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Ein Herz für die Kunst
München
Text: Guadalupe Rodríguez
Fotos: Carlos Luján
Video: Juan Rayos

In der bayerischen Hauptstadt wartet eine Überdosis Kunst auf Sie. Folgen Sie uns in Europas Herz der Kultur und der Kunst.

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Jüdisches Museum

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Stadt Museum

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aradoxerweise wird München nur mit Bier assoziiert. Und doch gibt es hier ein Museum auf 17.500 Einwohner und einen Verlag auf 5.600 Einwohner. „München ist eine relativ kleine Stadt, aber die Auswahl an Restaurants, Clubs, Boutiquen und Museen ist fantastisch“, versichert der Unternehmer Niels Jäger, bevor wir das Hotel The Flushing Meadows, eine seiner neusten Projekte, besuchen. Es befindet sich in einem umgewandelten Industriegebäude im belebten und kreativen Stadtteil Glockenbach. Die dazugehörige Bar ist eines der Trendlokale der Stadt. Genauso wie die Goldene Bar im Haus der Kunst. Kunst ist in.

Wie Jäger betont, vereint die drittgrößte Stadt Deutschlands 80 Museen. Eines der nennenswertesten ist das im Jahr 2013 wiedereröffnete Lenbachhaus. Der Architekt Norman Foster zeichnet für die Erweiterung des Palastes von dem Maler Franz von Lenbach verantwortlich, wo die bekanntesten Werke der Gruppe „Der Blaue Reiter“ ausgestellt sind. Diese Künstlerbewegung fand in der Stadt zu Beginn des 19. Jahrhunderts um Wassily Kandinsky und Franz Marc ihren Ursprung, als die Studenten gegen die Lehren ihrer Kunstakademie München aufbegehrten.

München ist klassisch und hat doch einen modernen Charme.

Die Hauptstadt des Freistaates Bayern beherbergt darüber hinaus im Museum Brandhorst 170 Werke des Nordamerikaners Cy Twombly. Die Privatsammlung von Udo und Anette Brandhorst im Stadtteil Maxvorstadt ist ebenso sehenswert wie das dazugehörige extravagante Gebäude, das von Sauerbruch Hutton entworfen worden ist. In dieser als Kunstareal bekannten Gegend gibt es auch zahlreiche Restaurants, insbesondere in der Türkenstraße und in der Theresienstraße. Doch die viele Kunstgalerien und –schulen dominieren das Bild wie zum Beispiel die Alte und Neue Pinakothek sowie die Staatlichen Antikensammlung (griechische, römische und etruskische Kleinkunst). Diese sind auf mehrere neoklassizistische Gebäude rund um den Königsplatz verteilt. Das größte Zentrum für zeitgenössische Kunst Deutschlands befindet sich ebenfalls hier. Die permanente Sammlung der Pinakothek der Moderne umfasst eine Auswahl an ikonischen Objekten aus der Geschichte des Industriedesigns, von Möbeln und Haushaltsgeräten bis hin zu Automobilen.

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Städtische Galerie in Lenbachhaus

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Städtische Galerie in Lenbachhaus

Oktoberfest

Bier gilt in Bayern offiziell als Lebensmittel. Es gibt rund 60 Biergärten, wo Biere der örtlichen Marken Augustiner Bräu, Hofbräu, Löwenbräu, Hacker-Pschorr Bräu, Spaten-Franziskaner Bräu und Paulaner Brauerei angeboten werden. Diesen Brauereien gehören auch die meisten Festzelte, die jedes Jahr zum Oktoberfest aufgebaut werden. Sechs Millionen Menschen kommen zu dem Fest in die Stadt. Man kann jedoch das festliche Ambiente in Bierkellern wie dem Hofbräuhaus auch ganzjährig genießen. Die typische Begleitung zum Getränk sind Weißwürste mit süßem Senf und Brezn.

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München

Man kann jedoch nicht von Automobildesign sprechen, ohne das BMW-Museum zu erwähnen. Die Ausstellung der Automobilmarke zeigt Prototypen und historische Modelle. Das Luxusmarken-Erlebnis gipfelt in der nahe gelegenen BMW Welt, die vom Studio COOP HIMMELB(L)AU entworfen wurde. In dem auffälligen Glasgebäude, in dem auch die Kundenbetreuung untergebracht ist, können die neusten Modelle auf dem Markt ausprobiert werden. Weiter geht der Genuss in dem Restaurant mit zwei Michelinsternen, dem Esszimmer. Der BMW-Komplex befindet sich beim Olympiapark, dem Sitz der Olympischen Spiele 1972. Ganz in der Nähe befindet sich auch die Allianz Arena, ein weiterer Höhepunkt. Nicht etwa, weil das auffällige Gebäude von den Architekten Jaques Herzog und Pierre de Meuron entworfen wurde, sondern weil es sich um das Stadion des F.C. Bayern handelt.

Pinakothek der Moderne

BMW Museum

Sammlung Brandhorst

Pinakothek der Moderne

Allianz Arena

München: Wie die klassische Stadt die Moderne entdeckt

Der Museenreichtum der Stadt begann mit der Wittelsbacher Dynastie, die das Herzogtum und ein Jahrhundert lang auch das Königreich Bayern regierte. Ihr wichtigstes Erbe sind die Residenz und das Schloss Nymphenburg sowie die große städtische Parkanlage, der Englische Garten. Sie ist auch für unzählige an der Kunst Roms und Griechenlands inspirierter Gebäude verantwortlich, die der Stadt ein klassisches und herrschaftliches Aussehen verleihen. Aber auch Industrielle und Großunternehmer hinterließen der Stadt bedeutende Kunstsammlungen. Einige der Museen sind heute subventioniert, damit die Münchner diese einmal wöchentlich kostenlos besuchen können.

