>>Malik J. Fernando

Malik J. Fernando | DIREKTOR DES UNTERNEHMENS DILMAH TEA

„Ceylon-Tee war das Lebenselixier Sri Lankas“

In den berühmten Ceylon-Tee-Plantagen suchten wir nach einem sri-lankischen Reiseführer. Malik Fernando ist ein Pionier im Tee-Tourismus. Er ist der Gründer von Ceylan Tea Trails, einer Kette von kleinen Luxusunterkünften in historischen Gebäuden auf den Teeplantagen.

Text: Guadalupe Rodríguez | Fotos: Kreativa Visual | Video: Kreativa Visual

Wie war es für Sie, in einer Familie aufzuwachsen, die sich der Teeproduktion widmet? Haben Sie jemals daran gedacht, einen anderen Beruf auszuüben?

In einer Familie aufzuwachsen, die Tee in den Adern hat, ist interessant. Soweit ich weiß ist mein Vater Merril mit seinen 85 Jahren weltweit der älteste aktive Teekoster. Das ist der einzige Beruf, den ich je in Betracht gezogen habe, und ich hoffe, dass es meinen Kindern genauso geht.

Welche Bedeutung hat die Tee-Industrie in Sri Lanka?

Der Tee in Sri Lanka ist etwas Einzigartiges. Er war das Lebenselixier dieses Landes und ausschlaggebend an seiner Entwicklung beteiligt. Dieser Wirtschaftssektor hat wahren Reichtum geschaffen, zum Beispiel Banken, Versicherungen und Seehäfen für den Transport. Es war der erste Industriesektor des Landes. Erst vor 20 oder 15 Jahren kamen weitere Industrien dazu, insbesondere die Textilbranche. Die Existenz von vier Millionen Menschen, das sind 20 Prozent der Bevölkerung des Landes, hängt von der Teeindustrie ab.

Warum wird der Tee der Insel so geschätzt?

Aufgrund des Klimas. Die Monsune aus dem Südwesten und Nordosten verleihen dem Tee seine wichtigsten Eigenschaften. Genau wie beim Wein, [beeinflusst das „Terroir“ den Tee: Geschmack und Stil verändern sich von einer Plantage zur anderen deutlich.] Warum er so einzigartig ist? Aufgrund seines einzigartigen Geschmacks, sauer und süß zugleich. In anderen Ländern zeichnet sich Tee durch seine Farbe, seinen Körper oder seine Stärke aus. Der einzigartige Geschmack von Ceylon-Tee ist jedoch sehr schwer zu imitieren. Deswegen ist er so berühmt. Wir bezeichnen ihn weiter mit dem ehemaligen Namen des Landes, das bis 1972 Ceylon hieß, weil er seit den 20er-Jahren unter diesem Namen weltweit vermarktet wird.

Geschmack und Art des Tees, der in Sri Lanka hergestellt wird, variiert je nach Höhe des Anbaugebiets.

Wie funktionieren die Produktion und die Herstellung von Tee?

Es ist ein sehr traditionelles Verfahren. Wir verwenden hundert Jahre alte Maschinen, aber die Handarbeit spielt noch eine große Rolle. Alle fünf bis sieben Tage werden auf jedem Feld die Blätter von Hand geerntet. Gepflückt werden dabei nur die jüngsten Blätter ganz oben an der Pflanze. Diesen Blättern wird über zwölf Stunden die Feuchtigkeit mithilfe heißer Luft entzogen. Dann werden die Blätter eingerollt, damit die Fermentierung beginnen kann. Der Prozess endet mit dem Trocknen der Blätter, bis sie die bekannte Textur haben. Schließlich werden sie nach ihrer Größe sortiert, verpackt und weltweit verschickt. Insgesamt dauert der Vorgang etwa 20 Stunden.

Ihr Unternehmen betreibt auf der Plantage ein Hotel. Gibt es einen Tee-Tourismus?

