>>>Der Fluss, in dem sich der Regenbogen ertränkte
Foto: Mario Carvajal

Der Fluss, in dem sich der Regenbogen ertränkte

Gelb, blau, grün, rot und schwarz. Sechs Monate im Jahr zeigt sich der kolumbianische Fluss Caño Cristales in einer einzigartigen Farbenpracht.
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olumbien ist magischer Realismus. Das verdankt es García Márquez und Orten wie dem Caño Cristales. Ein irdisches Paradies mit fast surrealen Farben. „Der schönste Fluss der Welt. Der Fluss, in dem sich der Regenbogen ertränkte. Der Fluss, der dem Paradies entwischte. Der Fluss der fünf Farben“, bezeichnete der kolumbianische Journalist Andrés Hurtado García den erstaunlichsten Fluss seines Landes, als er ihn in den 70ern entdeckte. Zu dieser Zeit war er ein gut gehütetes Geheimnis. Vierzig Jahre später hat sich der Fluss zu einer der Ikonen im kolumbianischen Ökotourismus entwickelt. Zwar war er wegen bewaffneter Konflikte mehrere Jahrzehnte lang isoliert, 2010 wurde der Zugang aber geregelt.

Der Caño Cristales liegt im Macizo Guayanés, einer der ältesten Felsformationen der Erde. Sie entstand vor 1200 Millionen Jahren und ist damit älter als die Anden. Das Bergland von Guayana umfasst mehrere Länder, darunter Venezuela, Brasilien und Kolumbien. In den tropischen Regenwäldern dieser Region verbergen sich rund 15 Prozent der Süßwasserreserven des gesamten Planeten. Dazu gehört auch der Caño – so nennt man diese kurzen Flüsse – der im Nationalpark Serranía de la Macarena, einer Bergkette im Bezirk Meta (Kolumbien) entspringt.

Der zweitägige Kurzurlaub (ohne Flug) zum Caño Cristales kostet 473 USD.
Foto: Mario Carvajal

100 Prozent Natur

Mit über 1500 Pflanzengattungen und 800 Tierarten ist das Bergland von Macarena eine der artenreichsten Regionen der Welt. Hier leben urtümliche Vögel, Ameisenbären, Jaguare. Aber keine Fische, denn sie können in diesen Gewässern ohne Sedimente nicht überleben.

An keiner Stelle ist er mehr als 20 Meter breit und er bringt es auf eine Gesamtlänge von 100 Kilometern. Eher dezente Maße. Was macht den Caño Cristales also so besonders? Etwa sechs Monate im Jahr präsentiert er unter Wasser ein farbiges Feuerwerk, das ihn zu einem Platz auf der Liste der „Orte, die man einmal im Leben gesehen haben muss“ verholfen hat. Im Juli, zum Ende der Regenzeit, sinkt der Wasserspiegel – die beste Bedingung für die Blüte der Wasserpflanze Macarenia clavigera.

Ihre Rot- und Pinktöne erreichen ihre volle Pracht zwischen September und November, dann beginnt die Reproduktionsphase. Der Park ist von Juli bis November geöffnet, der Zugang wird allerdings kontrolliert und ist auf 20 Besucher pro Tag beschränkt. Dieser verantwortungsbewusste Tourismus wird von Cormacarena, dem Verband für nachhaltige Entwicklung der Region Manejo Especial La Macarena, reguliert, der auch die – noch unerforschten – Waldgebiete der Region erhalten möchte.

Der Caño Cristales liegt im Norden des Gemeindebezirks La Macarena.
Foto: Mario Carvajal

Der Caño Cristales gehört zum Nationalpark Sierra de la Macarena, der 1971 gegründet wurde und unter dem Schutz der kolumbianischen Regierung steht. „Der Fluss ist ein Umweltsymbol der Nation, ein Ort, an dem das Gebiet des Orinocos, das Amazonasgebiet und die Wälder der Anden zusammentreffen, und eine der ältesten ökologisch bedeutenden Regionen Südamerikas“, erklärt das Umweltministerium. Es gibt mehrere Möglichkeiten, diesen farbenprächtigen Fluss 150 Kilometer südlich von Bogotá zu besichtigen.

Im Gebirgszug La Macarena liegen 17 der 62 Ökosysteme Kolumbiens.
Foto: Mario Carvajal

Es gibt mehrere Möglichkeiten, diesen farbenprächtigen Fluss 150 Kilometer südlich von Bogotá zu besichtigen. Es werden zwei- bis sechstägige Pauschalreisen ab Villavicencio, Bogotá und Medellín angeboten. In der Macarena gibt es verschiedene Unterkunftsmöglichkeiten. Von dort bis zum Fluss ist es dann ein abenteuerliches Unterfangen: die erste Strecke mit dem Floß über den Fluss Guayabero (20 Minuten), weiter zu Pferd über die Ebene (50 Minuten) und dann eine einstündige Wanderung bis zum Caño Cristales. Entschädigt wird man durch eine wirklich abgeschiedene Landschaft. So versteckt, dass selbst Google Maps sie nicht findet.

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