt beruht. Das Herrenhaus im italienischen Stil, mit Möbeln aus dem 18. Jahrhundert und chinesischem Porzellan ausgestattet, „beherbergt“ den Geist des vermögenden Jim Williams, eines berühmten Restaurators, der prachtvolle Feste ausrichtete und dessen Geliebte unter ungewöhnlichen Umständen ums Leben kam.

 

 

Mercer Williams House
Der Film „Mitternacht im Garten von Gut und Böse“ unter der Regie von Clint Eastwood wurde teilweise in Mercer House gedreht.
Foto: Rolf_52/Shutterstock.com

Ein anderer mythischer Schauplatz ist Davenport House, ein 1820 entstandenes Gebäude im Südstaatenstil. 1955 wäre es fast der Abrissbirne zum Opfer gefallen, wurde aber (wenige Stunden vor dem Abriss) von der Historic Savannah Foundation im Rahmen ihrer ersten Handlung für den Erhalt der alten Gebäude der Stadt gerettet. Hier gibt es nicht nur einen Geist, sondern gleich zwei: ein kleines Mädchen, das in der oberen Etage des Hauses spielt, und eine Katze.

 

Die Geister in Nummer 432 Abercorn Street stammen vom Sklavenfriedhof, auf dem das Gebäude errichtet wurde. Viele Sklaven, die hier im Hafen ankamen und in andere Teile des Landes geschickt werden sollten, erreichten die Stadt über einen unterirdischen Gang (Factors Walk). Auch Piraten nutzten diese Passage, um ihre unaufmerksamen Opfer aus den Tavernen in ihre Boote zu schaffen. Heute erschrecken ihre Geister die Touristen.

 

'The Olde Pink House’ in Savannah
The Olde Pink House war eines der wenigen Gebäude, die den Brand überlebten, der Savannah 1796 zerstörte.
Foto: Savannah Ghost City Tours

Korsaren begleiten auch die Gäste des Restaurants The Pirate’s House und lassen sich zwischen den einzelnen Gängen ab und zu blicken. Ein weiterer naschsüchtiger Geist ist der von James Habersham, dem ehemaligen Besitzer des The Olde Pink House, in dem er sich in der Küche erhängte. Als Geist streift er durch das Restaurant, kontrolliert, ob alles seine Ordnung hat und begrüßt die Gäste.

 

Mutigen, denen nicht reicht, mit Geistern nur zu speisen, können mit ihnen im Hotel The Marshall House übernachten, einem ehemaligen Militärkrankenhaus, in dem der ein oder andere gelähmte oder blutende Soldat umherstreift; oder im Kehoe House mit den Geistern der Kinder, die ehemals in diesem Haus lebten und im Kamin gefangen gehalten wurden. In den Schlaf zu finden – in Savannah ist das etwas ganz anderes..

 

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