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Liam Aldous
Korrespondent in Spanien der Zeitschrift Monocle
"Madrid ist kurz davor, eine neue Movida zu erleben“

 

 

Text: Guadalupe Rodríguez
Fotos: Carlos Luján
Video: Francisco Márquez

Als Korrespondent der Zeitschrift Monocle in Spanien ist er immer über die neuesten Bars, Restaurants oder Geschäfte, die in Madrid eröffnet werden, auf dem Laufenden. Der Mittdreißiger Liam Aldous aus Australien ist ein gesellschaftlicher und kultureller Tendenzenjäger. Er ist in die Herzlichkeit Madrids und ihrer Einwohner verliebt und wir konnten uns niemand besseren vorstellen, um durch diese Stadt zu schlendern.

Ich bin vor vier Jahren nach Madrid gezogen. Aber acht oder neun Jahre zuvor kam ich hierher, um sechs Monate lang Spanisch zu lernen, und blieb eineinhalb Jahre. Ich wollte so gerne wiederkommen, ich vermisste die Menschen und das Ambiente der Stadt, dass ich 2011 mit einem Stipendium zum Arbeiten bei der Zeitschrift Monocle zurückkam.

Die Freundlichkeit der Menschen. Man sagt, dass wir Australier recht relaxt und freundlich sind, aber in Madrid sind alle ganz wild darauf, mit Unbekannten zu reden. Die Leute sagen Hallo und Tschüss, wenn man den Lift betritt oder verlässt, was mir immer noch unvergänglich und zärtlich vorkommt. Es hilft dabei, dass eine große Stadt, die etwas frenetisch sein kann, viel besser funktioniert.

Ich glaube, es ist die Tatsache, dass niemand wirklich aus Madrid stammt, weshalb alle, die hier leben, jeden gut aufnehmen, ohne dass sein Aussehen oder seine Herkunft von Bedeutung wären. Vielleicht ist das so, weil es wenige „Katzen“ gibt, wie Madrids Einwohner der dritten Generation genannt werden. Das hilft dabei, sich zu integrieren. Man kann hier nur sechs Monate lang gewohnt haben und sich für einen Madrilenen halten, ohne dass einem das zum Vorwurf gemacht wird. Außerdem ist sie, auch wenn sie die drittgrößte Stadt Europas ist, immer noch wie ein Dorf.

Wenn ich daran denke, wie sie war, als ich das erste Mal im Jahr 2005 oder 2006 hierherkam, so hat sie sich vollständig verändert. Die Krise hat dazu geführt, dass die Menschen zum Nachdenken innehalten und neue Sachen machen. Viele Personen, die keine Arbeit fanden, beschlossen, ihr eigenes Geschäft zu eröffnen und sich dem zu widmen, was ihnen Spaß macht. Ich denke, das ist in der ganzen Stadt spürbar.
Zum Beispiel Kike Keller, einer der Inhaber des Ortes, an dem wir uns befinden. Er arbeitete in der Kinowelt und beschloss, dieses wunderbare Studio zu eröffnen, das gleichzeitig ein Ausstellungssaal und eine Bar ist, um die von ihm entworfenen Möbel zu verkaufen. Es gibt viele solche Orte in der ganzen Stadt. Es hat eine Explosion kreativer Energie gegeben.

Ich lebe im Stadtteil Conde Duque. Er ist zentrumsnah, aber recht ruhig, mit hübschen Geschäften, Bars, Cafés und Plätzen. Ich gehe dort aus, aber auch in Malasaña. Mir gefällt auch das Barrio de las Letras, wo ich vorher wohnte, und ich versuche, so oft ich es schaffe, Lavapiés zu besuchen, weil das eine Gegend ist, die sich im andauernden Wechsel befindet.

Mercado-San-Ildefonso

Mercado de San Ildefonso

El Imparcial

Federal Café

Bar Navaja

El Circo de las Tapas

Bar Corazón

Die Leute sind überrascht, dass die Restaurants und Terrassen immer voll sind. Und ich sage ihnen, dass es den Spaniern gefällt, so oft wie möglich das Leben zu genießen. Das bedeutet nicht, dass es nicht Leute mit niedrigen Löhnen oder ohne Arbeit gibt, aber Madrid ist ein Brennpunkt der Chancen.

