>>>Eine prähistorische Insel in den Wolken

Eine prähistorische Insel in den Wolken

Zwischen Brasilien und Venezuela erhebt sich der Berg Roraima, ein prähistorischer Tafelberg mit natürlichen Hotels und Jacuzzis, von denen man an senkrechten Wänden bis zu 400 Meter in die Tiefe blicken kann.
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er Roraima ist „die vergessene Welt“ von Sir Arthur Conan Doyle. Sein berühmter Roman inspirierte zum Filmerfolg „Jurassic Park“. Denn obwohl auf diesem Tepui keine Dinosaurier leben, gibt es dort ein weltweit einzigartiges Ökosystem.
Dieses exklusive Habitat stammt nicht aus der Jurazeit, sondern aus dem Präkambrium, der erdgeschichtlichen Zeit von der Entstehung der Erde (vor rund 4500 Millionen Jahren) bis vor etwa 580 Millionen Jahren. Man schätzt, dass der Roraima ungefähr 2000 Millionen Jahre alt ist. Auf seinem 2810 Meter hohen Plateau, der Meseta, leben endemische Arten wie der Schwarzfrosch, Orchideenarten und fleischfressende Pflanzen.
Verschiedene Unternehmen bieten Helikopterflüge zum Gipfel an.

Die „Monumente“ des Roraima

Der Fels mit der Bezeichnung Maverick ist der höchste Punkt des Roraima. Seinen Namen verdankt er seiner Ähnlichkeit mit dem Auto „Maverick“ von Ford. Im „Valle de cristales“ (Kristalltal) befinden sich Hunderte Felsen aus Quarz. „La Fosa“ (Die Grube) ist ein natürliches Becken mit kristallklarem Wasser, ziemlich tief und nur für die Mutigsten geeignet.

Tepuis sind die ältesten Felsformationen der Erde. Über 1000 Jahre alte Tafelberge, die aus dem Dschungel ragen, viele davon mehr als 1000 Meter hoch mit ungewöhnlich steilen Hängen und ebenen Gipfeln. Der Roraima in der Gran Sabana, dem östlichen Teil des Canaima-Nationalparks ist einer der wenigen Tepuis, die man zu Fuß besteigen kann und einer der höchsten in diesem venezolanischen Nationalpark. Durch seine besondere Lage und Beschaffenheit ist der Berg eine der feuchtesten Regionen der Erde, hier regnet es fast jeden Tag. Die Meseta ist von mehreren Flüssen durchzogen und von den Steilhängen stürzen Dutzende Wasserfälle hinab.
Ein Markstein auf diesem Berg ist der „Dreifachpunkt“, die Grenze zwischen Brasilien, Venezuela und der Kooperativen Republik Guyana. Rund um den Berg erstreckt sich die Meseta, ein 31 Quadratkilometer großes Hochplateau mit natürlichen Wasserbecken und Felsformationen.
Der Canaima-Nationalpark ist der sechstgrößte Nationalpark der Welt.
Die Expeditionen zum Roraima dauern fünf oder sechs Tage. Gestartet wird in Santa Elena de Uairén zu Füßen des Giganten im venezolanischen Staat Bolívar. Auch wenn der Aufstieg dank einer natürlichen Rampe rund um den Berg relativ einfach ist, muss er im Rahmen einer geführten Wanderung erfolgen. Die Wolken, die den Gipfel fast ständig verhüllen und die labyrinthartigen Wanderwege, die sich um die Felsen winden, führen selbst Menschen mit gutem Orientierungssinn in die Irre.
Der Roraima gehört zu 85 Prozent zu Venezuela, zu 10 Prozent zu Brasilien und zu 5 Prozent zu Guyana.
Von Santa Elena aus geht es mit dem Kleintransporter in den kleinen Ort Paraitepul. Von dort aus sind die drei Basiscamps am Berg (Tök Camp, Kukenan Camp und Base Camp) zu Fuß erreichbar. Oben angelangt halten sich die Exkursionsteilnehmer meist mindestens einen Tag auf der Meseta auf, um die Aussicht zu genießen, sich in den natürlichen Pools zu erfrischen und die „Monumente“ zu besichtigen. Die Pools dienen als Jacuzzis und werden von den Wanderern gerne für eine erfrischende Pause genutzt. Nachts schläft man in Zelten im Schutz der „Hotels“, den Felsübersprüngen, die Schutz vor Wind und Regen bieten.
Der äußerste Norden des Tepui wird wegen seiner dreieckigen Form und der schroffen Winkel „Abismo“ (Abgrund) oder „Proa“ (Bug) genannt. Es ist ein natürlicher Aussichtspunkt, der sich über die La Gran Sabana erhebt, mit so steilen Abhängen, dass man sich, um herunterzuschauen, am Rand auf den Boden legen kann, wenn einen jemand an den Beinen festhält. Denn die Gefahr in dieser vergessenen Welt in den Wolken geht nicht von Dinosauriern, sondern von der Höhe aus.

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