>>>Die Schlacht, die Mordor inspirierte

Die Schlacht, die Mordor inspirierte

Am 1. Juli 1916 starben mehr Soldaten als an jedem anderen Tag des Ersten Weltkriegs. Die grausame Schlacht an der Somme bleibt unvergessen.
Mit dem Ersten Weltkrieg begann das 20. Jahrhundert. Es handelte sich um den ersten totalen Krieg der Geschichte, der die Arglosigkeit und die Romantik der europäischen Gesellschaften zerstörte. Die beteiligten Länder verstrickten ihre Wirtschaft und die gesamte Gesellschaft in den Konflikt, in dem erstmals Luftfahrt, Panzer, Minen und Maschinengewehre gegen Millionen Menschen eingesetzt wurden. Und die Schlacht an der Somme war eines der größten Massaker.
Die Schützengräben, in denen die Soldaten tage- oder monatelang auf den Angriffsbefehl warteten, wurden nachgebildet.

Wie Tolkien den Ersten Weltkrieg verarbeitete

Der Verfasser von „Der Herr der Ringe“, J.R.R. Tolkien, war einer der jungen britischen Rekruten, die an der Schlacht beteiligt waren. Für den frischen Oxford-Absolventen gab es keinen schlimmeren Schrecken als den, den er dort erlebte, und der ihn inspirierte, über Mordor, den Hort des Bösen, zu schreiben.

Im dritten Kriegsjahr starteten die Alliierten eine Offensive gegen die Deutschen im Norden Frankreichs, um den Krieg eindeutig zu ihren Gunsten zu entscheiden. Überzeugt, dass die Luftangriffe, mit denen die deutschen Schützengräben drei Tage lang malträtiert worden waren, deren Artillerie vernichtet hätten, näherten sich tausende Soldaten zu Fuß den feindlichen Reihen. 20.000 starben in nur sechs Minuten im Feuer der deutschen Maschinengewehre. Eine Million Menschen verlor in den 141 Tagen der Schlacht ihr Leben. Eine Figur in „Zärtlich ist die Nacht“ von John Scott Fitzgerald, einem der Schriftsteller, der die Ernüchterung der „Verlorenen Generation“ am besten charakterisiert hat, beschrieb den Moment so: „Meine ganze wunderschöne, köstliche und sichere Welt flog hier in die Luft.“
Die Kriegsschauplätze in der Region Picardie im Norden Frankreichs sind nicht so bekannt wie die Strände an der normannischen Küste oder Verdun. Die Hundertjahrfeier der Schlacht an der Somme kann ein gutes Datum sein, um diese Gegend zu entdecken, in der noch heute Waffen und Körper ausgegraben werden. Die Leichen der Soldaten wurden nie verlegt, weshalb es in der Gegend fast 500 Militärfriedhöfe gibt.
Noch heute sind die Spuren der Mörsergranaten sichtbar, die von den Alliierten in den ersten Tagen der Schlacht an der Somme abgefeuert wurden.
Auch in der französisch-britischen Gedenkstätte in Thiepval mit dem Ulster Tower, in der Gedächtniskapelle in Rancourt sowie in der südafrikanischen und der neuseeländischen Gedenkstätte in Logueval, gedenkt man noch heute der Opfer.
Die Stadt Thiepval, wo sich einer der bekanntesten Friedhöfe befindet, wurde von den alliierten Bombenangriffen vollständig zerstört.
Die Erde selbst hat die Schlacht ebenfalls nicht vergessen. In den Wäldern der Region sind weiterhin, wenn auch von Unkraut bedeckt, die von den Mörsergranaten verursachten Narben sichtbar. Die spektakulärste ist das 80 Meter tiefe Loch, das als Krater Lochnagar bekannt ist und sich bei der Ortschaft La Boisselle befindet. Es entstand durch die Explosion einer Mine mit 25 Tonnen Ammonal.
Zwei Museen in der Region sind dem Ersten Weltkrieg gewidmet: das Museum Somme 1916 in Albert und das Museum Historial de la Grande Guerre in Péronne. In beiden ist das Bildnis einer Mohnblume zu sehen, dem Symbol aller Kriegsopfer seit 1914. Die Mohnblume ist auch auf allen Gedenkstätten und Friedhöfen präsent, die den sogenannten „Weg der Erinnerung“ bilden. Auf dieser Strecke zu den Ortschaften Albert, Pérrone, Thiepval, Maricourt, Longueval oder La Boisselle, verlor die Jugend Europas ihre Unschuld.

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