Jerusalem

Die junge Stadt

Den vielen Jahrtausenden Stadtgeschichte zum Trotz scheint sich Jerusalem gerade zu verjüngen. Dies wird vor allen Dingen durch hippe Cafés, Bio-Märkte und Designmuseen sichtbar.
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om Dach des Mamilla Hotels hat man perfekte Sicht auf das Jaffator, den Davidsturm und die Mauern um die Altstadt von Ost-Jerusalem. Die Denkmäler, einige davon mit tausendjähriger Geschichte, lassen sich von den Korbsofas der Dachterrasse aus bei einem Fisch-Tartar mit Auberginen-Carpaccio oder einem Pilzrisotto mit Trüffeln betrachten. Auf dem Markt Mahane Yehuda, wo Obst- und Gewürzverkäufer mit Craft-Beer-Pubs und Designerläden koexistieren, gehen die Kontraste weiter. So empfängt uns eine Stadt, in der Neues und Altes, Mode und Tradition und auch Geschichte und Zukunft zusammentreffen.

Altstadt von Jerusalem.

Der alte Bahnhof wurde geschlossen, als der Fahrdienst nach Malha.

The First Station ist einer der Orte, der diesen Trend mit am besten repräsentiert. Der alte Bahnhof wurde geschlossen, als der Fahrdienst nach Malha im Süden verlegt wurde. Sechs Jahre und ein paar Renovierungen später ist der aus dem Jahr 1892 stammende erste Bahnhof Jerusalems wieder einer der belebtesten Orte der Stadt. Die ursprüngliche Architektur des Gebäudes sowie dessen weiträumige Umgebung wurden belassen, und es entstand ein Outdoor-Einkaufszentrum mit Geschäften, Restaurants und Freizeiteinrichtungen für die ganze Familie. Das kulturelle Programm umfasst Festivals, Workshops für Kinder, sportliche Aktivitäten wie Zumba oder Acroyoga und Aufführungen verschiedener Kunstrichtungen. Von Sonntag bis Freitag findet hier ein Designmarkt statt, auf dem lokale Künstler ihre besten Kreationen verkaufen. Donnerstags und freitags teilen sie sich den Platz mit dem Markt für Lebensmittel. The First Station ist dann mit verschiedenen Farben und Gerüchen gefüllt, und man kann nicht umhin, sich von den hausgemachten Broten, selbstgemachten Käsesorten und Bio-Früchten verführen zu lassen.

Stand auf dem Markt Mahane Yehuda.

Auch die Verbindung von The First Station mit der Vergangenheit wird wortwörtlich erlebbar gemacht: mit einem kostenlosen Shuttlebus, der die Besucher vom Bahnhofsplatz in die Altstadt bringt. Jedoch empfiehlt es sich vor der Rückkehr, noch andere Teile Jerusalems kennenzulernen und einen Spaziergang durch einige der charakteristischsten Viertel zu unternehmen. Am attraktivsten ist die Deutsche Kolonie, die wegen der modernen Bars und der kosmopolitischen Atmosphäre oft mit Tel Aviv verglichen wird. Die Straße Emek Refaim ist mit ihren Boutiquen, Juweliergeschäften und Cafés wie The Coffee Mill das Herz des Kiezes. Das Café im New Yorker Stil – mit Titelseiten des Magazins The New Yorker an den Wänden – bietet über 50 verschiedene Kaffeesorten sowie Fruchtshakes, hausgemachtes Gebäck und vegetarische Snacks an.

Gastronomischer Tourismus

Der Markt Mahane Yehuda ist eines der Symbole Westjerusalems und zieht Besucher ebenso an wie die Esplanade der Moscheen oder die Klagemauer. Im ‘Shuk’, wie der Markt im Hebräischen umgangssprachlich genannt wird, findet man alles: von frischem Obst über Datteln und Gebäck bis hin zu mexikanischen Restaurants und alternativen Bars. Eine köstliche Art, die Stände kennenzulernen, ist eine geführte Tour. Es kann zwischen dem Klassiker, der durch die Straßen des Marktes führt, seine Geschichte Revue passieren lässt und die typischsten Produkte zum Probieren anbietet, oder Themenfeldern wie Käse und Wein, Graffiti und Nachtleben oder Konditorei gewählt werden.

Das nahe gelegene Wohnviertel Baka birgt Überraschungen wie das Kalo Café oder den Train Track Park (HaMesila Park), eine sieben Kilometer lange Strecke, die an alten Eisenbahnschienen entlang führt. Das Konzept des Weges erinnert sehr an die High Line in Manhattan. Die Ansässigen nutzen diesen Stadtpark für Spaziergänge und Sport – es führt ein moderner Radweg dort entlang – oder einfach, um sich vom Trubel der Straßen der Heiligen Stadt zu lösen.

Eingang zum Heiligen Grab.

Auch Museen können zu einem Refugium werden. Kunst und Geschichte mischen sich im Israel-Museum, der größten Kulturinstitution der Stadt. Es besitzt eine bedeutende Sammlung religiöser Objekte und archäologischer Schätze (darunter die ältesten biblischen Handschriften der Welt), aber auch Werke von Picasso und Rodin sowie anderer zeitgenössischer Künstler. Ein Spaziergang durch den modernsten Teil Jerusalems führt zu weiteren Museen und Galerien wie dem Hansen House Center for Design, Media and Technology, das neben Ausstellungen auch ein Kino und ein Kunstlabor beherbergt. Seit 2011 findet die Design Week Jerusalems hier statt, eine der wichtigsten jährlichen Veranstaltungen in diesem Bereich, die durch ihr starkes Wachstum auch die Zahl der Standorte hat erweitern müssen. Einer davon, die Beit Alliance, zählt zu den produktivsten Kulturlaboren der Stadt. Sie befindet sich in der Nähe des Marktes Mahane Yehuda. Ihre Eröffnung bestätigte das Bestreben Jerusalems, sich im künstlerischen Bereich weiter zu entwickeln und neu zu erfinden.

Auf dem Markt Mahane Yehuda werden alle Arten von Gewürzen verkauft.

Ein Spaziergang durch den modernsten Teil Jerusalems führt zu weiteren Museen und Galerien wie dem Hansen House Center for Design, Media and Technology.

Auch die Nächte in Jerusalem sind jung, und obwohl von Orten wie Madrid oder Berlin noch viel gelernt werden kann, beginnen im HaMazkeka, einer ‘Underground-Location’, in der die neuesten Trends geboren werden, oder im Yellow Submarine, dem musikalischen Wahrzeichen der Stadt, das ein Aufnahmestudio, einen Konzertsaal und Proberäume für neue und erfahrene Musiker umfasst, bestimmte Strömungen aufzuleben. Im Zentrum der Stadt hat das Nachtleben einen eigenen Namen, und dieser deckt sich mit dem Namen des Protagonisten des berühmtesten Romans von F. Scott Fitzgerald. Gatsby Cocktail Room ist eine berühmte Cocktailbar im Stil der 20er Jahre. Es ist eine Sache, in die Zukunft zu blicken und die Stadt jugendlicher zu gestalten, und eine andere, den Glamour der alten Zeiten deshalb nicht aufzugeben.

Räume für Livemusik und Cocktailbars beleben das Nachtleben der Stadt.

Liste der SehenswürdigkeitenCompartir

Shlomo ha-Melekh St 11
David Remez St 4
Emek Refa'im St 23
Beit Lehem Rd 31
Gdalyahu Alon St 14
Ki'akh St 5
Derech Ruppin
Agrippas St 117
Shoshan St 3
Ha-Rekhavim St 13
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