„Es heißt, München sei industriell und reich im Vergleich zu Berlin, das als arm aber sexy gilt. Es stimmt, dass München klassischer ist, aber die Stadt hat den Charme der Modernität“, erkennt Jordi Orts. Der Journalist und Fremdenführer gehört zu den 22 Prozent Ausländern, die in dieser Stadt mit nur vier Prozent Arbeitslosigkeit leben.

Die katholische Mehrheitsreligion definiert die Stadt ebenfalls: An Stelle von Wolkenkratzern wird die Skyline Münchens von den grünen Turmkuppeln der Frauenkirche und dem Alten Peter, dem ältesten Kirchturm der Stadt, beherrscht. Die kleine Asamkirche (offiziell St.-Johann-Nepomuk-Kirche) wird sowohl von Touristen besucht, die ihre Rokoko-Innengestaltung bewundern, als auch von Münchnern, die sich hier in Stille zum Gebet niederlassen.

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Asam Kirche

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Bayerische Staatsoper

Liebe zur Musik

Die Hingabe zur Kunst spiegelt sich auch auf der Straße wieder. Die Einwohner der Stadt ließen es sich nicht nehmen, 20 Jahre lang den Wiederaufbau der Bayerischen Staatsoper zu finanzieren, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Das seinerzeit von Richard Wagner geleitete Theater ist aufgrund der Qualität seines Programms das prestigeträchtigste Deutschlands und eines der anerkanntesten der Welt.

„In Bayern gibt es eine große Tradition der Liebe zur klassischen Musik“, bestätigt Thiemo Brüll, Leiter der Musikabteilung des Warenhauses Ludwig Beck. Das Geschäft am Marienplatz bietet die weltweit größte Auswahl an CDs und DVDs in dieser Musikrichtung. Hier wird mindestens eine Kopie jedes herausgegebenen Titels verwahrt. „In München herrscht ein Klima der Wertschätzung der Musik. Die bedeutendsten Künstler treten hier auf, auf der Straße findet man ebenfalls Musiker und im Laden versuchen wir, den persönlichen Kontakt mit den Künstlern mit kleinen Aufführungen zu fördern“, fügt er hinzu.

Ryan Inglis ist einer dieser Musiker. Er arbeitet in Großbritannien als Musiklehrer und reist regelmäßig nach München, wo er Konzerte in Clubs mit Aufnahmen und Wettbewerben verbindet. Wir treffen ihn im zur Residenz gehörigen Hofgarten. Wenn er nicht gerade auftritt, spielt er dort zusammen mit einer holländischen Sängerin, die Country und Janis Joplin liebt.

Adressbuch

Rindermarkt 1
Sendlingerstraße 32
Max-Joseph-Platz 2
Am Olympia Park 2
Fraunhoferstraße 32
Platzl 9
Marienplatz 11
Zellstraße 4
Barerstraße 40
Residenzstraße 1
Theresienstraße 35a
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U-Bahn Westfriedhof

Wie Jäger betont, vereint die drittgrößte Stadt Deutschlands 80 Museen.
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Eisbach

‘Bella’ Italia

München liegt nur 275 Kilometer von Italien entfernt und wird auch als nördlichste Stadt Italiens bezeichnet. Und das nicht nur wegen der bedeutenden italienischen Gemeinschaft, die in der Stadt lebt. Die Münchner sind auch daran gewöhnt, nach Italien zu reisen. Darum ist es auch nicht weiter verwunderlich ist, dass es unzählige italienische Restaurants in der bayerischen Stadt gibt und die Bewohner Italienisch sprechen und verstehen.

Kulturelle Unruhe

Die Kunst ist in München auf der Straße. Deshalb führt Jordi Orts die Touristen nicht nur durch die Paläste, sondern auch durch die lebendigsten Viertel. Dort zeigt er die Straße, in der Freddie Mercury wohnte, der Bandleader von Queen. „In den Achtzigerjahren erlebte München eine Art Szene rund um das Aufnahmestudio Musikland. Die bedeutendsten Künstler kamen für ihre Aufnahmen hierher. Nach dem Mauerfall zogen die Schöpfer jedoch nach Berlin um, wo die Immobilien viel billiger waren“, erklärt er.

 

Die kulturelle Unruhe ist hingegen nicht umgezogen. Alte industrielle Anlagen wie Import Export, Muffatwerk oder Kultfabrik beherbergen heute ein facettenreiches Programm aus Konzerten unterschiedlicher Stilrichtungen, Märkten, Theateraufführungen, Ausstellungen und Poesielesungen – alles hat hier Platz, sogar eine künstliche Welle im Isarkanal. Auf dieser „Eisbachwelle“ vergnügen sich die Surf-Fans im Sommer wie im Winter. Niels Jäger fasst es so zusammen: „Die Stadt hat sich in den letzten Jahren sehr verändert. München ist jetzt bereit, die Konventionalität hinter sich zu lassen.“

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Muffatwerk

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