Der Tee-Tourismus spielt eine wichtige Rolle. Mit „Ceylan Tea Trails“ sind wir Pioniere in dieser Branche. Wir haben die Landgüter für Touristen aus aller Welt geöffnet, die das „Land des Tees“ kennenlernen und lieber auf einer Plantage als in einem Hotel übernachten möchten. Bei uns lernen sie Menschen kennen, erfahren viel über die Tee-Produktion und können Radtouren unternehmen. Es ist ein einzigartiges Erlebnis! 2004 haben wir vier Bungalows von zwei ehemaligen englischen Teeplantagen modernisiert und sie zu Luxusunterkünften umgebaut. 2016 eröffneten wir Dunkeld, einen Bungalow aus den 20er Jahren, den wir zu einem Luxushotel mit 26 Zimmern umgebaut haben. Es gehört zur renommierten Hotelkette French Relais and Chateaux Asociation.

Welche Orte, die mit der Geschichte des Tees oder seiner Produktion zusammenhängen, sollte man besichtigen?

Ich würde die vier Gegenden von Sri Lanka empfehlen, in denen Tee angebaut wird: die Südküste, Ratnapura, berühmt für ihre Edelsteine, die Berge im mittleren Teil von Sri Lanka, wo sich die Tea-Trails befinden und Nuwara Eliya mit den höchsten Teeplantagen der Insel auf 1200 Metern. In der Umgebung von Colombo gibt es mehrere Teestuben, die sehr angesagt sind und häufig von jungen Leuten besucht werden. Dienstags und mittwochs findet eine Tee-Auktion statt. Sie ist spektakulär, aber man benötigt dafür eine Sondergenehmigung. Man kann auch Tee-Fabriken besichtigen, zum Beispiel die Fabrik von Dilmah. Den Tee und die sri-lankische Gastronomie in den Teestuben zu probieren, den Herstellungsprozess zu beobachten und die Regionen kennenzulernen, in denen Tee angepflanzt wird, gehören zu den Erlebnissen rund um den Tee, die für Touristen angeboten werden.

Qualität, Frische, Authentizität und Ethik sind Dilmah Teas Prinzipien.

Ist ein Land mit reichhaltiger Natur besonders reich?

Die Natur hat es gut mit uns gemeint. Das Wichtigste ist, dass sich das Land nicht viel verändert hat, makellos geblieben und dabei gleichzeitig sehr einladend ist. Ich würde sagen, dass Sri Lanka ein sehr schönes Land ist, mit vielen Regionen von hohem ökologischen Wert – vom „Land des Tees“ bis hin zu den Stränden an der Ostküste und den tropischen Stränden im Süden. Im Zentrum des Landes befinden sich die Ruinen der antiken Städte und Nationalparks, wo man Löwen und Elefanten begegnet. Wir sind wirklich von der Natur gesegnet!

Wie sind die Bewohner von Sri Lanka?

Die Touristen stimmen mit uns überein, dass Sri Lanka ein sehr schönes Land ist, aber dass aber das Wichtigste der freundliche Charakter der Menschen ist. Ich denke sogar, dass Freundlichkeit ist ihre herausragendste Eigenschaft ist.

Was würden Sie einem Besucher aus dem Ausland empfehlen, der die Insel zum ersten Mal besucht?

Sri Lanka ist wie sechs Länder in einem. Die Region, die man als erstes besuchen sollte, ist das Kulturdreieck um Sigiriya und die Ruinen der antiken Städte. Danach empfehle ich eine Reise in das „Land des Tees“ und zu den Stränden des Südens. Diese drei Gegenden sollte man auf jeden Fall gesehen haben! Falls Sie dann noch Zeit haben, warten die Strände an der Ostküste.

Was zeichnet die Küche Sri Lankas aus?

Unsere Küche ist sehr scharf, unterscheidet sich aber von der indischen Küche und ist nicht so bekannt. Das populärste Gericht ist „Pot Sambola“, ein sehr würziges Rezept mit Kokos, Kurkuma, Zimt und Muskatnuss. Es gibt auch eine große Auswahl an Fladen („Rotis“), Crêpes („appa“) und vegetarischem Curry-Gemüse – alles köstliche Überraschungen für Menschen, die uns zum ersten Mal besuchen.

Welches Gericht würden Sie zu einer Tasse Tee empfehlen?

Zum klassischen Ceylon-Tee würde ich ein „Kottu Roti“, wählen, eine Mischung aus Roti mit Gemüse, Huhn und Gewürzen, ein Klassiker der abendlichen Street-Food. Die Adstringenz des Tees reinigt nach jedem Bissen den Gaumen: eine perfekte Kombination!

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