>>>Austin, die rebellische Tochter von Texas
Foto: Andy Forde

Austin, die rebellische Tochter von Texas

Sie definiert sich selbst als „Mischung aus einem Anflug guter Erziehung und einem Touch Großtuerei aus Texas“. Austin schwimmt gegen den Strom - und ist stolz darauf.
Laut Forbes handelt es sich bei Austin neben Seattle und Washington um eine der coolsten Städte der Vereinigten Staaten. Denn während viele Texaner stolz auf das „in Texas ist alles größer“ sind, freut man sich in Austin, anders, seltsam zu sein. Das betont auch der Slogan der: „Keep Austin Weird“ (Austin soll anders bleiben).
Austin, der Nachname des Gründers von Texas (Stephen F. Austin), hat sich als Silicon Valley des Südens mit hochtechnologischen Unternehmen und einer jungen Bevölkerung etabliert, die dem Sport auf den über 30 Seen der Stadt frönt. Hier haben Fahrräder vor den Riesenschlitten der Cowboys, Imbiss-Trailer vor den eleganten Restaurants und vor allem Live-Musik das ganze Jahr über Vorrang. Sie ist offiziell als Welthauptstadt der Live-Musik anerkannt.
Die Einwohner von Austin geben den Imbiss-Trailern den Vorzug. 2000 Trailer sind über die ganze Stadt verteilt.
Foto: Lars Frazer

Die Seen von Austin

Nach der Trennung von Texas und Mexiko wurden am Colorado Stauseen gebaut. So entstanden Seen wie Barton und Krause Springs. Zu den natürlichen Seen zählen Hamilton Pool oder Lady Bird, Oasen inmitten des Stadtzentrums. Hier fährt man Kajak oder rudert auf einem Surfbrett.

Das Epizentrum dieser Kultur ist das Festival South by Southwest (SXSW)), das über zweitausend Bands, Kinos, Konferenzen und interaktive Veranstaltungen vereint. Es ist das größte Festival seiner Art und gilt als eines der einflussreichsten der Welt. Es versammelt über 250.000 Teilnehmer, was im Jahr 2015 einen Umsatz von 317 Millionen Dollar bedeutete. Das Festival-Ambiente wird von Austin City Limits, Fun Fun Fun Fest und Blues on the Green vervollständigt, das im Zilkerpark stattfindet, dem schönsten der 251 Parks der Stadt. Dort ist immer wieder der Song „Summertime“ der Texanerin Janis Joplin mit der rauen afrikanischen Stimme zu hören. Die kleine Blondine, hatte die Universität von Austin hingeschmissen, um in die Bars der 6. Straße, der Arterie der Hauptstadt, einzutauchen.
In der Hauptstadt der Live-Musik gibt es über 250 Lokale, die täglich ein Programm anbieten. In der 5. Straße ist The White Horse, der Tempel der Country-Musik. Liebhaber von Indie und Punk haben ihren Platz in der Red River Straße im Emo’s oder Mohawk. Und die Liebhaber von Blues finden Zuflucht im Antone’s. Rund um die Universität und den so genannten SoCo (South Congress) gibt es sagenumwobene Orte wie das auf Rockerinnen spezialisierte Hole in the wall oder den Continental Club, wo der Gitarrist Jimmie Vaughan spielt, eine Legende des amerikanischen Blues.
Hamilton Pool ist ein natürlicher See und Naturschutzgebiet. Er befindet sich nur gut 50 Kilometer von Austin entfernt.
Foto: Dave Mead
Das Essen schwimmt in Austin ebenfalls gegen den Strom. Statt Ketten und Luxusrestaurants finden sich hier familiär geführte Geschäfte und die Trailer junger Köche, die ihre Kreationen an Klapptischen mit Blick auf die Seen kredenzen. Einer von ihnen, der Philippine Paul Qui, gewann den Wettbewerb „Top Chef“, während sein psychodelischer Trailer, ein Labor asiatischer und europäischer Geschmacksnuancen, im Jahr 2014 zum besten neuen Restaurant des Landes gekürt wurde.
Im Sommer kommen Tausende zur Congress-Brücke, um die größte städtische Fledermauskolonie der Welt zu beobachten.
Foto: Kushal Bose / Shutterstock.com
Austin ist einfach überraschend. Eines der vermutlich seltsamsten Rituale ist es, dem Sonnenuntergang beizuwohnen, während eineinhalb Millionen Fledermäuse durch den Himmel flattern. Wir sind aber nicht in der Stadt Batmans, sondern weiterhin in Texas.

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