>>>Pantelleria, der sizilianische Blick auf Afrika
Foto: Bepsy / shutterstock.com

Pantelleria, der sizilianische Blick auf Afrika

Die Vulkaninsel Pantelleria zwischen Italien und Afrika ist die schwarze Perle des Mittelmeers. Ihre Thermalquellen und bizarren Felsformationen sind das Gesicht einer multikulturellen Seele.
I
n Italien ist viel mehr als nur Pizza, Pasta, Rom, Florenz und Venedig. Vielmehr gibt es im Land des Stiefels zahlreiche Reiseziele, abseits der traditionellen Touristenrouten. Auch wenn es natürlich nicht einfach ist, Italien ohne eine durch die Filme Coppolas oder Fellinis kreierte Vorstellung im Rucksack zu bereisen. Pantelleria ist einer dieser anderen Orte. Ein Ort, zwischen arabischen und europäischen Einflüssen mit einem griechischen und normannischen Hauch. Eine Insel mitten im Mittelmeer, auf halbem Weg zwischen Sizilien und Afrika.
Die Tramontana Bucht ist berühmt für ihre Tauchspots.
Foto: Bepsy / shutterstock.com

A Bigger Splash

Die Insel ist die Filmkulisse für „A bigger splash“, der dieses Jahr in die Kinos kam. Tilda Swinton, Dakota Johnson und Ralph Fiennes spielen die Hauptrollen in einer Geschichte über Eifersucht und Intrigen. Da haben die schroffen und verführerischen Landschaften wohl die Filmregie inspiriert.

Die Phönizier nannte sie Hiranin, die Griechen kannten sie als Kosyras, für die Römer war sie Cossyra und Bint al-aryāḥ (Tochter des Windes) wurde sie von den Arabern genannt. Eine Bezeichnung, die sie bis in die Gegenwart bewahrt, auch wenn man sie heute als Pantelleria kennt – ein Namen, dessen Herkunft nicht geklärt ist. Ihre geografische Lage, 85 Kilometer von der italienischen Küste und nur 70 Kilometer von Tunesien entfernt, erklärt den muslimischen Einfluss. Ihr vulkanischer Ursprung verleiht ihr den Beinamen schwarze Perle des Mittelmeers. Bergformationen, erodierte Küsten, Steinbögen, Lavaströme und Thermalquellen bilden die Landschaft von Pantelleria. Der Naturpark Montagna Grande wird mit mehr als 600 Pflanzenarten als das grüne Herz der Insel bezeichnet. Um die ganze Schönheit der Insel zu bewundern, erklimmt man am besten den Berggipfel auf 836 Metern über dem Meeresspiegel. Von hier reicht der Blick auf der einen Seite bis zur Straße von Sizilien und auf der anderen überwältigt der Sonnenuntergang vor der afrikanischen Küste.
Ein Erbe dieses vulkanischen Ursprungs ist auch der als „Spiegel der Venus“ bekannte See. Mit seinem Thermalwasser ist er aufgrund der wohltuenden Eigenschaften des Fangos und der Algen sehr zum Baden beliebt. Ebenso verteilen sich mehrere Dampfquellen oder Natursaunen mit einer Temperatur von rund 50 Grad auf der Insel. Neben den therapeutischen Eigenschaften verbergen die Gewässer von Pantelleria in ihren Tiefen bedeutende archäologische Überreste. Dies hat sie zu einem bevorzugten Reiseziel für Taucher gemacht, die hier eine reiche Fauna und einzigartige Spezies wie die schwarze Koralle finden können.
Viele der typischen Unterkünfte haben Meerblick.
Foto: Bepsy / shutterstock.com

Der Elefantenbogen

Am besten lernt man die Insel, die nur einen Umfang von 50 Kilometern hat, mit einem Motorroller kennen. Problemlos können Sie dann eines der Symbole Pantellerias erreichen: den Elefantenbogen. Es handelt sich um eine bizarre Felsformation, die sich hinter der Bucht Levante befindet und bis ins Meer reicht.

Die in ländliche Unterkünfte umgewandelten erodierten Felshöhlen haben sich ebenso in einen Anziehungspunkt verwandelt. Sie werden „Dammusi“ genannt und sind würfelförmige Gebäude mit Vulkansteinwänden und einer weißen Kuppel, die im Sommer kühl bleiben und im Winter die Wärme speichern. Umgeben von Gartenanlagen verfügen viele von ihnen über einen Swimmingpool und Meerblick.
Die Anpassung an die Ressourcen der Insel durch die verschiedenen Kulturen, die hier im Laufe der Zeit lebten, hat eine eigentümliche Gastronomie geschaffen, eine Mischung aus unterschiedlichen Traditionen. Zu den typischsten Rezepten zählen die Ravioli Amari (gefüllte Pasta mit Schichtkäse und Minze) sowie Couscous mit Fisch und Gemüse.
Der Strand mit dem kristallklaren Wasser, an dem sich der Elefantenbogen befindet, ist leicht zu erreichen.
Foto: Ulisse / shutterstock.com
Unbekannt beim Massentourismus, aber nicht für jene, die andere Landschaften suchen. Persönlichkeiten wie Gabriel García Márquez wussten ihre besondere Schönheit zu schätzen. Für den kolumbianischen Nobelpreisträger war Pantelleria der Ort, um an „den Mond zu denken“. Er beschrieb sie wie folgt: „Die unendlichen Ebenen aus Vulkanstein, das unbewegliche Meer, die mit Kalk getünchten Häuser … wohin man auch blickt, in Nächten ohne Wind, das Licht der Leuchttürme der afrikanischen Küste … entspannende Meeresgründe … ein Bad in dampfenden Quellen, deren Wasser so dicht ist, das man beinahe auf ihm laufen kann.”

Verwandte Artikel

Malaysia: die Metropolis

48 Stunden in Kuala Lumpur: Zeit genug, um vor den Petronas Towers als Superheld zu posieren, das beste Grillhähnchen zu...

Die Oasen der lateinamerikanischen Sahara

Nicht alle Tage findet man Wasser in der Wüste. Der Nationalpark Lençois Maranhenses ist während der Monate Mai bis Oktober...

„Ein Ring, um alle zu verlieben“

Frodo und Gollum wären einverstanden: es gibt einen besseren Ring als den von Sauron - und dieser befindet sich in...

Das afrikanische Surfparadies

Beim Surfsport zeigt sich Marokko von seiner alternativen Seite. Die 3500 Kilometer lange Küste mit den berühmten großen, rechtshändigen Wellen...