>>Raquel Tavares

Raquel Tavares | Sängerin

„Es sind die Menschen, die Städte ausmachen“

Die Sängerin Raquel Tavares und der Musiker und Komponist Rodrigo Leão schreiben Partituren mit traditionellen Noten und modernen Akkorden - und leihen Lissabon ihre Stimme.

Text: Guadalupe Rodríguez | Fotos: Carlos Luján | Video: Kreativa Visual

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er Fado, ein beliebtes portugiesisches Musikgenre, das Ende des 19. Jahrhunderts entstand, gilt als „Bairrista“ (typisch für die beliebten Stadtviertel). Dasselbe gilt für die Sängerin Raquel Tavares, die mit ihrem letzten Album „Raquel“ zeigt, wie sehr sie sich seit ihren Anfängen als Fado-Sängerin vor sechs Jahren weiterentwickelt hat. Sie setzt sich für den Lissaboner Stadtteil Alfama ein, in dem sie mit der ganzen Passion ihrer Gitano-Wurzeln lebt.
In Alfama befindet sich das Fado-Museum und dort schmückt ihr Bild zusammen mit vielen anderen aus der neuen Generation der Fado-Sänger wie Mariza, Carminho oder Ana Moura eine Wand. Statt von vorne präsentiert sie sich dort im Profil, auf der Bühne bei einem ihrer Konzerte, die sie durch die ganze Welt führen. Noch heute geht sie gerne in die Fado-Lokale – inzwischen als Zuhörerin – in denen sie ab ihrem siebzehnten Lebensjahr sang, manchmal in drei verschiedene an einem Abend.
„Der Fado erklingt, wo ein Sänger, eine portugiesische Gitarre und ein Bass aufeinandertreffen. Wo kann man ihn also hören? In den Stadtvierteln Alfama, Bairro Alto und Mouraria gibt es zum Glück viele Fado-Lokale. Auch wenn ich zugeben muss, dass ich nicht mehr so häufig hingehe, gibt es drei, die mir wichtig sind: Senhor Vino, A Adega O Faia und Casa de Linhares. Drei Lokale, in die ich gerne gehe; das Essen ist genial, die Leute sind fantastisch, die Atmosphäre ist gut, traditionell, man hört gute Musik und fühlt sich wie zu Hause.“
Und sie fühlt sich zu Hause im Viertel Alfama, wo traditionelle Speiselokale mit Fado-Lokalen abwechseln, wo die Bewohner ihre Wäsche auf den Balkonen aufhängen und Touristen aufnehmen, die für ein paar Tage wie ein weiteres Familienmitglied in ihren Häusern leben.
Lissabon wird kosmopolitisch, ohne seine Traditionen zu verlieren.
Singer André Baptista in Casa de Linhares
Im Restaurant und Fado-Lokal Casa de Linhares im Stadtteil Alfama treten regelmäßig die Sänger André Baptista, Vânia Duarte und Silvana Peres auf.
Was sie auch liebt in Lissabon – „was kosmopolitisch geworden ist, ohne das Traditionelle zu verlieren“ – ist das Stadtviertel Chiado. „Hier kauft man in der Altstadt ein. Es ist ein legendärer Ort genau wie Baixa und das Castelo de São Jorge, aus offensichtlichen Gründen. Nicht nur wegen der unglaublichen Aussicht, sondern auch wegen seiner Geschichte. Genau wie die unglaubliche Architektur in Belém und das Hieronymuskloster.“
Raquel Tavares in Alfama
In den Straßen von Alfama hat Fado-Sängerin Raquel Tavares das Video mit dem Titel „O meu amor de longe“ aufgenommen.
Sie gesteht aber, dass ihr auch die beliebteste Seite der Stadt gefällt. „Egal wohin ich gehe, ich möchte die Leute treffen, die dort wohnen. Es ist zwar schön, sich Belém anzusehen, aber es sind die Menschen, die Städte ausmachen. Deswegen erscheint es mir interessanter, durch die Viertel zu laufen: Bairro Alto, Mouraria oder Cais do Sodré mit aller Art von Musik, mit Menschen ohne Vorurteilen, denn Lissabon ist eine sehr offene Stadt.“
Lissabon ist eine sehr offene Stadt.
Die Größe der Stadt mit einer Million Einwohner, die Sicherheit und wie einfach man sich per Taxi fortbewegen kann, sind einige der Vorteile, die Raquel Tavares bei ihren Besuchen in der portugiesischen Kapitale schätzt. „Von zehn Restaurants sind neun gut. Es ist schwer, hier schlecht zu essen. Was kann ich sonst noch sagen? Ich bin aus Lissabon, das merkt man mir an. Kommt nach Lissabon!“
Rodrigo Leão
Rodrigo Leão, Ex-Mitglied der Band Madredeus, komponierte die Musik für den Film „The Butler“.

