Reportaje-0-Apertura-Madrid
Die Geschichte zweier Städte
Madrid
Text: Carmen Ovalle
Fotos: Carlos Luján
Video: Francisco Márquez

Der reinste Luxus. „Dreist und ideal“, sagt der Regisseur Pedro Almodóvar. Mal zeigt sie sich kosmopolitisch, dann lässt sie sich wieder von der Tradition leiten. Die Hauptstadt Spaniens hat tausend Gesichter und zeigt die, auf die sie gerade Lust hat. Weshalb? Weil sie es kann.

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Cuatro Torres Bussiness Area

„M

adrid ist die spanischste Stadt und die, wo es sich am besten lebt, die mit den freundlichsten Menschen und die, die fast immer das beste Klima der Welt hat.“ Das schrieb der Schriftsteller Ernest Hemingway, der sich lieber Ernesto nennen ließ, wenn er die Hauptstadt besuchte. Es ist über 50 Jahre her, dass der Nobelpreisträger besuchte. Aber es gibt etwas, was sich für die heutigen Besucher nicht ändert: Selbst wenn man gerade angekommen ist, wird sie einen nie als Fremden behandeln.

Antonio wurde in Andalusien geboren, aber es scheint, als ob er schon sein ganzes Leben lang den Verkehr Madrids von seinem Taxi aus zähmt. Er erzählt mir eine historische Anekdote über die Plaza Mayor, das Herz der Dynastie der Habsburger: Der Platz hatte seit seinem Bau im Jahr 1617 bereits zehn Namen. Er empfiehlt mir, mich im Barrio de las Letras zu verlieren, dem Symbol des Goldenen Zeitalters Spaniens, gibt mir aber eine unerlässliche Adresse mit auf den Weg. Die Hausnummer 2 der Calle Cervantes, wo der Verfasser von „Don Quijote“ lebte und starb.

Selbst wenn man gerade angekommen ist, wird sie einen nie als Fremden behandeln.

Ein Kunst-Spaziergang

Goya und Velázquez sind die verhätschelten Kinder des Prado-Museums, das die bedeutendste spanische Kunstsammlung der Welt besitzt. Ihre Bronzestatuen bewachten „Las Meninas“ und „Die Erschießung der Aufständischen“ aus nächster Nähe. Hinter ihrem Rücken erhebt sich, fast verborgen, eine gotische Kirche, die an einem modernen Würfel aus roten Ziegeln klebt, der in seinem Inneren einen Kreuzgang beherbergt. Es handelt sich um die Erweiterung des Museums des Architekten Rafael Moneo, der beschloss, dass Vergangenheit und Gegenwart in gelassener Harmonie nebeneinander existieren sollten.

„Haben sie hier nicht das Guernica?“, fragt eine Frau vor den „Drei Grazien“ von Rubens. Ganz kalt… Das bekannteste Werk von Pablo Picasso und dessen Plädoyer gegen den Krieg ist das Kronjuwel des Museums Reina Sofía, der heutzutage am häufigsten besuchten Pinakothek Spaniens.

Terraza de Malasaña
Caixa Forum

Caixa Forum

Die grüne Schönheit

15.000 Pflanzen auf 460 Quadratmetern und 24 Metern Höhe. Es handelt sich um die städtische Lunge in Form eines senkrechten Gartens, der vom Botaniker Patrick Blanc für die Fassade des Kulturzentrums CaixaForum Madrid entworfen wurde, eines der wenigen industriellen Gebäude, die in Madrid noch erhalten sind.

Iglesia de Los Jerónimos

Museo del Prado

Puente de Perrault

Restaurante Volvoreta

Azotea del Círculo de Bellas Artes

„Die Kunst ist nicht keusch“, sagte Picasso. Aber die Architektur auch nicht. Das Nouvel-Gebäude wurde zur Erweiterung des Museums Reina Sofía vom französischen Architekten Jean Nouvel entworfen und seine enorme Dachkonstruktion färbt das Dach Madrids leuchtend rot.

Die New York Times definierte El Matadero als „den innovativsten und alternativsten Raum für Kunst in Madrid: Theater, Kino, Musik, Design, Architektur oder Städteplanung, alles findet in diesem alten gewerblichen Schlachthof und Viehmarkt, der in ein Labor der alternativen Kreation umgewandelt wurde, seinen Platz.

san-ildefonso

Mercado de San Idelfonso

Reina Sofía

Museo de Arte Contemporáneo Reina Sofía

Die Stadtviertel der Hauptstadt

Madrid hat es nicht nötig, sich mit einer Skyline wie der von New York oder Hongkong zu brüsten oder an Megalomanie grenzende Wolkenkratzer zu planen. Ein Blick von der Panorama-Dachterrasse des Círculo de Bellas Artes reicht aus, um zu bemerken, dass sie vor der auf den Millimeter genau geplanten Architektur flieht und eine chaotische, jedoch wirksame Kombination aus Alt und Neu aufweist.

