>>Michael Greilsammer

Michael Greilsammer | Sänger und violinist

„Selbst wenn man nur dem Klang der Stadt lauscht, ist es leicht, sich inspirieren zu lassen.“

Er selbst definiert seinen Stil als „Weltmusik“, aber seine Wurzeln liegen in Jerusalem, der Stadt, in der er geboren wurde und in der er mit seiner Familie lebt. Diese inspiriert ihn genauso wie die ihn umgebenden Straßen und Ecken.

Text: Lucía Martín | Fotos: Patricia Martínez Sastre/Meged Gozani | Video: Patricia Martínez Sastre/Meged Gozani

M
ichael Greilsammer beschloss nicht selbst, Musiker zu werden; es war die Musik, „die sich für ihn entschied“. Im Alter von fünf Jahren begann er Geige zu spielen, und kann sich seitdem nicht mehr von seinem Instrument lösen. Mittlerweile singt und komponiert er auch seine eigenen Lieder. „Seit ich denken kann, bin ich Musiker“, sagt er im Hof des Hamiffal Cultural Centre in Jerusalem. Der Raum, dessen Name übersetzt ‘Die Fabrik’ bedeutet, und in dem sich Michael an seine Anfänge erinnert, ist ein altes Gebäude aus dem 19. Jahrhundert. Es stand leer, bis das Künstlerkollektiv Empty House es wieder mit Leben füllte, um es in ein kulturelles und künstlerisches Zentrum zu verwandeln. Jede Woche werden Workshops, Konzerte und Ausstellungen „durch und für das Publikum“ organisiert, das laut Initiatoren der eigentliche Motor dieses Projekts ist.
Das Publikum ist auch Motiv für viele von Michaels Liedern. „Musik ist etwas, das Menschen verbindet und sie glücklicher macht. Das ist das Wichtigste für mich, also mache ich eben das.“ Seine Konzerte sind das beste Beispiel dafür. In der Nacht gehen wir in ein Lokal, ein Café-Restaurant, in dem es möglich ist, Live-Musik „mit einer guten Akustik“ zu hören, so der Künstler selbst, der zudem die Qualität des Essens betont. Das Lokal liegt im Westen der Stadt, am Anfang der Betzalelstraße, und gilt als einer der beliebtesten Orte für ansässige Musiker.
„Musik machen fällt mir leichter als reden.“, gesteht er. Seine Worte machen Sinn, als wir ihn auf der Bühne sehen. All seine Schüchternheit wird in Energie umgewandelt. Neben ihm steht seine Frau Shimrit, eine Sängerin, die ihn auf der Gitarre begleitet. Mit ihrem Mix aus Violine, Akustikgitarre und „Weltmusik“ ist das Paar zu einem der erfolgreichsten Duette der israelischen Musik geworden.
„Musik machen fällt mir leichter als reden.“
Michael Greilsammer
Manchmal spielen sie auch mit einer Band. Das Ensemble klingt wie eine Mischung aus Orient und Okzident, die Stile wie Drum & Bass, Reggae und Rock & Roll mit eher traditionellen Melodien verbindet. „Mit der Geige spiele ich eine Mischung aus keltischer und irischer Musik, gemischt mit einem orientalischen Jazz-Gipsy-Sound zusammen mit dem Kanun (einem syrischen Instrument mit 80 Saiten) und der Darbuka aus dem arabischen Raum, während Shmirit im Folkstil singt“. Michael versucht mit Worten zu beschreiben, was während seiner Auftritte passiert, aber er hatte Recht, es ist nicht einfach. Es ist besser, über die Emotionen zu sprechen, die die beiden im Publikum hervorrufen: „Wenn das Publikum diese Art von Musik hört, bewegt es sich und tanzt. Es verlässt unsere Auftritte immer mit einem positiven Gefühl. In unseren Konzerten wollen wir neben der Performance auch eine Einheit mit dem Publikum schaffen.”
HaMiffal
Bar im Kulturzentrum HaMiffal in Jerusalem
Wenn wir über Musik in Jerusalem sprechen, ist es unverzichtbar, Yellow Submarine oder „das Haus der Musiker“ zu erwähnen, wie Michael es nennt. Der Konzertsaal, in dem vielzählige Aufführungen stattfinden, zeichnet sich durch eine jugendliche Atmosphäre aus, gepaart mit einem Mix verschiedener Stilrichtungen. Zudem gibt es Proberäume, Aufnahmestudios und Ausbildungsprogramme für Einsteiger. HaMazKeka, ein weiterer wichtiger Veranstaltungsort, verfügt ebenfalls über ein Aufnahmestudio. „Er ist zwar kleiner als die anderen, aber ein sehr interessanter Ort, um Indie-Rock und andere Musik zu hören”, erklärt uns der Künstler. Yellow Submarine, Nocturno und HaMazKeka sind seine Lieblingsplätze, um neue Klänge zu entdecken. Auf die Frage, woher seine Inspiration kommt, erzählt er uns von der Notwendigkeit, Menschen zu verbinden. Etwas Originelles zu tun, das anderen und ihm gut tut. Für seine Songs orientiert er sich an Künstlern wie Bob Marley, Dylan oder Led Zeppelin, lässt sich aber auch von den Menschen inspirieren, die er in seinem täglichen Leben in Jerusalem trifft. „Immer wenn ich durch die Straßen gehe, finde ich Inspiration, schaue die Menschen an, höre alle möglichen Sprachen: Arabisch, Hebräisch, Französisch, Englisch, Russisch… Es ist sehr interessant. Selbst wenn man nur dem Klang der Stadt lauscht, ist es leicht, sich inspirieren zu lassen.”
„Seit ich denken kann, bin ich Musiker.“
An seinem Zuhause fasziniert ihn am meisten, dass es sich um eine „offene Stadt“ handelt. Sie ist von daher perfekt geeignet für solche, die es vorziehen, ihre eigenen Ecken zu finden und nicht nur beim Offensichtlichen zu bleiben: „Jerusalem ist was ganz besonderes, eine echte Mischung von Menschen aus verschiedenen Kulturen. Ich denke, es ist eine ganz spezielle und einzigartige Stadt. Das Alte vermischt sich mit dem Neuem, der Jugend…..”. Er rät dazu, zehn Minuten lang durch ein jedes der Viertel zu laufen und nach „dem unscheinbarsten Ort“ zu suchen, sich dann hinzusetzen und ein Gericht mit Hummus zu genießen, eine der gastronomischen Spezialitäten, die er als „die beste der Welt“ betrachtet. Als überzeugter Veganer bekennt er seine Liebe zu diesem Kichererbsenpüree und den vielen Optionen, die Jerusalem zu bieten hat, von Falafel bis zu Auberginen auf Pita-Brot.
Michael Greilsammer live

