>>>Auf der Suche nach Ragnar Lothbrok
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Auf der Suche nach Ragnar Lothbrok

Es gab eine Zeit, in der Dänemark die Meere des Nordens beherrschte. Eine Zeit, in der die Philosophie „hygge“ noch nicht in Mode war und in der die Wikinger die Regeln machten.
W

ir kämpfen. So gewinnen wir, und so sterben wir.“ Das sind die Worte von Ragnar Lothbrok, Protagonist der erfolgreichen Fernsehserie „Vikings“ und einer der mythischsten Figuren der Wikinger-Ära. Im 8. Jahrhundert König von Dänemark und Schweden. Die Geschichte Lothbroks ist die Geschichte der nordischen Wikinger, einer durch die Härte des Klimas und die einzigartige Geografie Skandinaviens geformten Kultur.

Ragnar Lothbrok (sowohl in der Geschichte als auch in der Serie) war ein streitbarer Herrscher, ehrgeizig, rebellisch und vor allem ein großer Innovator auf See, der sich gegen den Willen der übrigen Herrscher entschlossen und stur aufmachte, England und die Normandie zu erobern. Die Seefahrertradition, sehr präsent in der dänischen Seele, ist ein Vermächtnis dieser ersten Seefahrer, den Pionieren in der Schifffahrt über das offene Meer. Individualismus und Demokratie waren die Grundlagen der Wikinger-Gesellschaft; Frauen waren gleichberechtigt und konnten sogar Kriegerinnen werden. Lagertha, die erste Frau von Ragnar, nahm an mehreren Schlachten teil.

Viking museum in Roskilde
Nach einem Besuch des Wikingerschiffsmuseums in Roskilde kann man die Wikingerfestung in Trelleborg besichtigen
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Auf Odins Gesundheit

In Aarhus, der zweitgrößten Stadt Dänemarks, findet jeden Juli das Viking Moot Festival statt. Ein Event, das die Ära der Wikinger wieder aufleben lässt: traditionelles Handwerk, althergebrachte Speisen, Krieger und „Drakkar“, Drachenboote.

Heute ist es nur schwer vorstellbar, dass sich vor 1200 Jahren diese Volksstämme von Kopenhagen, der Hauptstadt des „hygge“, aus aufmachten, um eines der emotionalsten Kapitel in der Geschichte Dänemarks zu schreiben. Im Nationalmuseum werden Schmuckstücke, Münzen, Waffen und andere Gegenstände der Wikinger ausgestellt, die neben Kriegern auch Poeten, Bauern, Handwerker und Händler waren. Und um das eine oder andere Klischee auszuräumen: Sie tranken nicht aus menschlichen Schädeln, trugen keine Helme mit Hörnern und waren auch nicht wesentlich blutrünstiger als irgendein anderes Heer jener Zeit.

 

Am Roskilde Fjord, 30 Kilometer von Kopenhagen entfernt, befindet sich das Wikingerschiffsmuseum (Vikingeskibsmuseet), das fünf Wikingerschiffe – die „Drakkar“ – zeigt, die anhand von aus dem Fjord geborgenen Schiffswracks rekonstruiert wurden. Die Drakkar (Drachen) waren lange, schmale und leichte Boote, die entlang des Rumpfs mit Rudern ausgestattet waren. Durch ihre Form glitten sie zwischen den Felsen und durch den Nebel der eisigen Meere von Skandinavien hindurch und ließen sich in den Schlachten leicht manövrieren.

Islands in Scandinavia
Um auch bei Nebel navigieren zu können, verwendeten die Wikinger einen Sonnenstein, ein Mineral aus Island mit doppelter Lichtbrechung
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Um die bedeutendsten Wikingersiedlungen in Dänemark zu erkunden, muss man die schroffe Halbinsel Jütland besuchen, wo die steile Küste in ausgedehnte Weideflächen und gezackte Berge übergeht. Man kann diese Reise mit dem Auto oder mit der Eisenbahn unternehmen, die an der Küste entlangfährt. Die ersten Spuren der Wikinger finden wir in Ribe, dem ältesten Dorf Dänemarks, im Süden der Halbinsel. In den Zeiten der Wikinger war der Ort ein bedeutendes Handelszentrum. Neben einem Museum kann man hier ein Wikingingerdorf und einen Markt besichtigen, die in originalgetreuem Maßstab aufgebaut wurden. In Hobro, nahe dem Mariager Fjord, erhebt sich Fyrkat, die älteste Wikingerfestung des Landes. Bei einer Besichtigung der 16 Häuser innerhalb der umlaufenden Mauer lässt sich die Lebensweise der Wikinger erahnen.

Bork Viking port
Die aus Stein, Holz und Stroh gebauten Häuser der Wikinger bestanden aus einem großen Saal, in dem bis zu 50 Familienmitglieder zusammenlebten

Ebenfalls in Jütland befindet sich der Wikingerhafen von Bork, wo man zwischen über tausend Jahre alten Runensteinen umher spazieren kann. Zu Ehren der Wikingerkönige wurden hier große Grabhügel errichtet. Der Ort gehört zum UNESCO-Welterbe. Wegen der gut erhaltenen Runen ist er einer der bedeutendsten Orte in der dänischen Geschichte. Weiter nach Norden in der Nähe der Stadt Aalborg erreichen wir ein weiteres Grabmonument: Lindholm Høje ist das größte Gräberfeld Dänemarks aus der Wikingerzeit. Die 700 Steingräber, dreieckige für die Männer und ovale für die Frauen, sind mit Zeichnungen verziert, die aus der Eisenzeit stammen.

Hinter Aalborg verlieren sich die Spuren der Wikinger zur nördlichen Küste hin, wo die Grenze Dänemarks verläuft und die Nordsee in die Ostsee übergeht. Dort, wo die Neugier auf Unbekanntes Ragnar Lothbrok dazu führte, Regeln zu brechen und zur Legende zu werden.

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