>>>Gott, rette den Punk!
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Gott, rette den Punk!

„Schnell leben, jung sterben“ ist die Philosophie des Punk. Dem eigenen Motto zum Trotz, ist die Bewegung jedoch nicht gestorben, sondern feiert dieses Jahr in London ihren 40. Jahrestag. Lang lebe der Punk.
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ie war eine der bedeutendsten Nächte in der Musikgeschichte: Am 4. Juli 1976 eroberte die New Yorker Rockband The Ramones die Bühne des Londoner Roundhouse und inspirierte eine ganze Generation. In dieser Nacht waren jene Männer und Frauen im Publikum, die die englische Punkszene an der Spitze der Kult-Bands wie The Clash, The Buzzcocks oder Sex Pistols anführen würden. Heute, 40 Jahre später, lässt London diese Tage erneut aufleben. Also stylen Sie sich eine Iro-Frisur, zerreißen Sie Ihre Kleidung und drehen Sie die Lautstärke auf. Es ist Zeit, die Anarchie zu umarmen.
The Clash wurden mit ihren Punksongs über London berühmt.
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Eine Modenschau in King's Road

Die Boutique SEX in der 430 King's Road in Chelsea leitete der Manager der Sex Pistols Malcom Mc Laren und die Designerin Vivienne Westwood. Sie war genauso bedeutend für den Punk wie jeder Nachtklub in Soho. 1980 schloss sie ihre Türen, doch ein Geschäft von Westwood gibt es dort immer noch.

Obwohl „Anarchie“ vielleicht nicht das passende Wort ist. Während Johnny Rotten und Sid Vicious in den 70ern gegen die starren Konventionen wetterten, ist der Punk heute beinahe konventionell. Geboren in besetzten Wohnungen in Soho oder den schmutzigen Souterrainbars, feiern heute Museen, Kunstgalerien und Bibliotheken große Feste zu seinen Ehren. In der British Library hat man den Punk als ein kulturelles Phänomen bis in die Tiefen analysiert. Im selben Raum, den sich die Bibel Gutenbergs und die Manuskripte von Shakespeare teilen, können alle Punkfans ungewöhnliche Aufnahmen, Songtexte und kaum bekannte Fotografien finden. Außerdem untersucht die Ausstellung „Punk 1976-78“ bis zum 2. Oktober anhand von Videos und Aufnahmen den „unvergänglichen Einfluss des Punk als radikale, künstlerische und politische Musikbewegung“.
Im London Museum richtet sich das Augenmerk auf die Situation der Stadt im Mittelpunkt dieser Bewegung und zeigt Fanzine, Poster, Kleidung und Accessoires, die jene Jahre dokumentieren, in denen die Musik laut war und Irokesenschnitte die Straßen eroberten. Das Sonderprogramm über den Punk des berühmten BFI (Britisches Filminstitut) in South Bank untersucht dieses Phänomen wiederum etwas genauer und analysiert nicht nur die Londoner Szene, sondern auch wie der Punk auf der ganzen Welt von jungen Leuten angenommen wurde. Anhand einer Reihe von Gesprächsrunden, Ausstellungen, Vorführungen und Filmen analysiert das BFI wie sich diese Bewegung vom Londoner Zentrum bis nach Jamaika und sogar in einige Regionen Afrikas ausbreitete.
Malcolm McLaren lernte die Sex Pistols kennen, als er in King's Road einkaufte.
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Junge Punks in Camden Town entdecken

Um zu beweisen, dass der Punk immer noch lebt, muss man nur Camden Town besuchen. Beinahe jedes Wochenende findet man hier laute, in Leder gekleidete Punkgruppen mit verrückten Frisuren, die hier auf der Brücke abhängen. Fragen Sie vorher, ob Sie ein Foto machen dürfen und rechnen Sie damit, zahlen zu müssen.

Es geht nicht nur darum, in die Vergangenheit zu schauen, auch wenn man immer noch sagt, dass der Punk 1978 gestorben ist. In London ist er sehr lebendig und erfolgreich. Vorausgesetzt man weiß, wo man suchen muss. In der Gegend von Ladbroke Grove trug das Plattenlabel Rough Trade Records dazu bei, die Karrieren einiger der wichtigsten Vorreiterbands des Punk in Gang zu setzen. Gegenwärtig dient sie als Plattform, um neue Talente bekannt zu machen. Im Laufe des Jahres wird hier der Jahrestag der Punk-Revolution mit einer Reihe von Konzerten gefeiert. Auch der symbolträchtige Konzertsaal 100 Club, in dem unter anderem The Clash und die Sex Pistols auftraten, ist weiterhin aktiv und organisiert beinahe jeden Abend Konzerte.
Die Ausstellung der British Library umfasst eine Sonderkopie des berühmten Sex Pistols Songs „God Save the Queen“
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Nicht nur die Musik ist lebendig geblieben. Der Punk war mehr eine Einstellung als ein Musikstil und die Philosophie DIY (Do it yourself), welche die Bewegung antrieb, kann immer noch in ganz London gespürt werden. In 2016 werden junge und ältere Punks dazu animiert, ihre eigenen Events zu organisieren, um diesen symbolischen Jahrestag zu feiern. Also worauf warten Sie noch? Erobern Sie die Bühne!

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