>>>Als Tanger, das das Protektorat verließ

Als Tanger, das das Protektorat verließ

Davon ist heute jedoch nur wenig übrig: die Spuren, die die Pariser Cafés hinterlassen haben, das Cervantes-Theater oder das Alcázar-Kino. Wir erkunden die alte Pracht des Protektorats in Tanger, von dem nur noch Schatten übrig sind.
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om Hotel Cecil, in dem La Barraca, die Theaterkompanie von García Lorca und Margarita Xirgú, glorreiche Tage in Tanger verlebte, bleibt nur noch Staub. Literarischer Staub, eine Staubwolke, die sich nach dem Abriss erhob – zum Schaden all derer, die den Spuren des spanischen Dramaturgen folgen möchten. Heute sind nur noch Ruinen des Gebäudes zu sehen – Fundament, Fassade und Bauschutt.
Das Café Hafa in der Nähe des Stadtviertels Marshan wurde 1921 eröffnet. Es ist berühmt für seine stufenförmige Terrasse.
Foto: Anton_Ivanov / Shutterstock.com

„Das Echo der Träume“

Der Roman „Das Echo der Träume“ wurde in 25 Sprachen übersetzt und erzählt vom Leben des Sira Quiroga, der eine Schneiderwerkstatt in Tetuán, der Hauptstadt des spanischen Protektorats, eröffnete. Die Geschichte voller Intrigen von Tanger bis Lissabon verzaubert durch den Mix von Fiktion und Romantik des Protektorats.

Das Gleiche passierte mit dem Cervantes-Theater, in dem die Truppe auftrat. Für wenige Dirhams zeigen uns ein paar Jungs heimlich das Innere des Theaters. Auch hier gibt es nichts mehr außer Staub, zerbrochenen Fliesen mit Szenen aus Don Quijote, verschlissenen roten Samtsesseln und aufeinandergestapelten Tischchen. Das Theater ist mit seinem Schicksal nicht alleine, denn auch das Alcázar-Kino wurde abgerissen.
Es ist eine Reise in ein Tanger, das nicht mehr existiert. Das dekadente Tanger lebt nur in der Erinnerung. Wenn man die Treppen zum Theater hinaufsteigt, braucht man Fantasie und Vorstellungskraft, um sich die Roben der Damen vorzustellen, die in den Jahren des Protektorats die Vorstellungen besuchten. Während der Spanische Bürgerkrieg und der Zweite Weltkrieg Europa ins Chaos stürzte, war das kosmopolitische Tanger, geschützt durch ein politisches Abkommen, ein Refugium für Flüchtlinge.
Am Boulevard Pasteur, einer der Hauptstraßen Tangers, gibt es einige Cafés, die das Vermächtnis des französischen Protektorats bewahren.
Foto: g-squared via Visualhunt / CC BY-NC-SA
Auch wenn hier viele Spanier und Amerikaner lebten – die Franzosen beherrschten die Stadt und das französische Ambiente war überall zu spüren. Das „Grand Café de Paris“ und das „Café de France“ blieben als Vermächtnis dessen, was Tanger einst war. Daher ist es nicht verwunderlich, dass in Marokko wie in Paris die Stühle in den Cafés nach außen gerichtet sind, um nichts vom Leben zu verpassen.
Mit fast einer Million Einwohner ist Tanger das Tor nach Marokko und die Verbindung zu Europa.
Es waren Jahre mit langen Nächten und vergänglichen Träumen. Eine Atmosphäre, von denen diejenigen, die heute auf der Suche nach dem Mythos von gestern kommen, nicht mehr viel spüren. Paul Bowles – kam 1949 und ging nicht mehr fort. Auch Tennessee Williams, Truman Capote, Francis Bacon und Allen Ginsberg besuchten Tanger. Das „arme reiche Mädchen“, Barbara Hutton, war im damaligen Tanger ein bekanntes Gesicht. Wer heute das Café Baba besucht, kann ihr Portrait bewundern. Die Ehefrau von Cary Grant lebte in einem Palast in der Kasbah, den alle unter dem Namen „Sidi Hosni“ kannten. Das Echo der damaligen Partys hallt noch nach, auch dank der alten Fotos, die man in der Lorin-Stiftung, der ehemaligen Synagoge sehen kann.
Unter dem Staub des heutigen Tanger gibt es noch viele Spuren der Vergangenheit. Ein Besuch in der Bücherei „Des Colonnes“ ist eine gute Möglichkeit, sich in alte Zeiten zurückzuversetzen. Hier riecht es nach Holz, nach stehengebliebener Zeit. Eine andere Möglichkeit ist eine Tasse Tee im Café Hafa. Allerdings hat es einen Teil seines Charmes aus der Zeit, als die Rolling Stones hier Haschisch rauchten, verloren. Heute erinnert es mehr an eine Strandkneipe, in der sich der Blick aufs Meer auf der neuen Landstraße verliert. Ganz in der Nähe zeigen die phönizischen Gräber deutlich die Kontraste Tangers. Luis Delgado, Schüler der traditionellen Rhythmen auf der ganzen Welt, erklärt es mit seiner Musik: „Die Dekadenz, auf die sich Tanger stürzte, rekelt sich heute langsam.“ Ein Tanger, das nach und nach aufhört zu existieren.

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