>>>In Irland auf dem Wasser gehen
Foto: Tourism Northern Ireland

In Irland auf dem Wasser gehen

Wie vor 100 Jahren: Der Gobbins-Pfad führt die Wanderer durch die nordirische Küstenlandschaft, entlang hoher Klippen, ungewöhnlicher Brücken und vieler Legenden.
Das „Auge von Wise“ wurde nach über sechs Jahrzehnten wiedereröffnet. Es handelt sich um ein schmales Loch im Küstengestein und ist der Startpunkt der von Berkeley Deane Wise entworfenen Wanderung: dem Gobbins-Pfad. Der damalige Chefingenieur der Northern Counties Railway Company von Belfast und der nördlichen Grafschaft wollte die Erweiterung des Zugstreckennetzes nutzen, um den Menschen die Küste von Islandmagee in Nordirland näher zu bringen. So entwarf er einen Pfad zwischen Klippen, Tunneln und Höhlen, den er durch verschiedene Laufstege aus Metall verband. Die Besucher würden nur wenige Meter über dem Meer laufen.
Die Inschrift am Eingang am „Auge von Wise“ ist noch dieselbe wie im Jahr 1902.
Foto: Tourism Northern Ireland

Wie John Lennon die Gobbins zum Leben erweckte

In Islandmagee wird ein anderer Lennon als der Ex-Beatle bewundert. Die Restaurierung der Gobbins wurde hauptsächlich dank des Engagements des Cineasten, Fotografen und Historikers, John H. Lennon, angetrieben. Seine Forschungsarbeiten und Berechnungen vor Ort waren für den Wiederaufbau ausschlaggebend. Im Besucherzentrum können Sie mehr über sein Leben erfahren.

Der erste Teil wurde im August 1902 abgeschlossen und war 1,2 Kilometer lang, zwischen dem „Auge von Wise“ und Gordon’s Leap. Dieses Projekt war eine architektonische Meisterleistung. Die genialen Brücken wurden ohne Verwendung von Kränen angebracht und das Gestein nur mit Spitzhacken und Spaten gemeißelt. Dadurch konnten die Touristen des Zeitalters Eduards VII. die Irische See aus nächster Nähe betrachten. Die sepiafarbenen Fotografien zeigen Männer und Frauen, die im Downtown-Abbey-Stil gekleidet am Ausgang des Sandy’s Cove beim Picknicken oder zwischen den Brückengeländern posieren. Diese Szenen wiederholen sich heute, wobei die langen Röcke und Zylinderhüte durch neonfarbene Jacken und Trekking-Stiefel ersetzt wurden.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Gobbins-Pfad geschlossen. Aufgrund der hohen Instandhaltungskosten überließ das Unternehmen den Pfad seinem Schicksal. Aber er verschwand nie ganz. Kletterer und Abenteuerfreunde blieben ihm treu. Bis zur Wiedereröffnung im Jahr 2015 wurden 10,6 Millionen Euro in den Wiederausbau investiert. Der neue Pfad ist originalgetreu, wobei einige Brücken wie „The Swinging Bridge“ erneuert werden mussten. Die berühmteste Brücke ist die „Tubular Bridge“. Auch sie wurde durch eine fast genaue Nachbildung der von Wise entworfenen Brücke ersetzt und zehn Meter über dem Meeresspiegel angebracht. Obwohl es jetzt mehr Laufstege  gibt, bleibt die Landschaft unverändert und der Pfad zugleich eine unerschöpfliche Quelle für historische Anekdoten. So ruhten sich hier die Arbeiter der nahe gelegenen Werften aus und beobachteten wie die von ihnen erbauten Schiffe den Hafen verließen, darunter auch die Titanic.
Die ehemaligen Brücken waren aus Gusseisen und mussten einmal im Jahr gestrichen werden. Die heutigen Brücken bestehen aus rostfreiem Stahl und erfordern kaum Instandhaltungsarbeiten
Foto: The Gobbins
Das Zusammenspiel von Natur, Geschichte und Abenteuer zeichnet den Gobbins-Küstenpfad aus. „Berkeley Deane Wise glaubte, dass dieser Pfad eine der größten Attraktionen weltweit sein könnte, ich glaube das auch“, sagt Billy Ashe, der Bürgermeister der Grafschaft. Er ist davon überzeugt, dass der Traum des Ingenieurs in Erfüllung gehen wird und hofft auf jährlich 50.000 Besucher.
Die Basaltklippen, die die Gobbins umgeben, sind bis zu sechzig Meter hoch.
Foto: Tourism Northern Ireland

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