>>>Hotel Watergate, nichts für Spione

Hotel Watergate, nichts für Spione

Beinahe 50 Jahre nach dem Fall Nixons öffnet das Hotel, das Zeuge einer der größten politischen Konspirationen der USA war, seine Türen erneut - und das mit mehr Glamour denn je.
A
m Abend des 17. Juni 1972 beendeten die Diebe, die in den Zimmern 214 und 314 des Hotels Watergate untergebracht waren, ihr Langusten-Dinner. Danach schlichen sie sich in das benachbarte Gebäude des Nationalkomitees der demokratischen Partei in Washington. Sie traten als Installateure auf und wollten heimlich Abhörwanzen anbringen und Dokumente fotografieren. Dabei wurden sie von der Polizei gefasst. Zudem fand man in einem ihrer Zimmer einen Scheck, der von einem ehemaligen CIA-Agenten unterschrieben war. Die anschließende Recherche von zwei Journalisten der Washington Post brachte Verbindungen mit der Regierung Nixon ans Licht. Der Skandal zwang den Präsidenten zwei Jahre später zum Rücktritt, ein einzigartiges Ereignis in der Geschichte des Landes.
Der Luxus der Diplomaten-Suite zeigt sich sowohl in der Innenausstattung als auch bei der Aussicht.
Foto: The Watergate Hotel

Eine luxuriöse Landung

Ron Arads Mission war es, die Architektur der Fassade und den nahegelegenen Potomac River in die Innenräume des Hotels zu übertragen - mithilfe von kurvigen Linien, Marmor und metallischem Glanz bildete er eine riesige Luxusjacht nach.

Seit 2007 geschlossen und anschließend versteigert, wurde das Hotel dank der finanziellen Unterstützung durch Jacques und Rakel Cohen und der kreativen Leitung durch den israelischen Designer Ron Arad nun neu eröffnet. Arad wollte die Aura von Luxus und Exklusivität erhalten, die den Wohn- und Bürokomplex bis zu dem Skandal auszeichnete. Weit entfernt davon, den historischen Schandfleck zu verstecken, erinnert es mit zahlreichen Referenzen augenzwinkernd an die Affäre. Die Schließkarten tragen den Aufdruck „No need to break in“ (Einbrechen nicht nötig) und auf den Kugelschreibern steht geschrieben: „Diesen Kugelschreiber habe ich im Watergate Hotel gestohlen“. Die Typografie der schriftlichen Dokumente erinnert an die rechtlichen Unterlagen des Skandals und die Telefonnummer des Kundenservices endet als Hommage an die betreffende Nacht mit 6-17-1972. Aber das ist noch nicht alles: In den Badezimmern kann man Fragmenten der Reden von Nixon lauschen.
Bei der Sanierung wurde die Originalfassade von Luigi Moretti beibehalten, die an Schiffssegel erinnert, ebenso die Haupttreppe und der Innenpool. In sechs Jahren wurden 179 Millionen Euro investiert, um die 336 Zimmer (darunter 24 Premier-Suiten, 5 Diplomaten-Suiten und zwei Präsidenten-Suiten), ein Restaurant, eine Bar, ein über 1000 Quadratmeter großes Spa, zwei Pools und den Ballsaal für Konferenzen und Veranstaltungen fertigzustellen. Die Bar auf der Dachterrasse, das Top of the Gate, bietet eine herrliche Aussicht auf die Stadt, den Potomac River, die Kathedrale, das Capitol und das Washington-Monument.
Das Restaurant Kingbird bietet Frühstück, Mittag- und Abendessen.
Foto: The Watergate Hotel
Die prächtige Innenausstattung aus Marmor, Metall und Holz erinnert an die goldenen Zeiten, als Künstler wie Elizabeth Taylor oder Plácido Domingo und Politiker wie Robert McNamara oder Bob Dole hier residierten. Das i-Tüpfelchen der Eleganz sind die neuen Uniformen der Mitarbeiter, ein Design von Janie Bryant, der Kostümbildnerin für die Fernsehserie „Mad Men“, die selbst Don Draper beeindrucken würden.
„Deep Throat“, der Spitzel der Journalisten Woodward und Bernstein, würde sich in der Bar des neuen Hotels sehr wohl fühlen.
Foto: The Watergate Hotel
44 Jahre nach dem größten Skandal der US-amerikanischen Politikgeschichte erlangt Washington einen legendären Namen zurück. Allerdings wird dieser Skandal wohl bald Konkurrenz bekommen. Der Präsidentschaftskandidat der Republikaner und Immobilienmagnat Donald Trump eröffnet dieses Jahr ein neues Hotel wenige Meter vom Weißen Haus entfernt. Ob dort wohl Abhörwanzen zur Innenausstattung gehören?
 

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