>>>Die größte Höhle der Welt

Die größte Höhle der Welt

In Vietnam versteckt das entlegene Dorf Son Trach die Höhle Son Doong, den großen Star des Nationalparks Phong Nha-Kẻ Bàng.
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ie hat ihren eigenen Urwald, ihr eigenes Klima und ist 200 Meter hoch, doppelt so hoch wie die Freiheitsstatue. Die Höhle Son Doong (auf Vietnamesisch „Hang Son Doong“) versteckt sich wortwörtlich im Nationalpark Phong Nha-Kẻ Bàng in Vietnam bei der Grenze zu Laos. Sie ist Teil eines Verbunds von hunderten Höhlen, von denen viele noch unerforscht sind.
 
Neben ihrem eigenen Dschungel verfügt Son Doong auch über einen Fluss.
Foto: Oxalis Adventure / Ryan Deboodt

Einer der Auserwählten

Der Fotograf Ryan Deboodt, der auf Abenteuer- und Reisereportagen insbesondere in Vietnam spezialisiert ist, hat einige der spektakulärsten Bilder von Son Doong mit Hilfe einer Drohne gemacht.

Das Alter der Höhlen wird auf zwei bis fünf Millionen Jahre geschätzt. Wenn wir jedoch ihre Entdeckung in Betracht ziehen, sind sie noch sehr jung. Howard und Deb Limbert, ein britisches Höhlenforscherpaar, organisierten im Jahr 1990 eine Expedition nach Vietnam. Darauf folgten noch 13 weitere Reisen, bis sie 2009 nach Son Doong kamen. Die Höhle wäre nicht aus ihrem Dornröschenschlaf erweckt worden, wenn nicht Ho Khanh gewesen wäre. Der Bauer jagte seit Jahren in der Gegend und nutzte die Höhlen als Unterschlupf bei Regen. Und dennoch verweigerte sich Son Doong. Drei Expeditionen waren mit Hilfe von Ho Khanh nötig, um die Höhlen zu finden. Die Wälder und die dichte Vegetation machen sie zu einer fast uneinnehmbaren Festung.
 
Deboodt brauchte acht Tage, um die Bilder während seiner dritten Expedition in die Höhle zu machen.
Foto: Oxalis Adventure / Ryan Deboodt
Während der ersten Expedition gelang es dem Team, etwa vier Kilometer zurückzulegen, dann versperrte eine riesige, sechzig Meter hohe Kalksteinwand den Weg, die sie die „Vietnamesische Mauer“ tauften. Ein Jahr später kehrten sie mit Verstärkung zurück. Der Kletterer Sweeny Sewell muss zwei Tage lang Löcher bohren und Verankerungen im Fels befestigen, um diese Mauer zu bezwingen.
Im Park selbst können Sie ein Boot mieten, um Phong Nha und Thien Duong zu besuchen.
Foto: Oxalis Adventure / Ryan Deboodt
Der Aufwand wurde belohnt: Vor seinen Augen öffnete sich eine neue rekordverdächtige Höhle. Die Galerie ist rund 90 Meter breit und befindet sich in rund 240 Meter Höhe. „Ich hob den Blick, soweit es ging, aber die Unermesslichkeit der Grotte schluckte das Licht meiner Stirnlampe, als ob ich in einen Nachthimmel ohne Sterne blickte“, erklärt Mark Jenkins, Schriftsteller und Expeditionsmitglied.
Eine Landschaft, die von einer anderen Welt zu sein scheint, jedoch eine irdische Erklärung hat: Die Erosion des Flusswassers auf dem Kalkstein führte dazu, dass die Decke einstürzte und gigantische Lichtschächte schuf, durch die sich eine üppige Vegetation mit eigenem Mikroklima entwickelte. Ein seltsames Phänomen sind die sogenannten „Höhlenperlen“, die aus Kalksteinschichten geformt sind, die das Wasser im Sand abgesetzt hat. Sie sind auch in anderen Höhlen zu finden, aber normalerweise sind sie nur so groß wie eine Murmel. In Son Doong verwandeln sie sich jedoch in perfekte Kugeln, so groß wie Tennisbälle.
Um die Unversehrtheit der Höhle zu erhalten, beschränkt die vietnamesische Regierung den Zugang und genehmigt nur den Besuch von rund 200 Personen jährlich. Oxalis Adventure Tours bietet abenteuerlustigen Besuchern die Möglichkeit, an einer Expedition teilzunehmen. 3000 Dollar kostet es, einen Fuß in das unberührte Gebiet zu setzen und sich in einem winzigen Punkt in der größten Höhle der Welt zu verwandeln.

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