>>>Das Fahrrad, das dicker werden wollte
Foto: Kaz Yakamura

Das Fahrrad, das dicker werden wollte

Skier haben eine starke Konkurrenz bekommen, die „Fat Bikes“. Die Räder der Bikes werden breiter gemacht, damit sie auf jedem Terrain fahren können, selbst im Hochgebirge.
I
m März 1990 überwand Edward R. Jesson die mehr als 1500 Kilometer, die Dawson (Kanada) und Nome (Alaska) voneinander trennen, mit dem Fahrrad. Ein Wagnis, das als erste Reise mit dem Fahrrad über Schnee in die Geschichte einging. Es war etwas ganz Besonderes, denn zu jener Zeit – der Zeit des Goldrauschs – bewegten sich Forscher wie Jesson zwar auf zwei Rädern fort, wechselten aber bei Touren durch den Schnee auf einen Schlitten.
Bildunterschrift 3: Ein „Fat Bike“ kostet zwischen 3000 und 4000 US-Dollar.
Foto: Courtesy of Snow Bike Festival. GSTAAD/Nick Muzic

Von Kalifornien bis Alaska

Woher die „Fat Bikes“ ursprünglich stammen, ist nicht ganz klar. Während einige ihre Anfänge auf Marin County und San Francisco (Kalifornien) in den 70er Jahren zurückführen, sind sich andere sicher, dass sie in Alaska als schneesicheres Transportmittel entstanden.

Seit dieser ersten Abenteuerreise haben sich die Fahrräder weiterentwickelt und erlebten in den 70er und 80er Jahren einen starken Aufschwung, als die Zweiräder von der Straße auf unwegsameres Terrain wechselten. So entstanden die Mountainbikes, die man heute nicht mehr vorstellen muss. Um sich an das Terrain anzupassen, wurden vor allem Rahmen und Räder verändert. Diese Evolution hat zu den „Fat Bikes“ geführt: Fahrräder mit Rädern im Mountainbike-Stil, aber wesentlich breiter (mit rund 13 Zentimeter breiten Reifen) und mit einem niedrigeren Luftdruck. Sie werden auch zur Durchquerung trockener Terrains genutzt, denn durch die verbreiterten Räder versinken sie nicht im Wüstensand. Vom Sand war es ein kleiner Schritt zum Schnee. Im Norden der USA und in Kanada werden sie auf verschneiten Flächen genutzt. An häufige Schneefälle gewöhnt, fanden Biker in Gebieten wie Alaska auf diese Weise eine Möglichkeit, auch in den kalten Monaten nicht auf ihr Fahrrad verzichten zu müssen.
 
Bildunterschrift 4: Beim letzten Snow Bikes Festival nahmen Fahrer aus 20 Ländern teil.
Foto: Courtesy of Snow Bike Festival. GSTAAD/Nick Muzic
Bei dem Hersteller Rocky Mountain Bicycles (Vancouver, Kanada) werden Fahrräder für jeden Fahrstil entworfen und perfektioniert, auch für Schnee. Vom Überleben zum Vergnügen – so gelangten die „Fat Bikes“ zum Freestyle. Der neueste Trend ist das Downhillfahren, wobei Kiefern als Slalomstangen dienen. Auch Saltos sind erlaubt: „Flips“, 360º-Drehungen …
Der Rider Wade Simmons testet das Modell Rocky Mountain Blizzard.
Foto: Robb Thompson
„Wir vergnügten uns damit, die Pisten der Schneemobile herunterzubrettern, aber als wir all die tollen Rampen sahen, war es nur noch eine Frage der Zeit, bis wir uns dort hinunterstürzten“, erzählt Wade Simmons, einer der drei Rider (neben Geoff Gulevich und Noah Brousseau), die in den Rocky Mountains ein neues „Fat-Bike“-Modell testeten. Ihre Abfahrten und Pirouetten zeigen sie in einem Video, dem sie den Titel „2Fat 2Furious“ gegeben haben.
Auch die Variante als Tourenfahrrad wurde verbessert und wird immer beliebter. 2015 wurde in den USA das erste nationale Rennen der „Fat Bikes“ ausgetragen, um diesen Typ zu testen, der sich nach und nach auch in Europa immer mehr verbreitet. In Gstaad (Schweiz) wurde das Snow Bike Festivals bereits zwei Mal organisiert, mit dreitägigen Rennen, nächtlichen Wettbewerben und „Fun Rides“. Der Ort hat mehrere Pisten für die Zweiräder angelegt. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis diese Art von Rennen auch in anderen Skiorten veranstaltet wird. Macht Platz, Skifahrer!

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