>>Federico Sánchez

Federico Sánchez | Architekt

„Der Mensch existiert nicht nackt.“

Ob in seiner Fernsehsendung City Tour oder als Dekan des Campus Creativo – Federico Sánchez lehrt darüber nachzudenken, wo und wie wir wohnen.

Text: Martín García Almeida | Fotos: Kreativa Visual | Video: Kreativa Visual

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ederico Sánchez studierte nicht Architektur, um Architekt zu werden. Was ihn wirklich interessierte, war die Architektur selbst. Die Gedanken, die man sich über die Form macht, die bedeckt und bewohnt wird. „Ich entdeckte, dass die Architektur etwas viel Wertvolleres und Wichtigeres ist, als ein Haus, ein Gebäude oder im besten Fall eine Brücke zu bauen, auch wenn Brücken etwas Magisches sind, etwas Wundervolles.“
Wegen seiner Leidenschaft für Autos studierte Sánchez zunächst Design. „In den Autos ist die Geschichte der Kunst des 20. Jahrhunderts kompensiert“, sagt er. „Das Automobil ist der höchste Ausdruck der Demokratisierung der Kunst.“ Auf Empfehlung seiner Professoren kam er zur Architektur, aber er tritt dafür ein, dass Bildung die Suche nach einem eigenen Weg ist und nicht notwendigerweise linear erfolgen muss. „Während ich Architektur studierte, interessierte ich mich weiterhin für Design und Kunst. Ich nahm an allen Kursen über Radierungen und Zeichnen teil. Auch Philosophie und Literatur hat mich interessiert. Ich wollte lernen, richtig lernen. Ich wollte systematisch und engagiert die Zeit verlieren und mir ausgehend von diesem Zeitverlieren einen Weg zu mir selbst eröffnen.“
Als Dekan des Campus Creativo der Universität Andrés Bello, der sich auf Berufe in der Architektur, im Design, in der Kunst, im Journalismus und in der Werbung fokussiert, hat Frederico offenbar einen Platz gefunden, an dem er einige seiner Leidenschaften ausleben und die kreativen Disziplinen in einem Raum für Experimentelles, Kreation und Innovation miteinander verbinden kann.
Im Museumsviertel gibt es ein urbanes Leben und ein anregendes kulturelles Durcheinander.
Mit 14 Jahren kam Federico Sánchez aus Argentinien nach Chile. „Vor 40 Jahren waren das ganz andere Länder. In Argentinien war der Unterschied ein Wert, in Chile war der Unterschied damals eine wirkliche Strafe. Ich musste kämpfen, um der zu werden, der ich heute bin.“ Sein aktuelles Aussehen – sehr gepflegt, sehr elegant und durchdacht – scheint das Ergebnis einer Suche nach mehreren Obsessionen zu sein, ein fabriziertes Image, das die Wahrheit einer Reflexion übermittelt: „Die Oberfläche ist die Trägerin der Essenz der Dinge. Ich glaube nicht, dass die Essenz etwas Transparentes im Inneren ist, das man nur in wenigen hellen Momenten enthüllen kann. Die Oberfläche ist die Trägerin der Essenz und in diesem Sinne ist sie die Erschafferin der Geschichte, dessen, der ich sein will. Daher ist die Kleidung auf existenzieller Ebene ein fundamentales Element. Der Mensch existiert nicht nackt. Der Mensch existiert bekleidet.“
Es ist nicht einfach, an der Seite von Federico Sánchez durch die Straßen von Santiago de Chile voranzukommen. Auf Schritt und Tritt wird er gegrüßt, möchte jemand ein Foto mit ihm machen oder man fragt ihn etwas zu dem Gebäude, das er uns gerade zeigen möchte. Der Grund: Seit mehreren Jahren zeigt unser Passenger6a in dem Fernsehprogramm, City Tour die architektonischen und städtebaulichen Werte Santiagos. In lässiger Form aber mit einem deutlichen pädagogischen Fokus zeigt er den Chilenen, wie wichtig es ist, darüber nachzudenken, wo und wie wir wohnen. Und sie lieben ihn dafür.
Die chilenische Architektur gehört zu den besten der Welt.
Federico Sánchez führt uns durch das Museumsviertel. Seiner Meinung nach ist es ein Muss bei einem Besuch in Santiago. „Hier sind einige Hotels mit sehr interessanten Ideen entstanden, sehr gute Restaurants, amüsante Kneipen und ein außergewöhnliches Nachtleben, ausgezeichnete Kunstgalerien, Fotogalerien, Galerien für grafisches Design, es gibt ein urbanes Leben und ein anregendes kulturelles Durcheinander.“

Federico liebt seine Stadt und tritt auf der ganzen Welt für den Wert der chilenischen Architektur ein. „Wir haben das Glück, dass wir in Chile eine Autoren-Architektur haben, eine der besten der Welt, auch dank Mathias Klotz, Smiljan Radic und jetzt Alejandro Aravena mit dem Pritzker-Preis. Es gibt sehr viele chilenische Architekten, die die chilenische Architektur unter den besten der Welt positioniert haben“, sagt er. „Es ist eine Architektur, die eine Reihe von Werten und Idealen der Moderne neu interpretieren kann. Ich würde sagen, das Interessante an unserem Land ist, dass wir in Chile – wie die Engländer das Konzept des ‚High-Tech‘ geprägt haben – den Bereich des ‚Low-Tech‘ übernommen haben. Und es scheint, dass unsere Architektur eine wundervolle Veredelung dieses ‚Low-Tech‘ ist. Das ist fantastisch.“

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