>>>„Komm rein, an der Bar ist noch Platz“
Foto: César Lucas Abreu © Madrid Destino

„Komm rein, an der Bar ist noch Platz“

Du weißt, wann du anfängst, aber nicht, wann du wieder aufhörst. Tapas in den Bars von Madrid zu genießen, ist einer der lustigsten, lautesten und freundlichsten Bräuche der spanischen Hauptstadt.
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m Tresen einer Bar in Madrid verweilt, wer einen Termin hat, über den nächsten Halt nachdenkt, gute Witze hören will, über Gott und die Welt spricht oder schlicht und einfach den offenen und geselligen Geist der Menschen in Madrid genießt. Sobald man eine Bar betritt, wird die Begrüßung des Kellners wahrscheinlich „Komm rein, an der Bar ist noch Platz“ lauten. Egal wie voll es ist, es gibt immer Platz für noch eine Person. Vielleicht teilst du dir dann sogar die Portionen mit demjenigen, der für dich zur Seite rutscht. Wenn du in der Hauptstadt Freunde finden willst, frag einfach nach einer „caña“. Wir erklären dir, wie das geht und wo man hingehen kann.

Madrid ist eine der Städte mit den meisten Bars der Welt, was so viel bedeutet wie unter 15.000 Möglichkeiten wählen zu können. Das ist kein Wunder, denn in der Hauptstadt spielt sich das Leben auf der Straße ab. Die Bar-und-Tapas-Kultur ist zur Visitenkarte der Madrider Gastfreundschaft geworden. Die Kroketten der Casa Alberto im Barrio de las Letras sind legendär. Ebenso das klassische Tintenfisch-Sandwich in der Bar El Brillante im Kreisverkehr von Atocha, wo sogar Bill und Hillary Clinton kurz anhielten, als sie 1997 zu einem NATO-Gipfel nach Madrid fuhren.

Fassade des Casa Alberto
Das Casa Alberto existiert seit 1827 und befindet sich in einem Gebäude, in dem Cervantes eines seiner Bücher geschrieben haben soll
Foto: Hiberus © Madrid Destino

Kroketten, eingelegtes Gemüse, russischer Salat und Kartoffelomelett füllen traditionell die Vitrinen. Geflieste Fassaden und Theken aus Zink mit Bierhähnen runden das Bild ab. Die Lokale sind nicht nur Treffpunkt für alle und jeden. Hierher kann man auch Freunde einladen oder sich am Ende des Arbeitstages entspannen. Madrid umarmt seine Traditionen, und zu seinen beliebtesten gehört die Zeit für den Wermut oder den Aperitif. Einer der beliebtesten Orte auf der Tapeo-Route durch die Hauptstadt ist El Doble in der Calle Ponzano. Hier bestellt man englische Pommes Frites und gekochte Garnelen. Die „caña“ wird in langen Gläsern von 40 Zentilitern serviert, weil „das die beste Art ist, den Schaum des Bieres zu erhalten“. Und Tatsache ist, dass die Menschen in Madrid die Bedeutung eines gut gezapften Bieres sehr ernst nehmen.

 

Während sich die Mutigen im Docamar in der Calle Alcalá auf eine Portion (scharfe) Kartoffeln stürzen, nähern sich die weniger Mutigen dem Herzen Madrids, wo sich die Mischung aus Nationalitäten und Grenzen in den klassischen Bars auflöst. In der Casa Revuelta, in der Nähe der Puerta del Sol, ist marinierter Kabeljau Pflicht. In den Bodegas Alfaro im Herzen des Stadtteils Lavapiés lernt man schnell, warum die dort angebotenen Sardellen in Essig zu den Top 10 der Madrider Aperitifs gehören. Und im La Tomasa in La Latina sind die Toasts ein Klassiker.

In den Bars von Madrid wird laut gesprochen, das ist Teil ihrer Magie. Die Bewohner des Viertels Malasaña wissen morgendliche Tapas sehr gut mit dem Bierchen am Nachmittag zu verbinden, um den Nachmittag dann in einer Nacht voll Rockmusik ausklingen zu lassen. Frag nach der U2-Kroketten-Bar – jeder Ansässige wird dich zur Casa Julio bringen. Die Taverne ist nicht nur für gut gezapfte Biere bekannt, sondern auch als der Ort, an dem Mitglieder einer gewissen irischen Band Kroketten aßen.

Bar auf dem Markt von San Ildefonso
An Wochenenden beginnen sich die Bars ab Mittag zu füllen; es ist Zeit für den Wermut
Foto: César Lucas Abreu © Madrid Destino

Du kannst Malasaña nicht verlassen ohne einen Yayo getrunken zu haben – eine Mischung aus Soda, Gin und Wermut, die im Casa Camacho zubereitet wird. Oder ohne einmal in der La Vía Láctea, einer legendären Bar aus den 80er Jahren, mit anderen Pool Billard gespielt zu haben. Wahrscheinlich beendest du den Tag oder sogar die Nacht auf der Plaza del Dos de Mayo mit einer zusammengewürfelten Gruppe von Freunden, während ihr besprecht, wohin ihr als nächstes geht. Niemand hat gesagt, dass ein Aperitif in Madrid eine zeitliche Begrenzung hätte.

 

 

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