>>>Madrid - oder wie man in 24 Stunden einen Freundeskreis gründet

Madrid – oder wie man in 24 Stunden einen Freundeskreis gründet

Sei es auf einem Markt in der Innenstadt, am Tresen einer Bar oder in der Schlange eines trendigen Nachtclubs, in Madrid warten deine neuen besten Freunde auf dich.
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ie „Madrileños“ lieben es, miteinander zu reden. Egal worüber und wo. Und immer in hoher Lautstärke. Jede Ausrede ist recht, um ein Gespräch zu beginnen, sei es über das Ergebnis eines Champions-League-Spiels, über die neueste modische Bar oder einfach darüber, wie voll die Metro zur Hauptverkehrszeit ist. Redseligkeit ist hier Teil der DNA. Oder auch nicht, denn in der Hauptstadt gilt man automatisch als Madrider, egal ob man hier seit drei Generationen lebt – wie die sogenannten „gatos“ – oder ein Neuankömmling ist, der gerade erst die Möglichkeiten eines Tapas-Sonntags in La Latina entdeckt. Als einzig sicher gilt, dass Madrid zu den Top 10 der geselligsten Städte der Welt gehört. Es dauert nur maximal 24 Stunden, um herauszufinden, warum.

Ob Regen, Schnee oder Sonnenschein, in Madrid spielt sich das Leben auf der Straße ab. Zu Weihnachten tummelt man sich um die Plaza Mayor und bekämpft die Kälte mit Rentierohren und knusprigen Tintenfisch-Sandwiches. Im Frühjahr und Sommer halten Parties Einzug in die Parks und Freiflächen, wie zum Beispiel rund um den Matadero Madrid. Dieser Komplex ist ein kulturelles und soziales Wahrzeichen der Stadt, nicht nur wegen seiner Ausstellungen, Bühnen und künstlerischen Thinktanks, sondern auch wegen der quirligen Aktivität des Platzes. Hier trifft man auf den Madrider Bauernmarkt, auf den Designmarkt und auf Festivals und Konzerte. Immer wieder eine Überraschung für diejenigen, die am Wochenende durch die Gegend schlendern und gleichzeitig Teil des offenen und einladenden Ambientes sind, das in der Stadt herrscht.

Cantina Matadero
Madrid ist eine der einladendsten und geselligsten Städte der Welt.
Foto: Francesco Pinton © Madrid Destino

Der Innenhof der La Cantina, neben der Cineteca, ist nach einem kulturellen Streifzug durch den Matadero Madrid eine ausgezeichnete Wahl für hausgemachte Snacks und Diskussionen über das Kino. Die großen Tische erleichtern die natürliche Geselligkeit der Madrider, die nicht zögern werden, den Nachbarn nach dem so verführerisch aussehenden Gericht zu fragen, das der Kellner gerade gebracht hat. Wenn du dich als „gato“ ausgeben willst, solltest du eine Kostprobe anbieten. Sei nicht schüchtern. Glaub uns, jetzt trennen dich vom gemeinsamen Vergnügen in der nächsten Bar nur noch wenige Gläschen.

Der Trend zu gemeinsamen Tischen, der in den meisten hippen Restaurants angesagt ist, charakterisiert spanische Bars bereits seit vielen Jahren. Der altbekannte Tresen fungiert dabei als Brücke zwischen Menschen aller Art, die sich Oliven und „patatas bravas“ teilen, mit Wermut anstoßen, und die Welt in Vierteln wie Malasaña oder La Latina neu gestalten. Im Sala de Despiece in der Calle Ponzano (Chamberí) wird dieses Konzept in Anlehnung an die traditionelle Marktküche mit weißen Schürzen, Schaufenstern mit Messern und Arbeitshandschuhen regelrecht zelebriert. Die Gäste sind an einem fast zehn Meter langen Tresen platziert und können sich an den handgeschriebenen Empfehlungen des Tages orientieren, die mit Angaben zu Art der Zubereitung, Herkunft, Gewicht und Preis locken. Hier lassen sich Tapas ebenso teilen wie Erfahrungen mit künftigen Abenteuergefährten.

Matadero Madrid
Madrid ist eine der einladendsten und geselligsten Städte der Welt.
Foto: Matadero Madrid

Der Markt von Vallehermoso oder der Markt von San Fernando in Lavapiés tragen ebenfalls dazu bei, den Geist der Begegnung auf den Märkten wiederzubeleben. Hier trifft man auf „coole“ Neuinterpretationen eines Marktes, mit Fusionsküche und selbstgemachten Bieren, die neben Zucchini und Tomaten koexistieren. Und auf dem Markt Cebada wird an einem Samstagmorgen sogar mit Obstkisten anstelle von Tischen improvisiert. Hier kann man den Thunfisch-Tatar ebenso genießen wie den Tintenfisch, der gerade vor Ort im Fischladen zubereitet wird.

Mercado de San Idelfonso
Auf den Madrider Märkten lässt sich das quirlige Leben der Stadt inhalieren.
Foto: Cesar Lucas Abreu © Madrid Destino

Ein weiterer Ort par excellence, um in Madrid Freunde zu finden, ist die Warteschlange einer Diskothek. Medias Puri, seit der Eröffnung Anfang 2017 einer der bekanntesten Veranstaltungsorte, zieht jedes Wochenende Hunderte von Menschen an. Aber bevor du auf den drei Tanzflächen alles gibst, wird erst einmal gewartet. Und während du darauf achtest, dass sich keiner vordrängelt, bleibt noch etwas Zeit für Interaktionen – der offene Charakter der Madrider macht es möglich. Schließlich verbindet uns alle der verrückte Wunsch, hier reinzukommen (besonders, um auf die Toilette zu gehen).

Das Warten hat sich gelohnt, wenn du und deine neuen Freunde den Hauptraum betreten und die akrobatische Show hinter dem mit Strumpfhosen bestückten Schaufenster sehen, wo sich dieser halb geheime Veranstaltungsort befindet. Die Party und deine Freundschaft kannst du mit Churros mit Schokolade in San Ginés und sogar mit einem Aperitif am nächsten Tag schließen. Die „Madrileños“ – und das sind wir alle – werden dies mit gleicher Intensität erleben. Also morgen dann, um welche Zeit?

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