>>>Das Herz des Mittelmeerraums

Das Herz des Mittelmeerraums

Mit Schwestern wie Rom oder Venedig mitzuhalten, ist nicht leicht. Aber Apulien schafft es - dank geschichtlichem Erbe, vieler Legenden und der Küste.
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0 Millionen Olivenbäume, viele davon über 1000 Jahre alt, wachsen in den sechs Provinzen Apuliens: Bari, Barletta-Andria-Tranni, Brindisi, Foggia, Lecce und Tarento. Nach einer Legende wurden sie zur Zeit der Kreuzzüge von den hiesigen Frauen gepflanzt. Verlassen von ihren seefahrenden Ehemännern fielen sie in die Arme der durchreisenden Kreuzfahrer und als Buße für jeden Ehebruch mussten sie einen Olivenbaum pflanzen. Krumm, schief und voller Astknoten bewalden diese heute die Landschaft dieser Region im Stiefelabsatz Italiens. Auf Italienisch heißt Apulien „Puglia“. Das Wort leitet sich von „apuglia“ ab, was „fehlender Regen“ bedeutet. Ein trockener Landstrich mit 860 Kilometer Küste zwischen zwei Meeren, dem Mittelmeer und dem Ionischen Meer.
Die weiße Stadt Ostuni ist die einzige Stadt im Itria-Tal, die am Meer liegt.

Der Tanz als Gegenmittel

Apulien klingt nach „Tarantella“ und tanzt nach diesen Klängen. Der Tanz, ähnlich dem sizilianischen „Pizzicia“, verdankt seinen Namen der Provinz Tarento und bezieht sich auf den Biss einer Tarantel. Frauen, die von dieser Spinne gebissen wurden, tanzten, um die vom Gift verursachten Zuckungen zu stoppen. Eine Legende, die heute in ihrer festlichsten Version überdauert.

Die geografische Lage im Herzen des Mittelmeerraums machte Apulien zum Durchgangsland für Händler, Mönche und Kreuzfahrer, die auf dem Weg ins Heilige Land waren. Als Szenerie von Plünderungen und Invasionen (wie die der Türken Mitte des 16. Jahrhunderts) ist ein guter Teil der Küste mit Burgen bewehrt und durch Mauern geschützt. In der Stadt Acaya in der Provinz Lecce steht eine ummauerte Burg, die im Auftrag des spanischen Königs Carlos V. gebaut wurde. Diese italienisch-spanische Verbindung spiegelt sich noch heute in den Farben des dortigen Fußballteams wieder: Gelb und Rot, wie in der spanischen Flagge. Lecce wird auch „Florenz des Südens“ genannt. Das kleine Universitätsstädtchen, Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, braucht seine nördliche Nachbarin nicht zu beneiden. Mit den Gebäuden rund um den Platz San Oronzo versammelt es drei historische Vermächtnisse: das römische, einschließlich dem Amphitheater, das barocke und das der faschistischen Architektur. Ein eklektisches kulturelles Erbe, wie es typisch für Apulien ist.
Neben Lecce und Acaya gibt es in Apulien weitere Städte, in denen die Kultur im Mittelpunkt steht. Von Gargano im äußersten Norden bis Salento im Süden – romanische und barocke Zeitzeugen findet man in der ganzen Region. Museen und archäologische Schätze teilen sich die Hauptrolle mit einem großen Kult um die Handwerkskunst: Körbe und Arbeiten aus Ton in Bari, aus Keramik in Tarento, aus Papierbrei und Stein in Salento. Die Liebe zum Detail spiegelt sich in den weißen Dörfern im Itria-Tal wider, das sich über drei apulische Provinzen erstreckt: Bari, Brindisi und Tarento. Die getünchten Gassen in Ostuni, Locorotondo und Alberobello erinnern an eine griechische Insel. Alberobello in der Provinz Bari ist als Stadt der Trulli bekannt. Hier stehen die typischen Rundhäuser aus Trockenmauerwerk, die in ländlichen Regionen zur Lagerung von Arbeitsgeräten dienten. Dank ihrer gewölbten Schieferdächern fallen sie schon von Weitem auf.
Bari ist die bevölkerungsreichste Stadt Apuliens.
Bari ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und von ganz Apulien. In den Gassen der Altstadt gibt es kleine Kunsthandwerkstätten Seite an Seite mit eleganten Gebäuden. Die Stadt ist ein guter Ausgangspunkt, um die Orte an der Adria kennenzulernen. Die Küste hat hier kristallklares Wasser, feinen Sand und Steilklippen. Schöne Fotomotive findet man besonders an der Küste von Salento und am Arco Ionico, dem Westteil der Provinz Tarent. Zwei Meere und Hunderte Schlachten und Legenden warten auf die Besucher, die sich in den Süden Italiens vorwagen.
In Apulien werden die „Orecchietti“ üblicherweise mit Gemüse oder mit Tomate und Frischkäse serviert.
Foto: Viaggiare in Puglia. ©Carlos Solito

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