>>>Das Geheimnis des nordischen Glücks
Foto: Niclas Jessen (visitdenmark)

Das Geheimnis des nordischen Glücks

Wenn Sie glücklich sein möchten, fangen Sie an, die Bedeutung von „hygge“, „lagom“ oder „koselig“ zu lernen, das „Hakuna Matata“ von Ländern wie Dänemark, Schweden und Norwegen, den glücklichsten der Welt.
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as „Geheimnis“ wird von einem nordischen Land zum nächsten weitergegeben. 2016 war es Dänemark, dieses Jahr ist Norwegen das Land, das als glücklichstes der Welt gilt. Das Geheimnis scheint auf dem zu beruhen, was Begriffe wie „hygge“, „lagom“ und „koselig“ repräsentieren. Der Erste stammt aus Dänemark und bedeutet so viel wie „den Augenblick zu nutzen“. Der Zweite stammt aus Schweden und verteidigt den Grundsatz „weniger ist mehr“. Der Dritte kommt aus Norwegen und bedeutet „gemütlich“. Drei Konzepte, die das Glück des Augenblicks beschreiben.

Einfache Dinge, wie sich unter die Bettdecke zu kuscheln, seine Katze zu streicheln, Schokolade oder Käse mit Wein zu genießen, mit Freunden, ohne Stress, ohne Eile. Einen Sonnenuntergang über dem Meer zu betrachten, ein gutes Buch zu lesen … Aber wenn jeder solche Dinge tun kann – warum sind es dann nur die Menschen aus dem Norden, die sie genießen? Vielleicht, weil der „weltweite Glücksreport“ der UNO nicht nur Faktoren wie Lebenserwartung und Freiheit berücksichtigt, sondern auch Punkte wie Einkommen, soziale Unterstützung und fehlende Korruption in der Regierung. Allerdings hängt es von jedem selbst ab, Harmonie zu finden, das richtige Ambiente zu schaffen und zu versuchen, Stress zu vermeiden. Es ist eine Lebenseinstellung.

Café  Höst, en Copenhague
Russel betont den „Respekt vor dem Alltäglichen“ in den dänischen Lokalen.
Foto: Chris Tonnesen (Höst)

Dinner mit Dänen

Die Dänen bevorzugen die Intimität eines Abendessens zu Hause. Deswegen gefällt ihnen das Projekt „Meet the Danes“, das darin besteht, einen Touristen zu sich nach Hause einzuladen. Bei einem typischen Essen kann man sich dann über die Kultur des jeweiligen Landes austauschen. Eine sehr „hygge“ Idee für einen sehr netten Abend.

Etwas, das die englische Schriftstellerin Helen Russel begriffen hat, die in ihrem Buch „The year of living danishly“ beschreibt, wie sie ein Jahr lang auf der Suche nach dem „Geheimnis des Glücks“ durch Dänemark reiste. „Ich begann mit einer Kolumne über das dänische Leben für ‚The Telegraph’ in Großbritannien, später gab man mir das Buch in Auftrag, denn weltweit herrscht ein großes Interesse an den Dingen, die die Dänen anders machen.“ Sie fand heraus, dass eine ihrer Säulen Vertrauen ist. „79 Prozent der Dänen vertrauen den meisten Menschen“ und haben so weniger Angst. ‚Hygge’ bedeutet so viel wie präsent zu sein, einfache Dinge zu feiern und dankbar zu sein.“

„Der Staat unterstützt das“, erklärt Russel. Er belohnt bewusstes Verbraucherverhalten und fördert die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Aber man merkt das auch in anderen Bereichen. Die Restaurants mit „New Nordic Cuisine’ beschreiben sich beispielsweise als „schnellster Weg zum größten Genuss“. Dieser besteht darin, regionale, nachhaltige Produkte zu verwenden und sie auf traditionelle Weise zuzubereiten. „Wenn eine Möhre gut ist, wie sie ist, verarbeite sie nicht zu sehr, sondern iss sie einfach“, heißt es hier.

Trolltunga, en Noruega
Die beste Zeit für eine Reise nach Trolltunga ist nach Juni, dann ist der Schnee geschmolzen.

Kopenhagen hat die perfekten Restaurants, um das zu verstehen. Wie das Höst, das Zutaten der nordischen Küche wie Langusten, Fleisch und Käse verarbeitet. Das Café Glyptoteket lockt neben nachhaltigen Zutaten für seine Produkte mit einem Garten mit Palmen und exotischen Pflanzen. Oder das The Living Room, das seinem Namen alle Ehre macht: ein Wohnzimmer mit Sofas, Decken, Kissen und einem Kamin. Sogar in den Straßen spürt man es, wie Instagramer wissen. Zum Beispiel @tschang, der versichert, dass ein Spaziergang auf der Magstræde nicht nur ein Bummel über eine der ältesten Straßen Kopenhagens ist, sondern „eine Reise in die Vergangenheit“.

Aber die Dänen haben kein Monopol aufs Glücklichsein. In Schweden gibt es Ikea mit dem Projekt „Live LAGOM“, das nicht nur nachhaltige Möbel baut, sondern eine Gemeinschaft gegründet hat, die auf Recycling und einer gesunden Lebensweise basiert. Eine Lehre, die das richtige Maß finden möchte. Von diesem Möbelhaus stammen tatsächlich auch einige Stücke im königlichen Palast in Gamla Stan, der Altstadt Kopenhagens. Ein Labyrinth mit gepflasterten, mittelalterlichen Gassen, in dem man dieses Glück ganz genau spürt. Wohltuend wie ein Schluck heißer Kakao im Chokladkoppen im Herzen des Viertels.

2017 ging der Titel an Norwegen. Hier versteht man, was Glück heißt, wenn man Orte wie Tromsø besucht, 350 Kilometer nördlich des Polarkreises und einer der Orte mit den schönsten Polarlichtern der Welt. Was kann Glück anderes bedeuten, als im Schein der Mitternachtssonne zu joggen? Darüber hinaus verfügt das Land über Ecken wie Trolltunga, ein über 1100 Meter hoher Felsvorsprung über dem Stausee Ringedalsvatnet. Ein weiteres Motiv für Ruhe und Freiheit ist der Kjeragbolten, ein zwischen zwei Felswänden eingeklemmter Stein mitten in einer überwältigenden Naturlandschaft. Es ist tatsächlich so. Man muss den Ort und den Moment finden, um genauer hinzusehen; bei den beeindruckenden Landschaften innehalten, die uns umgeben; und die Einfachheit des Lebens genießen. „Hygge“, „lagom“, „koselig“ … oder das ewige „Carpe diem“.

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