>>>24 Stunden (durchgehend essen) in Madrid
Foto: ©Café Comercial

24 Stunden (durchgehend essen) in Madrid

In einer jahrhundertealten Cafeteria frühstücken, das beste Kartoffelomelett Spaniens genießen, eine Casquería probieren. Wähle zwischen einem Nachmittagssnack oder einem Tardeo und iss zu Abend in einem der Restaurants mit Michelin-Stern. Feinschmecker, aufgepasst: In der spanischen Hauptstadt ist an nur einem Tag alles möglich.
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n den Tischen und der Bar des Café Comercial waren die besten spanischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts zu Gast. Seit seiner Eröffnung im Jahr 1887 auf dem Platz Glorieta de Bilbao war das Café Comercial Zeuge hitziger Treffen zwischen Kaffee, Churros und einigen Cognacs. Nach einer zweijährigen Pause wurde es im Jahr 2017 wiedereröffnet. Ein Teil seiner Dekoration ist erhalten geblieben, das Angebot wurde komplett erneuert. Die Bar und das Restaurant sind durchgehend von halb neun Uhr morgens bis zwei Uhr nachts geöffnet. Mit Zubereitungen zu jeder Tageszeit ist das Café Comercial unsere erste Wahl, um den kulinarischen Tag in Madrid zu beginnen. Zum Frühstück werden nicht nur internationale Speisen wie Detox-Smoothies, Törtchen oder Benediktiner Eier mit Lachs und Avocado angeboten, sondern auch weitaus traditionellere Köstlichkeiten wie Schokolade mit Churros, Carajillo (Kaffee mit Brandy, Orojo oder einem anderen Likör) und Kartoffelomelett, die Tortilla de Patatas.

Eine Portion Tortilla von Casa Dani
Neben der berühmten Tortilla ist Casa Dani auch für seine üppige Tageskarte bekannt
Foto: ©Casa Dani

Genau genommen ist in so gut wie jeder Bar Madrids die zuletzt genannte Tapa eine der meist bestellten zum Aperitif. In der Casa Dani weiß man das schon lange. Das Haus zählt nicht nur zu den beliebtesten Tavernen auf dem Markt Mercado de la Paz (Stadtviertel Salamanca), sondern ist im Rahmen der vierten Verleihung der Gastronomiepreise der Stadt auch zur besten Bar Madrids gekürt worden. In der Küche werden täglich 400 Tortillas zubereitet. Hergestellt aus nur fünf Zutaten – sauren Kartoffeln, Eiern, Zwiebeln, Sonnenblumenöl und Salz – wurden die saftigen Kartoffelomeletts 2019 bei der II. Spanischen Tortilla-Meisterschaft als die besten ausgezeichnet. Eine sichere Wahl auf dem traditionellen Markt Mercado de la Paz, der sich den Platz mit kleinen Restaurants und Lebensmittelgeschäften teilt. Eine Kombination, die in der Stadt immer beliebter wird.

 

Ein weiteres gutes Beispiel für einen Markt, der in einen gastronomischen – und sogar kulturellen – Raum umgewandelt wurde, ist San Fernando im Stadtteil Lavapiés. Neben Metzgereien, Obst- und Fischläden gibt es Stände, die sich auf Bier, Gourmetprodukte, Kaffee und Tee spezialisiert haben – und eine Buchhandlung, die Bücher nach Gewicht verkauft.

 

Lobito de mar
Das Lobito de mar ist in zwei Bereiche unterteilt - einen urbanen Chiringuito und eine Bar
Foto: ©Grupo Dani García

Wenn du dich der Völlerei nicht komplett hingibst – in Madrid wäre das keine Sünde – und du es schaffst dich mit den Tapas zurückzuhalten, kannst du dich zum Mittagessen hinsetzen. Wir schlagen dafür zwei Möglichkeiten vor, von denen die erste uriger nicht sein könnte: Auf der Speisekarte von La Tasquería liegt der Schwerpunkt auf den Innereien von Kuh, Lamm oder Schwein. Traditionelle Rezepte wie Kutteln oder „Manitas“, die mit einem Hauch von Innovation zubereitet werden, haben ihrem Koch Javier Estévez seinen ersten Michelin-Stern beschert, nur drei Jahre nach der Eröffnung in der Duque de Sesto Straße. Der Schöpfer unserer zweiten Möglichkeit, Dani García, hat auch schon Erfahrung mit Sternen. Mit Produkten von den besten Fischmärkten des Landes hat er ein Menü entworfen, das auf Meeresfrüchten, Espetos (Fisch, der auf einem Stock aufgehängt und auf dem Grill gegart wird) und andalusischem Reis basiert. Die Seele Alicantes, die den Strand näher an die Hauptstadt bringt, ist in seinem Fisch-Bistro Lobito de mar in der Straße Jorge Juan auf jeden Fall zu spüren.

 

Gehen wir in die vierte Runde. Auch hier lassen wir dich wählen: Nachmittagssnack oder Tardeo? Zwei gegensätzliche Konzepte, die aber zur gleichen Zeit stattfinden. Das erste von beiden ist weniger erklärungsbedürftig: Man nimmt eine heiße Schokolade oder einen Kaffee zu sich, begleitet von einer süßen Leckerei wie einem – oder zwei oder drei – „Manolitos“, also Mini-Buttercroissants, mit oder ohne Schokolade. Diese Süchtigmacher findest du bei Manolo Pastelerías und Manolo Bakes. Der Tardeo hingegen ist ein neueres Konzept in Madrid, das immer mehr Anhänger findet. Es handelt sich dabei um nichts anderes als das um ein paar Stunden vorverlegte Nachtleben von Madrid, konkret mit Beginn um 17 oder 18 Uhr. Diskotheken wie La Flaca (Calle Velázquez) oder das angebotsreiche Florida (im Park von El Retiro) haben diesen Ansatz populär gemacht. Die Drinks werden ab dem späten Nachmittag serviert und von Flamenco im Hintergrund begleitet.

 

Florida Retiro
Das Florida Retiro verfügt über sechs Bereiche: den Hauptsaal, das Nebengebäude, die Galerie, die Kiosks, die Terrasse und die Kuppel
Foto: ©Florida Retiro

Nach dem Tanzen ist es höchste Zeit, wieder zu Kräften zu kommen. Die beste Gelegenheit, eine der wichtigsten Neueröffnungen des Jahres kennenzulernen. Diego Guerrero – zwei Michelin-Sterne für DSTAgE – hat in diesem Sommer das Restaurant Dspeakeasy eröffnet, mit einem entspannten Konzept ohne Verkostungsmenüs und mit Bestellungen à la carte: Sardinen mit Schinken, „Morros“ mit Langusten und die bereits vielfach fotografierten, von Schnittlauch und gefrorenen Himbeeren begleiteten Cherrys. Und das ist nur eine kleine Auswahl der Hauptgerichte des baskischen Küchenchefs, der im Stadtviertel Las Salesas neue Maßstäbe setzt. Das neue Dspeakeasy teilt sich die Räumlichkeiten mit Dpickleroom, einer Afterwork-Bar, in der Cocktails und Snacks serviert werden. Auch hier lauert die „Gefahr“ der gastronomie- und feierfreundlichen Stadt Madrid: Man weiß, wann etwas beginnt, aber nicht wann – oder wie – es endet.

 

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