Das wird in Malasaña deutlich. Enge Straßen voller Röhrenhosen und Hornbrillen. Hier wechseln sich moderne, multifunktionelle Räume wie KikeKeller, tagsüber ein Designgeschäft, nachts eine Bar, mit alten Glorien, Tavernen mit Papierservietten, ab. Das ist das Ergebnis der Resozialisierung, ein Phänomen der städteplanerischen Regeneration, das zu seiner Aufwertung geführt hat und es in den vergangenen Jahren den offiziellen Titel des ‚Hipster’-Viertels der Stadt tragen ließ.

Adressbuch

Paseo del Prado, s/n
Calle de Santa Isabel, 52
Plaza de Legazpi, 8
Calle Corredera Baja de San Pablo, 17
El Palentino
Calle del Pez, 8
Plaza Dos de Mayo, 3
Calle Villalar, 6
Plaza de Pedro Zerolo, 12
C/ San Lucas, 13
Calle de Regueros, 8
Paseo del Prado, 36
Malayerba

Barbería Malayerba

Alt und modern, freundlich und hinterhältig. „Nur in Madrid findet sich die Essenz“, sagte Hemingway.
Huerto de Lucas

El Huerto de Lucas

Der Kosmopolit von Madrid

Die Reiseführer sprechen vom Soho Madrids, wenn von Chueca die Rede ist. Die Terrasse des Hotels Room Mate Oscar neben der Gran Vía, der biologische Markt El Huerto de Lucas und die biologische Bäckerei La Magdalena de Proust sind drei Gründe, damit es keiner wagt, ihm den Thron des kosmopolitischsten Stadtviertels streitig zu machen.

Casto Herrezuelo steht seit 60 Jahren hinter der Theke von El Palentino und hat die vielfältigste Fauna Madrids durch seine Bar ziehen sehen. Und dennoch wundert er sich weiterhin, wenn er sieht, dass die Schlange am Eingang bis um die Ecke ansteht. Es handelt sich um eine dieser Bars, die es schon immer gab, mit Leuchtröhren an der Decke und Spielautomaten. Eine echte Legende im Stadtviertel.

Inmitten von Malasaña, auf der Plaza del 2 de Mayo, greift Malayerba die Tradition der alten Barbierstuben auf, wo die Männer sich einfanden, um sich die Haare schneiden und den Bart rasieren zu lassen und „die Welt zu retten“. Die Inneneinrichtung ist das Werk von Guillermo García-Hoz, der es schafft, einen auf Anhieb in die Fünfzigerjahre zu versetzen. Zu sehen, wie einem Zwanzigjährigen, der sein Smartphone keine Minute aus der Hand legt, der Bart gestutzt wird, bringt einen zurück in die Gegenwart.

Aristokratie und Bürgertum, Hemd und Krawatte, Perlen und Taschen, die nichts von Weltkrisen verstehen: Der Stadtteil Salamanca verleiht dem gehobenen Teil von Madrid seinen Namen und beherbergt die teuerste Straße Spaniens: Serrano. Mit seiner geometrischen Anordnung, die sich vom Rest der Stadt abhebt, konzentriert das Viertel die Luxusmarken rund um die Straßen Ortega y Gasset, Claudio Coello und Serrano. Etwas privater geht es in der Gasse Jorge Juan zu, die mit ihren Boutiquen ein obligatorisches Ziel für alle Shoppingfans ist.

Il Tavolo Verde, die von Martina und Leo geführte biologische Cafeteria, und der Antic Market eignen sich perfekt für eine Verschnaufpause. Hier kann man einen Kaffee zwischen Möbeln aus dem 18. Jahrhundert trinken und ein Capitonné-Sofa zum Mitnehmen bestellen.

Alt und modern, freundlich und hinterhältig. „Nur in Madrid findet sich die Essenz“, sagte Hemingway. Sie liegt in dieser Dualität. Und wenn man sie nicht beim ersten Mal findet, muss man zurückkehren, um sie zu suchen.

Serrano

Barrio de Salamanca

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