>>>#Jordanien mit den Augen eines Instagramers
Foto: Michael Tuquib

#Jordanien mit den Augen eines Instagramers

Kein Selfie widersteht der Wüste Wadi Rum, einem der fotogensten Orte des Landes. Weil Jordanien jenseits von Petra viel zu „posten“ hat.
M

it einem Sonnenuntergang liegt man immer richtig. Vor allen Dingen am Toten Meer. Der orangefarbene Himmel mischt sich mit fast beängstigenden Rot- und Ockertönen, die von der Erde reflektiert werden. Eine schlichtweg perfekte Farbpalette, die keine Filter benötigt, um einen „Like“ zu erhalten. Nicht einmal „Valencia“, der am häufigsten für Naturaufnahmen eingesetzt wird. Doch sind die Sonnenuntergänge nicht die einzigen Ressourcen der „Instagramer“ in Jordanien.

 

Mehr als 95.000 Fotografien wurden unter dem Hashtag #visitjordan geteilt. Und obwohl Petra die Muse vieler dieser Fotos ist, bietet Jordanien unzählige weitere Postkartenmotive. Um ein „Influencer“ zu werden, muss man Tendenzen aufspüren und originell sein. Daher verlassen wir die Bildeinstellung „Mainstream“ mit der Fassade von „Der Schatz“ im Hintergrund, um das Tote Meer und die Wüste Wadi Rum zu erkunden. Einzigartige, beinahe außerirdische Landschaften, zudem äußerst „Instragam tauglich“.

 

Ein Selfie am Berg Nebo

Das beliebteste Foto eines jeden Instagramers ist das Selfie. Der Berg Nebo, von dem Moses laut Bibel das Gelobte Land erblickte, ist ein guter Hintergrund. Was man heute von diesem mehr als 800 Meter hohen Gipfel sehen kann, ist das Tote Meer.

 

Der Hashtag #deadsea (Totes Meer) umfasst mehr als 400.000 Fotos. Es gibt Sonnenuntergänge, aber vor allen Dingen Körper ohne Komplexe, eingehüllt in Lehm und Fröhlichkeit. Im Toten Meer zu schweben – die hohe Dichte und der Salzgehalt machen dies möglich – ist nicht nur eine Frage der Chemie, sondern eine der Sensationen für alle, die sich in Jordanien auch im übertragenen Sinn treiben lassen wollen. Scott Brown (@skipbroon) und seine Freundin Christine zögerten nicht, sich von Kopf bis Fuß in Lehm zu hüllen. Und weil ein Foto einfach alles ist, nahm er, bevor er das Hotel in Richtung Totes Meer verließ, an der Rezeption eine Tageszeitung mit. „Man treibt ohne Anstrengung und daher werden die Fotos gut“, erklärt er. Die „Likes“ gaben ihm Recht.

 

Fotos, die nicht nur in der kollektiven Erinnerung bleiben, sondern sich in die neuen Landkarten verwandelt haben. Während der Reise zeigte Brown seinem Guide Mo (der Indiana Jones als Klingelton hatte) Fotos von den Gegenden, die er gerne besuchen wollte. So gelangte er an Orte außerhalb der festgelegten Routen. Die Wüste Wadi Rum übertraf alle seine Erwartungen. „Es gibt Zeltlager, in denen man die Nacht verbringen kann, um den Sonnenuntergang und später die unzähligen Sterne eines komplett wolkenfreien Himmels ohne jedwede Kontamination zu bewundern“.

 

Nature can't be defeated. 🌅 #mykillstravels #MykillJordan

A post shared by mykillburn (@mykillburn) on

Für Michael Tuquib (@mykillburn) war es wie einen „anderen Planeten zu erkunden“ und „auf dem Mond spazieren zu gehen“. „Ein Lagerfeuer zu machen, außerhalb des Zeltlagers zu schlafen, die Sterne zu beobachten und die frische Brise der arabischen Wüste bei Nacht zu spüren, war eines der schönsten und entspannendsten Erlebnisse, die ich je hatte“, erinnert sich dieser Teilzeit-Krankenpfleger und Vollzeit-Entdeckungsreisender. Seit er in seiner Kindheit ein Foto von Jordanien auf einem Kalender gesehen hatte, träumte er davon, dieses Land zu bereisen. Seine Reise führte ihn „zurück in die Antike“, die er mit mehr als 100 Fotografien seiner Abenteuer in diesem Land mit zurück ins 21. Jahrhundert nahm.

 

An einigen Orten fehlte ihm der „Check-in“, die beste Ausrede, um zurückzukehren und sein Album zu vervollständigen. Zum Beispiel die nahegelegene Schlucht Wadi Mujib, das Naturreservat auf geringster Höhe der Welt, 400 Meter unter dem Meeresspiegel, das 2011 von der UNESCO zum Biosphärenreservat erklärt wurde. Seine landschaftliche Schönheit passt perfekt zum Hashtag #Abenteuer, denn in seinen Schluchten praktiziert man für gewöhnlich das Canyoning. Auch Amman und Akaba sind Fotoreiseziele, vom Labyrinth der Straßenküchen der Hauptstadt bis hin zur Ruhe der Fischstände der Hafenstadt.

 

Für Reisende wie Michael Tuquib bleibt Jordanien „im Herzen“. Und unterdessen können alle nicht Reisenden das Land zumindest über Instagram kennenlernen.

 

Pa-KISS! 😘 #mykillstravels #MykillJordan

A post shared by mykillburn (@mykillburn) on

Verwandte Artikel

Amman – auf den Gipfeln der Zeit

Modern und traditionell. Ruhig und hektisch. In Amman vereinen sich Gegensätze, das Gewimmel in seinen Straßen vermittelt uns das Gefühl...

Alle Wege führen nach Petra

Mehr als 800 Monumente und 500 Grabstellen auf 264 Quadratkilometern. Petra ist viel mehr als die Fassade des Schatzhauses. Wir...

Reisen vom Sofa aus

Google Street View bringt Sie auf dem Bildschirm in die abgelegensten Winkel des Planeten - ohne dass Sie Ihre Couch...

Höhlen, Paläste und Zaha Hadid

Die Nabatäer, die Römer und auch Norman Foster haben ihre Spuren in der warmen Erde Jordaniens hinterlassen. Ihre Bauwerke erzählen...