>>>Die Inseln der Götter
Foto: Pedro Nuno Caetano via VisualHunt

Die Inseln der Götter

Das am besten gehütete Schatz von Galizien sind die spanischen Cies-Inseln. Sie bieten weißen Sand, türkisfarbenes Wasser und ein Geheimnis, das jeden Abend einigen wenigen Privilegierten gelüftet wird.
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ie viele Personen haben im Paradies Platz? Genau 2200. Das ist die Zahl der täglich erlaubten Besucher auf den Cies, einem Archipel von drei Inseln, die von den Römern als „Inseln der Götter“ bezeichnet wurden. Und damit lagen sie fast richtig, denn hier herrschen Göttinnen, die Möwen.

Wenn das letzte Boot gegen acht Uhr abends in See sticht, geschieht etwas Merkwürdiges. Während die Sonne untergeht, hüllt der Nebel die galizische Insel O Faro im Norden Spaniens ein. Das ist der Moment der Möwen. Nach und nach besetzen sie den weißen lockeren Sand der Strände der Cies-Inseln. Inklusive dem Strand von Rodas, der durch eine der vielen Internetlisten mit dem Titel „Die besten Strände der Welt“ berühmt wurde.

Gaviotas en las islas Cíes
Auf den Cies lebt die größte Kolonie von Mittelmeermöwen.

Die Königinnen der Nacht

Der Himmel der Cies wurde mit dem „Starlight-Siegel“ ausgezeichnet. Es kennzeichnet Reiseziele, die sich gut zur Sternenbeobachtung eignen. Die Teilnehmer des Fotomarathons Starlight Islas Cies, organisiert von Luz Lux, haben ihre Schönheit am besten eingefangen. Eines ihrer Bilder wurde von der NASA veröffentlicht.

Aber aller Berühmtheit zum Trotz: Hier bestimmen die Möwen und die Natur gehorcht ihrer Herrschaft. An den neun beinahe unberührten Stränden gibt es keine Strandbars, sondern Pinien- und Eukalyptuswälder sowie andere einheimische Arten wie die Strand-Grasnelke. In der Antike wurde diese Pflanze für Zaubertränke im Zusammenhang mit Liebe und Fruchtbarkeit verwendet. Der Zauber der „meigas“ (Hexen) funktionierte, zumindest bei den Besuchern, die der Schönheit dieser galizischen Mini-Karibik verfielen. Der einzige Unterschied zur richtigen Karibik? Die Wassertemperatur, die im Sommer kaum 20ºC erreicht. Trotzt der Kälte laden die kristallklaren Gewässer zu einem Bad auf der Suche nach Oktopussen, Anemonenwäldern und bunten Fischen ein. Mit einem Neoprenanzug natürlich.

 

Außerhalb des Wassers gehört das Land den Vögeln. Neben Möwen kann man eventuell auch Krähenscharben, Wanderfalken und Habichte von den verschiedenen Vogelobservatorien der Inseln beobachten. Diese erreicht man über unbefestigte Wege, die Teil der vorhandenen Wanderwege sind.

Playa de las islas Cíes
Zum Schnorcheln braucht man keine Erlaubnis. Sie können Ihre eigene Ausrüstung mitbringen oder einen Ausflug auf dem Campingplatz buchen.

Der bekannteste Weg ist die Route Monte Faro, die am Vogelobservatorium vorbeiführt und sich im Zickzack den Hügel bis zum Leuchtturm hinaufschlängelt, von wo aus man einen herrlichen Ausblick auf diese drei Inseln hat: Monte Agudo, O Faro und San Martiño. Dieser 7,5 Kilometer lange Rundweg führt an Steilklippen vorbei und durchquert Dünen und Wälder. Am Leuchtturm ist es windig und die Möwen mischen sich unter die Ausflügler auf der Jagd nach einem Sandwich oder einem Stück Obst. Sie spazieren vor sich hin, lassen sich nichts anmerken, zeigen keine Scheu, als ob sie wüssten, dass in ein paar Stunden ohnehin wieder alles ihnen allein gehören wird.

 

Vista nocturna de las islas Cíes
Die Cies-Inseln sind Teil des Nationalparks Illas Atlanticas de Galicia.
Foto: Foto: ©F.Rey Daluz, www.luzlux.com

Denn nur wenige Besucher können am Ritual der Inseln bei Sonnenuntergang teilhaben. Wenn Sie ein Ticket kaufen, muss die Rückfahrt am gleichen Tag inbegriffen sein. Es sei denn, Sie haben eine Reservierung auf dem Campingplatz. Dies ist der einzige Ort, wo es erlaubt ist, zu übernachten. Im Sommer ist er schnell ausgebucht. Um ihn zu erreichen muss man einen steinigen Weg nehmen und einen Hügel erklimmen, hinter dem dann die Zelte zum Vorschein kommen. Bei Sonnenuntergang beginnen die Runden mit dem einheimischen Bier „Estrella Galicia“ in der einzigen geöffneten Bar. Unter den Campern entsteht eine Art stille Komplizenschaft, als wenn sie ein Geheimnis teilen würden. Niemand traut sich zum Strand, es ist der Moment der Möwen.

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