>>>Ein Winterabenteuer auf den Lofoten

Ein Winterabenteuer auf den Lofoten

Es gibt Inseln, die sind für den Sommer geschaffen, aber das gilt nicht für Norwegen. Die Kälte holt das Beste aus ihnen heraus.
„Besuche einmal jährlich einen Ort, an dem du nie zuvor warst.“ Diesem Rat des Dalai Lama folgend, gelangte ich bis zu den Lofoten, ein aus sieben Inseln bestehender Archipel im Norden Norwegens, nördlich des Polarkreises. Meine erste Überraschung ist das Klima. Die Temperatur ist milder als auf Grönland oder in Alaska. Das Thermometer bleibt über 0°C. Ursache dieses Phänomens ist der Golfstrom, der die Lofoten von der Karibik her erwärmt.
Die beste Zeit, um in Norwegen eine Aurora borealis zu beobachten, ist von September bis März.
Foto: Visitnorway.com / AuroraBorealis.no

Wie zu Hause

Die bequemste Unterkunftsmöglichkeit bieten die „Rorbu“, ehemalige, aus Holz errichtete Fischerhütten. Sie sind in Hotels umgebaut worden und mit Wohnzimmer, Küche und Schlafzimmer ausgestattet. Einige haben sogar einen Outdoor-Whirlpool mit Blick auf das Meer.

Esben und Trond fischen seit 15 Jahren in den bewegten Gewässern der Arktis. Die beiden 60-Jährigen laden mich zum Fischen ein. Noch vor Sonnenaufgang fahren wir vom Hafen Grunnfarnes einige Meilen auf die See hinaus. In perfektem Englisch erzählen sie mir, dass sie gestern mit drei Tonnen „Skrei“ heimgekehrt sind, dem Kabeljau, der auf den Lofoten nur von Februar bis April gefangen werden darf, wenn die Fische aus der Barentssee zur Eiablage kommen. Ihr Arbeitstag ist noch nicht zu Ende, wenn sich die begehrten Fische in ihren Netzen befinden. Denn anschließend müssen die Tiere ausgenommen und drei Monate an Holzgestellen an der freien Luft aufgehangen und getrocknet werden.
Der Fischfang ist auf den Lofoten eine ernste Angelegenheit, und als eine solche wird er auch gefeiert. Hunderte von Touristen kommen jährlich zum Hafen von Svolvær, um der Weltmeisterschaft im Kabeljaufischen beizuwohnen, die immer am 1. und 2. April stattfindet. Sieger ist, wer das größte Exemplar fängt.
Einige Hütten haben eine zusätzliche Isolierung gegen die Kälte des Winters.

Wer sagt hier „kalt“?

Nicht jeder traut sich, auf den gewaltigen Wellen der Lofoten zu surfen. Für die ganz Mutigen wurde ein Neoprenanzug entwickelt, mit dem das sogar im Winter möglich ist. Unstadt ist der beste Ort, um sich in dieses Abenteuer zu stürzen. Dort werden die Surfer aufmerksam von den vielen Robben beobachtet.

Nicht nur die Arbeit dreht sich auf diesem norwegischen Archipel um das Meer, sondern auch die Freizeit. „Er ist weggetaucht“, schreit der Kapitän des großen Bootes, mit der er Dutzende von Personen auf Safari entlang der Küste von Vesterålen schippert. Wir gehören zu den Glücklichen, die noch rechtzeitig gekommen sind, um zu sehen, wie die enorme Schwanzflosse des Wals in den Tiefen des Ozeans verschwindet. „Er kann bis 3000 Meter tief tauchen, den werden wir also auf dieser Fahrt nicht mehr sehen“, erklärt uns der Kapitän. Die Wintersafaris werden von November bis März organisiert. Es gibt sogar Unternehmen, die eine Garantie auf den Anblick von Walen geben. Klappt es beim ersten Mal nicht, wird die Fahrt wiederholt oder man bekommt sein Geld zurück.
Unstadt zeichnet sich durch seine kräftigen Winde und Wellen aus. Der perfekte Ort für alle, die den überfüllten Surfer-Stränden entfliehen wollen.
Foto: Nils-Erik Bjørholt - Visitnorway.com
Mein Handy klingelt und bringt mich in die Gegenwart zurück. Eine Nachricht von Norway Lights, deren App mir mitteilt, eine Aurora borealis würde in Kürze den Ort Laukvij illuminieren. Das Polarlight Center organisiert Gesprächsrunden und Ausstellungen zu den Auroras. Für einige Minuten lassen sie grüne und violette Wirbel über den Himmel tanzen. Das ist der Rhythmus der Lofoten.

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