>>>Hipster-Guide Jerusalem
Foto: Devin Justesen/Unsplash.com

Hipster-Guide Jerusalem

Die tausendjährige Stadt ist voll von „Underground-Kultur” und bietet Besonderes von und für ihre jungen Leute. In einer der traditionsreichsten Hauptstädte überhaupt entdecken wir die alternativen Ecken.
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ur wenige Minuten von der Innenstadt entfernt hat sich der traditionelle, jahrhundertealte Markt Mahane Yehuda zu einer der wichtigsten Touristenattraktionen Jerusalems entwickelt. Das Beste vom Markt beginnt jedoch in der Nacht. Sobald er schließt, wird er zu einer improvisierten “Kunstgalerie”, die als Kulisse für die belebten Bars dient. Der Maler und Straßenkünstler Salomon Souza hat mehr als 150 Jalousien der Lokale mit Gemälden von zeitgenössischen und historischen Persönlichkeiten bemalt. Der 25-jährige Souza gehört zu der neuen Generation von jungen Menschen, die die Stadt verändern und ihrer mehr als 3.000 Jahre alten Geschichte und Tradition neue Impulse verleihen.

Am besten lässt sich das moderne Jerusalem durch seine künstlerischen Ausdrucksformen entdecken. Angeleitet von der berühmten Kunstschule Bezalel, ist die zeitgenössische Kunstszene in der ganzen Stadt zu finden. Von großen Institutionen wie dem Israel-Museum bis hin zu kleineren Projekten wie dem Artist House, das Sammlungen moderner Kunst beherbergt, oder der Art Time Gallery, die die Werke ansässiger Künstler fördert. Jenna Romano, die zu der Gemeinschaft internationaler Guides Oh-So-Arty gehört, erklärt, dass „die Kunstbewegung in Jerusalem ein Innovationszentrum ist, das über den intensiven Dialog in der Heiligen Stadt informiert und gleichzeitig mit dem internationalen Kunstdiskurs und den Trends Schritt hält.”

Zwei Frauen auf der Jerusalem-Biennale
Die Reiseleiterin Jenna Romano is van plan Besuche in allen „künstlerischen" Ecken der Stadt, sowohl öffentlich als auch privat.
Foto: Sophie Weinstein

Die coolste Pause

Wenn es eine Sache gibt, die die Jerusalemer Hipster mögen, ist es die Zeit damit zu „vergeuden”, guten Kaffee zu trinken. Eine Tradition, die aus dem Mittleren Osten stammt. Einer der hipsten Orte ist Nocturno, das auch nachts seine Türen öffnet und Intellektuelle, Künstler und Studierende aus der Stadt anzieht. Ein weiteres Muss ist Tmol Shilshom, berühmt für Lesungen von Büchern bedeutender Autoren wie Amos Oz oder Yehuda Amichai.

Es gibt eine neue Generation von jungen Menschen, die das „tausendjährige” Gen tragen und dieses teilen und verstehen wollen. Dieses Bestreben erstreckt sich auch auf so multidisziplinäre Räume wie das Kulturzentrum HaMiffal. Die aus dem 19. Jahrhundert stammende renovierte Fabrik im Herzen Jerusalems ist zu einer inspirierenden Brutstätte für Ideen geworden. Zusammen mit HaMazkeka und Yellow Submarine zählt HaMiffal nicht nur zu den Orten mit Live-Musik, sondern bietet auch Theater, Tanz, Debatten und Vorführungen.

Am Rande der Altstadt, wo die Silhouette des Davidsturms über die Vergangenheit wacht, herrscht an der Grenze von Alt und Neu ein besonderes Ambiente. Dieses „Vintage-Konzept” erhält im Razzouk Tattoo eine neue Bedeutung: Hier ist in der Wand eine Studie über religiöse Tattoos eingelassen, deren Slogan „Tattooing since 1300″ lautet. Hier koexistieren antike Artefakte mit moderner Technologie. Zweifellos der Traum (oder Albtraum) eines jeden selbstbewussten Hipsters.

Abraham Hostel in Jerusalén
Das Abraham Hostel organisiert Treffen und Ausflüge rund um die Street-Art in den Nebenstraßen von Nachlaot und Mahane Yehuda.
Foto: Abraham Hostel

Ganz in der Nähe der Mauer, hinter dem Damaskustor, befindet sich das Musrara-Viertel, das immer einen Besuch wert ist: eine gemeinschaftliche Atmosphäre, avantgardistische Straßenskulpturen, hängende Gärten und Familien orthodoxer Juden, die sich im Freien versammelt haben. Ein Mikrokosmos, der dank kultureller Räume wie der Fotoschule oder dem orientalischen Musikzentrum zu einem Zufluchtsort für aufstrebende Künstler geworden ist. Das bohèmische Ambiente mit „funky” Elementen erstreckt sich bis zum nahegelegenen Safra Square, einem Treffpunkt für die Skater und Street Artists der Jerusalem. Der Skateboard-Shop Gili’s dient als Epizentrum dieser Bewegung. Hier werden Fotoausstellungen und die Teilnahme an verschiedenen Veranstaltungen wie dem Wettbewerb Vans Shop Riot organisiert.

DJ-Session beim Israel-Festival
Kulturelle Veranstaltungen wie das Israel-Festival dienen als Schaufenster für neue musikalische Trends.
Foto: Ortal Nedaf /Israel Festival

Die unabhängige Kulturszene setzt sich in Stadtteilen wie Rehavia oder Nachlaot fort: Zwei etablierte Quartiere, die immer gute Vibes und köstliche Straßenküche sowie Gourmet-Restaurants und trendige Bars voller kreativer junger Leute zu bieten haben.
Eine neue Generation, die Identitäten und Räume neu definiert und diese Stadt, die nach Jahrtausenden der Geschichte immer wieder überrascht, weiter verändert.

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