>>>Der Dschungel aus dem Dschungelbuch

Der Dschungel aus dem Dschungelbuch

Wenn Sie auf der Suche nach „nur dem Lebensnotwendigen, nichts weiter“ sind, halten Sie sich an Balu: „Die Natur gibt es dir.“ Und wir zeigen Ihnen, wo.
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udyard Kipling ließ sich für sein „Buch des jungfräulichen Bodens“ von der Realität inspirieren. Genauer gesagt von den Berichten eines britischen Soldaten, Sir William Henry Sleeman, der sechs Fälle von Kindern dokumentierte, die bei einer Affenfamilie aufgezogen wurden. Wie Mogli. Von der hypnotisierenden Schlange, dem rachsüchtigen Tiger und den singenden Affen gibt es allerdings keine Beweise; die hat er sich ausgedacht.

Was aber nicht seiner Vorstellungskraft entsprang, oder zumindest nicht in ihrer Gänze, sind die Landschaften des indischen Dschungels, in denen die Abenteuer des „Menschenjungen“ stattfanden. Kipling, ein in Bombay geborener Brite, war mehrere Jahre lang in Indien als Reporter tätig. Aber er war niemals in Madhya Pradesh, dem Staat, in dem er laut Experten die Geschichte stattfinden ließ. Die Bäume, auf die Mogli kletterte, das Bächlein, in dem er mit Balu plantschte, die Wiesen, über die er mit Bagheera streifte und sogar die Ruinen der Affenstadt findet man dort. Allerdings nicht alles am selben Ort. Der Dschungel aus dem Dschungelbuch ist in Wirklichkeit ein „Remix“ der verschiedenen Landschaften dieser Region.

Bengal tiger in Bandhavgarh national park
Das Tiger-Projekt in vielen Nationalparks ist eine Initiative der indischen Regierung, um die meist geschätzte Tierart des Landes zu schützen

„O dubi du, ich möchte so sein wie du“

Neben den Nationalparks in Madhya Pradesh, wie Saptura oder Kanha (mit 940 Quadratkilometern der größte der Region), ließ sich das Disneyteam für seinen digitalen Dschungel auch von Orten außerhalb Indiens inspirieren, beispielsweise von den Wäldern von Sabah in Borneo.

Viele befinden sich im Pench Nationalpark. „Dem echten Dschungel mit echten Shir Kans“, so die Tourismusbehörde von Madhya Pradesh. Er liegt zwischen den Distrikten Chhindwara und Seoni. In Letzterem fand man 1831 eines dieser Wolfskinder, über die Kipling gelesen hatte. Im ersten Teil des Buches werden die Hügel von Seeonee erwähnt, ein fiktiver Name, aber auffallend ähnlich. Der Pench Nationalpark mit seinen fruchtbaren Wäldern und ausgedehnten Kräuterwiesen weist die höchste Dichte an Pflanzenfressern Indiens auf. Der 757 Quadratkilometer große Park ist vor allem wegen seines Reservats bekannt, in dem man Königstiger beobachten kann, die heute vom Aussterben bedroht sind. In diesem Territorium leben nach Schätzungen nur noch 65 Tiger. Sie teilen sich ihren Lebensraum mit Hunderten anderer Tierarten, darunter 285 Arten von Vögeln und auch Bären wie Balu.

 

Auch im Bandhavgarh Nationalpark herrscht die gestreifte Großkatze. Neben dem Ranthambore Park ist er einer der besten Orte, um diese Spezies in freier Wildbahn zu beobachten. Nicht ganz so einfach ist es, hier einen der seltenen weißen Tiger zu entdecken, obwohl die Region seine ursprüngliche Heimat ist. Seit über 60 Jahren wurde kein einziger mehr gesehen. Der letzte, Mohan, wurde vom Maharadscha gefangen und domestiziert, als Bandhavgarh noch ein privates Jagdgebiet war.

Hill in  Bandhavgarh
Der Bandhavgarh Nationalpark weist weltweit die höchste Dichte an Königstigern auf

Auf einem Hügel, von Vegetation überwuchert, liegt die Festung Bandhavgarh, die dem Park seinen Namen verlieh. Der Legende nach war das über 2000 Jahre alte Bauwerk ein Geschenk Ramas an seinen kleinen Bruder. Die Natur hat sich die Herrschaft über das Territorium zurückerobert und heute ist die Festung Heimat von mehreren geschützten Geierarten. Die verlorene Stadt Kiplings erinnert an diese Art verlassener Bauwerke, im Dschungelbuch nutzen die Affen die Ruinen als Zuhause. Die „Bandar-log“, wie sie der Autor nennt, haben ihre Form verändert: In Disneys Zeichentrickfilm ist der König der Affen ein Orang-Utan – eigentlich unmöglich, denn in Indien sind diese Menschenaffen nicht zu finden. In der Version von 2016, komplett computeranimiert, wurde König Louie zu einem Gigantopithecus, Vertreter einer bereits ausgestorbenen Primatenart, die in Indien, China und Südostasien beheimatet war. Realität und Fiktion mit einem Augenzwinkern vermischt.

Grey langur in Bandhavgarh
Im Bandhavgarh Nationalpark leben 80 Säugetier- und fast 250 Vogelarten

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