>>>In Mailand sparen (und Prada tragen)
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In Mailand sparen (und Prada tragen)

Die italienische Modehauptstadt ist für ihre Schaufenster mit sündhaft teurer Ware bekannt, aber es gibt Möglichkeiten, die Stadt zu genießen, auch wenn man nur über ein begrenztes Budget verfügt.
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an trifft im Stadtzentrum genauso leicht auf Stephano Gabbana auf seinem Roller, wie man ein Luxusdinner mitten auf der Straße anrichten kann. Am letzten – nach der Vorführung der Frühlings-Sommer-Kollektion 2017 bei der Mailänder Modewoche – nahmen 400 Personen teil. Es ist der Zauber einer Stadt, die es zeitig geschafft hat, sich neu zu erfinden. Ohne den Ruf einer „ewigen Stadt“ und mit einem künstlerischen Vermächtnis, das vom schönen Florenz deutlich übertroffen wird, spielt Mailand die Karte aus, die am besten zu ihr passt: die des Designs und der Sophistikation.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts begann Mailand, sich einen Namen unter den großen Modestädten zu machen. 1958 wurde die Mailänder Modewoche gegründet, die zusammen mit der von New York, Paris und London zu dem Rundkurs gehört, dem Anna Wintour und Kollegen auf der Suche nach den neuesten Trends folgen. „Du wirst in einem Restaurant in Mailand niemals jemanden in einem Overall sehen“, verriet das italienische Model Mariacarla Boscono der Vogue. Nicht einmal das derzeitige In-Kleidungsstück ist stilvoll genug für die Italiener. Und noch weniger hier, in der Hauptstadt des „Made in Italy“.

Chiara Ferragni arriving to Milan Fashion Week
Die Mailänder Modebloggerin Chiara Ferragni ist regelmäßig bei der Modewoche zu sehen.
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Ein absolutes Muss

10 Corso Como ist die Adresse, die sich Design, Kultur, Kunst und Mode teilen. Verlegerin und Mode-Ikone Carla Sozzani, Schwester der Chefredakteurin der italienischen Vogue, schuf eine Galerie, zu der sich ein Verlagshaus, eine Buchhandlung, ein Café, ein Restaurant und sogar ein kleines Hotel mit drei Zimmern gesellten – ein Concept Store. Inzwischen hat sie Dependancen in Seoul, Shanghai, Peking und New York eröffnet.

Die Stadt verströmt Stil. Hier haben die großen Designermarken Italiens ihren Sitz: Armani, Dolce&Gabbana, Moschino, Versace, Prada … Und auch die kleinen, wie der neu dazu gekommene Giannico, der mit seinen 21 Jahren bereits mit den Stars auf Du und Du ist. Rihanna findet ihn „inspirierend“, Manolo Blahnik animierte ihn dazu, seine originellen Schuhe mit der Welt zu teilen.

 

Sie alle treffen sich im Modeviereck, das aus den Straßen Montenapoleone, Manzoni, Della Spiga und Corso Venezia gebildet wird, dem Epizentrum des Luxusshoppings in der Stadt. Die Via Montenapoleone, wo einst die alten römischen Mauern verliefen, rühmt sich mit dem Titel der sechstteuersten Straße der Welt. Hier richtete Dolce&Gabbana sein Massen-Dinner aus.

Galleria Vittorio Emanuele II
Der Bau der Galleria Vittorio Emanuele II begann im Jahr 1865.
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Die wichtigste Shopping-Destination?

Man kann Mailand nicht besuchen, ohne einen Blick in die Galleria Vittorio Emanuele II zu werfen. Sie verbindet die Piazza del Duomo mit der Piazza de la Scala und ist angeblich das älteste Shoppingcenter der Welt. Das stimmt zwar nicht, aber dank der Glaskuppel, durch die das Tageslicht fällt, ist es sicherlich eines der schönsten.

Ein Schaufensterbummel ist hier genauso unterhaltsam wie das Shoppen selbst. Es gibt aber auch erschwinglichere Optionen, seine Kreditkarte zum Glühen zu bringen. Im Stadtviertel Brera, bekannt für sein Boheme-Flair, findet man zahlreiche Boutiquen und Antiquitätenläden. Der Corso Buenos Aires erinnert an die New Yorker Fifth Avenue und repräsentiert auf mehr als 1600 Metern voller Geschäfte – darunter Outlets und „Low cost“-Modemarken – die Demokratisierung der aktuellen Mode.

 

Der Corso di Porta Ticinese ist für die vielen Vintage- und Second-Hand-Läden sowie für jugendliche Marken wie Gap oder Vans bekannt. Es gibt auch Märkte wie die Fiera di Sinigaglia (jeden Samstag im Stadtteil Ticinese), auf denen man sich mit alten Schallplatten, Bio-Kosmetik und vielem mehr eindecken kann.

10 Corso Como
1991 definierte der Soziologe Francesco Morace 10 Corso Como als „Concept Store“ - ein Begriff, der Jahre später allgemein gütlig wurde.
Foto: 10 Corso Como

Um im Olymp der Haute Couture sündigen zu können, gibt es eine einfache Strategie: In anderen Bereichen sparen. Wie beispielsweise beim Abendessen. Vielleicht sind sie in Mailand deswegen die Könige des italienischen Aperitifs. Er beginnt gegen sechs Uhr abends und beinhaltet ein Getränk und eine Auswahl an Appetithäppchen, wie Wurstspezialitäten und Oliven oder Pasta und Pizza. Eines der beliebtesten derartigen „Büffets“ gibt es im Camparino, das vom Erfinder des Camparis in der Galleria Vittorio Emanuele II neben dem Dom gegründet wurde.

Auch Navigli, der Stadtteil mit den Kanälen, an dessen Planung Leonardo da Vinci beteiligt war, ist mit belebten Straßencafés und „coolen“ Leuten in dieser Hinsicht ein Muss. Der Blog von It-Girl Chiara Ferragni empfiehlt zwei Orte, an denen man sich für weniger als zehn Euro an solchen Appetithäppchen satt essen kann: Vista Darsena (Viale D’Annunzio 20) und Rita (Via Angelo Fumagalli 1). Was beweist, dass es auch Fashionistas mögen, wenn es gut aber günstig ist. Da bleibt mehr Geld für Accessoires von Miu Miu übrig.

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