>>>Die Insel der Maschinen (Nantes)
Foto: Copyright: Jean-Dominique Billaud/LVAN

Die Insel der Maschinen (Nantes)

Was passiert, wenn sich die Vorstellungskraft von Jules Verne und das Genie von Leonardo da Vinci miteinander vereinen? Die Antwort findet man in Nantes bei den lebendigen Maschinen.
E
in zwölf Meter hoher Elefant erhebt sich aus einer Gewerbehalle am Ufer der Loire in der Stadt Nantes. Anwohner und Besucher sind nicht beunruhigt. Sie betrachten den Dickhäuter aus 48 Tonnen Stahl und Holz, der langsam trompetend und Wasser aus seinem Rüssel sprühend vorwärts geht. Auf seinen Rücken sitzen einige Touristen, die den 30-minütigen Spaziergang des Tieres über die l‘Ȋle de Nantes, eine Flussinsel im Herzen der Stadt, begleiten. Eine Reise durch die magischen Welten der Vorstellungskraft von Jules Verne, des berühmtesten Einwohners dieser Stadt in der französischen Bretagne. „Der Moment wird kommen, in welchem die Kreationen der Wissenschaft die der Vorstellungskraft übertreffen“, sagte der Autor von „In 80 Tagen um die Welt“. Das war prophetisch. Diese Maschinen übertreffen die Träume jeder Kinder- oder Erwachsenenseele.
La Die Spinne transportiert vier Besucher, sobald sie aufgeweckt und aus ihrem dunklen Loch gelockt wird.
Foto: Copyright: Jean-Dominique Billaud/LVAN  
Der Grand Èlephant wurde zu einem inoffiziellen Symbol der Stadt und ist auf Postkarten und als Souvenir zu finden. Er ist außerdem das Emblem der Straßentheatergruppe „La Machine“ und Teil des Kunstprojekts „Les Machines de l’île“.
Das Projekt entsteht dort, wo sich die alten Werften der Stadt befanden. Der Startpunkt der täglichen Spaziergänge des Grand Èlephant sind die Fabrikhallen der ehemaligen Kesselschmiede. Heute bilden die surrealen Kreaturen von Nantes einen ausgefallenen Freizeitpark unter freiem Himmel.
Das Karussell der Meereswelten erhielt 2014 den „Thea“-Preis als eine „außergewöhnliche Errungenschaft“ und eine „einzigartige Kunstinstallation“.
Foto: Copyright: Jean_Dominique Billaud Nantes
Die Werkstatt ist die Halle, in welcher die „Machines“ entstehen, fantastische Skulpturen, die dank der Mechanismen ihres Skelettes zum Leben erwachen. Von den Laufstegen können Besucher auf die tägliche Arbeit der Kunsthandwerker blicken und am Entstehungsprozess eines riesigen fliegenden Reihers, eines Riesenmantas, eines chinesischen Drachens oder einer enormen Spinne teilnehmen. Doch die Details lassen sich in diesem Werkstatt-Labor nur erahnen. Die Hersteller passen sehr genau darauf auf, das endgültige Ergebnis erst am Schluss zu enthüllen.
Riesenkrebs, Piratenfisch oder Sturmschiff können von den Besuchern bestiegen und angetrieben werden.
Foto: Copyright: © Franck Tomps
Gegenüber der Werkstatt befindet sich die Galerie, die einen ganzen Maschinen-Zoo beherbergt, die in Gang gesetzt und ausprobiert werden kann. Das ist der Schauplatz, an dem das große Projekt der Kompanie vorgestellt werden wird, das sich noch in Planung befindet. Es handelt sich um den „Arbre aux Hérons“, einen Baum aus Stahl mit einem Durchmesser von 50 und einer Höhe von 35 Metern, der – wenn seine Machbarkeit bestätigt wird – im Stadtzentrum errichtet werden soll. Gekrönt wird er von mechanischen Reihern und bewohnt von Kreaturen, welche die Besucher über seine Terrassen und Gänge führen. Momentan kann man bis zu seinem bisher einzigen konstruierten Ast hinaufsteigen, der sich im Eingang der Galerie befindet.
Die Fabelwesen erwachen dank robotischer Mechanismen und der Arbeit der Szenografen François Delarozière und Pierre Orefice zum Leben. Sie sind die Väter der Kreaturen und des Kunstprojekts, welches die erfundenen Welten von Jules Vernes mit der mechanischen Vorstellungskraft von Leonardo da Vinci und der industriellen Geschichte der Stadt Nantes verbindet. Das Ziel ihrer lebendigen Architekturen ist es, „die Städte der Zukunft zu erträumen und den Blick zu verändern, den wir auf unsere städtischen Räume richten“. Es mag ein Hirngespinst sein, doch schon Verne sagte: „Wer Verrückte beachtet, macht große Erfindungen.“

Verwandte Artikel

Hotels für Mythomanen

Sie waren Heimat echter Prominenter, stumme Zeugen ihrer Genialität und der einen oder anderen Affäre.

Dracula: Persona non grata

Mit dem Themenpark „Draculaland“ sollte der Tourismus nach Siebenbürgen in Transsilvanien kommen. Doch die rumänische Regierung stoppte die Vermarkung des...

So schmuggelt man sich in seinen Lieblingsfilm

Möchten Sie mit einem DeLorean in die Zukunft reisen oder in der Taverne auf Mos Eisley der Macht erliegen? Wir...

Graffiti-Jäger

Der Farbe in den eintönigen urbanen Landschaften folgen und die besten Stücke finden, die sich auf Mauern und Fassaden verbergen....