Neben der Suche nach Inspiration für seine Lieder zwischen Spaziergängen und Cafés ist das Leben als Künstler anspruchsvoll. Er muss für die Konzerte proben, an seinem neuen Album arbeiten, in den sozialen Netzwerken präsent sein, um seinem Publikum nahe zu sein… und all das mit seinem Familienleben verbinden. Sein Song ‘Full Time Dad’ handelt von dieser Suche nach der Balance zwischen dem Dasein als Vater und als Künstler. Michael sieht eine Lösung darin, die Kinder von Anfang an an die Musik heranzuführen. Eines nimmt bereits Klavier- und Schlagzeugunterricht, und wer weiß, ob es nicht in ein paar Jahren die Bühne mit seinen Eltern teilen kann. Michael sagt, dass „die Zukunft immer besser sein wird als die Gegenwart“, also wird er dieses Ziel wahrscheinlich erreichen.  

Michaels Lieblingsplätze

 

Cafés & Bars

Emek Refa'im St 23

Shoshana Bar
Shoshan St 7

 

Live-Musik

Ha-Rekhavim St 13

Betsal'el St 7

Shoshan St 3

 

Restaurants & Street Food
1-Ha-Shikma St

Shilo St 1

Agripas St 83

Beit Lehem Rd

 

Andere Orte
Derech Ruppin 11

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