Rodrigo Leão | Komponist und Musiker

„Lissabon ist in meiner Musik präsent.“

Rodrigo Leão Laufbahn ist eine Metapher für die Entwicklung Portugals: Ohne seine Wurzeln und Traditionen zu verleugnen, hat er Einflüsse von außen aufgesogen, um seine Musik der ganzen Welt nahezubringen.

Text: Guadalupe Rodríguez | Fotos: Carlos Luján | Video: Kreativa Visual

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eitdem er in den 80er-Jahren als Mitglied der Bands Sétima Legião und Madredeus begann, hat der Komponist, Klavierspieler und Gitarrist Rodrigo Leão die Wurzeln der portugiesischen Musik aufgesogen und Instrumente wie das Akkordeon neu belebt. Er mixte sie mit den unterschiedlichsten musikalischen Einflüssen – von Britpop und New Age bis hin zu brasilianischer Musik – und startete eine Karriere als Komponist von Filmmusik und Songs für verschiedene Sänger „Die portugiesische Musik hat eine sehr starke Identität. Nicht nur der Fado. Auch andere Gruppen nähren sich immer mehr der portugiesischen Volksmusik an“, erklärt er uns im Restaurant 100 Maneiras, ganz in der Nähe seiner Wohnung. Dabei sitzt er auf demselben Sofa, auf dem er zusammen mit Scott Matthew für die Hülle seiner aktuellen CD „Life is Long“ fotografiert wurde.

Das musikalische Angebot in Lissabon wird immer umfangreicher.

Wenn er gerade nicht auf Tournee ist, teilt er seine Zeit zwischen dem Alentejo, wo er die Ruhe zum Komponieren findet, und Lissabon auf. Er bummelt gerne durch Chiado und am Ufer des Tejo entlang, von Cais do Sodré bis Alcântara. „Ein einstündiger Spaziergang mit einem außergewöhnlichen Licht. Cais do Sodré und Bairro Alto sind Viertel mit ausgeprägtem Nachtleben, mit jungen Leuten, vielen Kneipen und Restaurants. Für alle, die Trubel mögen, sind das die besten Orte in Lissabon.“ Denen, die es eher gemächlich mögen, empfiehlt Leão den Praça das Flores in der Nähe von Príncipe Real und den Estrela-Park. „In Lissabon sind neue Plätze entstanden, an denen man Live-Musik hört, mehr Restaurants … Lissabon hat neues Leben erhalten, nicht nur abends, sondern auch tagsüber. Es werden immer mehr Shows angeboten. Nicht nur im Sommer mit den ganzen Festivals, an denen die bekanntesten Pop-Rock-Gruppen teilnehmen, sondern auch mit Aufführungen in Sälen wie dem Kolosseum im Kulturzentrum von Belém, das es vor zehn Jahren noch gar nicht gab“, freut sich der Musiker.

„Natürlich fühle ich, dass etwas von Lissabon, von Portugal in meiner Musik steckt, denn ich lebe sehr gerne hier. Es fällt vielleicht nicht sofort auf, aber einige Melodien sind sehr portugiesisch. Es gibt eine gewisse Melancholie, die typisch für Portugal ist und die in meinen Liedern sehr präsent ist.“ Aber Rodrigo Leão erklärt uns, dass diese Melancholie oder Romantik nicht unbedingt traurig ist, sondern Hoffnung mit sich bringt. „Es gibt eine gewisse Traurigkeit, Melancholie, aber mit einem Hauch Poesie und Hoffnung. Das Leben am Meer, Wein, Essen – all das gehört zu unserer Kultur.“

Liste der SehenswürdigkeitenCompartir

Rua do Teixeira, 35
Beco dos Armazéns do Linho 2
Rua das Portas de Santo Antão 96
Av. Duque de Loulé, 81-83
Largo Chafariz de Dentro 1
Rua da Barroca 54-56
Rua do Meio à Lapa 18
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