Ich bringe sie normalerweise an Orte, die wirklich die Persönlichkeit der Stadt zeigen. Wenn wir essen gehen, bringe ich sie in ein Lokal namens Celso y Manolo. Dort gibt es gute und einfache traditionelle Speisen in einem sehr authentischen Lokal. Genau wie im Restaurant Sala de Despiece, das vornehmer ist, aber ebenfalls sehr gutes Essen bietet. Und wenn ich möchte, dass sie ein wenig mehr den exzentrischen Charakter der Einwohner Madrids kennenlernen, bringe ich sie ins Microteatro, einen unglaublichen Theaterraum, der in einer alten Fleischerei untergebracht ist.

Man muss unbedingt das Prado-Museum und das Museum Reina Sofía gesehen haben, aber es gibt auch gute Ausstellungen im Centro Centro. El Matadero ist ebenfalls ein Pflichtbesuch. Dann gibt es auch das phantastisch erhaltene Kino Doré, Sitz der spanischen Filmothek. Man muss auch die gastronomischen Märkte besuchen. Jeder, der Madrid besucht, geht normalerweise zum Markt San Miguel, aber ich ziehe es vor, sie zum Markt San Antón oder Antón Martín zu bringen. Platea oder San Ildefonso bieten ebenfalls authentische gastronomische Erlebnisse.

Ich gehe am liebsten in Häuser mit Hausmannskost, wo echte, gut gemachte Tapas ohne viele Ansprüche serviert werden. Ich bringe sie gerne an diese Orte, denn diese kann man nur hier finden.

Was mir an Madrid gefällt, ist, dass jeder Stadtteil seine eigene Persönlichkeit hat. Mir gefällt auch der traditionelle Charakter, den man in Chamberí oder im Barrio de Salamanca vorfinden kann.

Auf jeden Fall. Tatsächlich handelt es sich um eine der europäischen Städte mit den meisten Geschäften. Darüber hinaus ist die Vielfalt an Läden in den letzten Jahren gewachsen. Es sind neue kleine Juwelier-, Leder- und Schuhmarken aufgetaucht. Und es lohnt sich, die Showrooms von Marken wie Andrés Gallardo oder Helena Rohner in La Latina, Conde Duque oder Tirso de Molina zu besuchen. Im Barrio de Salamanca gibt es einen wunderbaren Laden für maßgefertigte Herrenschuhe namens Glent.

Man könnte sagen, er ist ein wenig bipolar: exzentrisch auf der einen Seite und konservativ auf der anderen, aber sehr gemischt. Madrid ist lässig, exzentrisch und freundlich. Ehrlich gesagt, ist sie ganz viele Sachen. Ich glaube, die Stadt steht kurz davor, eine neue „Movida“ zu erleben. Sie vereint viel kreative Energie. Vielleicht ist Madrid das neue Berlin. Sie ist kreativ, billig, es passiert viel und sie ist die zweitsonnigste Hauptstadt Europas. Ich finde, die Leute sollten hierherkommen, wenn sie einen guten Lebensstil verfolgen, aber auch, um ein Geschäft zu gründen. Sie werden merken, dass die Stadt sehr gastfreundlich ist und viele Chancen bietet. So würde ich Madrid beschreiben.

liam-cafeteria

Liam Aldous

Adressbuch
Conde de Romanones, 5 Patio
Plaza Cibeles, 1
Santa Isabel, 3
Corredera Baja de San Pablo, 21
Corazón Bar
Calle de Valverde, 44
Plaza Comendadoras, 9
Jorge Juan, 14
Almendro, 4 Bd
Marqués de Valdeiglesias, 1
Duque de Alba, 4
Corredera Baja de San Pablo, 17
Plaza de Legazpi, 8
Augusto Figueroa, 24
Calle Fuencarral, 57
Plaza de San Miguel s/n
Loreto Prado y Enrique Chicote, 9
Paseo del Prado, s/n
Calle de Goya, 5-7
Calle de Valverde, 42
Calle de Ponzano, 11
Tasca Celso y Manolo
Calle Libertad, 1
The Passenger
Calle del Pez, 16
Toma Café
Calle de la Palma, 49
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